Handy-Netz und Instagram abgestellt

Iran fährt Internet-Zensur massiv hoch

Von Dirk Jacquemien

22.9.2022

In Teheran und anderen iranischen Städten gibt es Massenproteste gegen das Regime.
In Teheran und anderen iranischen Städten gibt es Massenproteste gegen das Regime.
Getty Images

Der Tod einer jungen Iranerin in Polizeigewahrsam löst Proteste im ganzen Land aus. Das Regime weiss sich nur mit Gewalt und Zensur zu helfen.

Von Dirk Jacquemien

22.9.2022

Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini durch die Hände der iranischen «Sittenpolizei» gibt es Massenproteste im gesamten Land. Videos der Proteste verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien, vor allem auf Instagram.

Die Plattform war bisher der einzige grössere Social-Media-Dienst, der vom Mullah-Regime nicht blockiert wurde. Mit geschätzten 45 Millionen Nutzer*innen war mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf Instagram aktiv. Doch wie die Analysefirma NetBlocks bestätigt, wird auch Instagram nun von allen iranischen Internet-Anbietern blockiert.

Auch WhatsApp blockiert

Auch der Nachrichtendienst WhatsApp, der wie Instagram zum Meta-Konzern gehört, ist im Iran nicht mehr nutzbar. Gestern wurde dann zusätzlich das gesamte Mobilfunknetz im Land unbrauchbar, mutmasslich, um die Koordination von Protesten zu erschweren.

Mit der kompletten Abschaltung des Netzes statt gezielter Blockaden einzelner Dienste wird verhindert, dass eine Sperre mittels VPN umgangenen werden kann. Laut NetBlocks handelt es sich um die stärksten Internet-Einschränkungen im Iran seit den letzten Massenprotesten im November 2019.

«Oberster Führer» wird beschimpft

Dennoch dringen weiterhin Aufnahmen aus dem Iran nach draussen. Die Videos zeigen zum einen Gewaltexzesse der Sicherheitskräfte, durch die laut «BBC» bisher mindestens acht Menschen ums Leben gekommen.

Ausserdem sind vielfach Unmutsbekundungen gegenüber dem «Obersten Führer» Ali Chamenei zu sehen sowie Frauen, die ihre Kopftücher auf offener Strasse verbrennen.