Dramatischer Absturz

Krypto-Crash wirkt sich auch auf Super Bowl aus

von Dirk Jacquemien

8.2.2023

Der Super Bowl am Sonntag in Phoenix wird ein kryptofreies Ereignis.
Der Super Bowl am Sonntag in Phoenix wird ein kryptofreies Ereignis.
Imago

Das grösste amerikanische Fernsehereignis ist immer auch Bühne für die wichtigsten Unternehmen. Eine Branche mischte 2022 den Super Bowl auf. Doch dieses Jahr ist die Krypto-Industrie verschwunden.

von Dirk Jacquemien

8.2.2023

Wenn du als Unternehmen jemand sein willst in den USA, dann zeigst du deine Werbung während des Super Bowl. Beim mit Abstand wichtigsten Fernsehereignis des Jahres mit Hunderten Millionen Zuschauer*innen rückt das eigentliche Football-Spiel fast in den Hintergrund, es ist vor allem auch ein popkulturelles Phänomen.

Um sich der amerikanischen Öffentlichkeit vorzustellen, gibt es also keinen besseren Ort als die Werbepausen des Super Bowl. Die übertragenden Sender lassen sich das entsprechend bezahlen, dieses Jahr kostet ein 30-sekündiger Spot 7 Millionen Dollar, vergangenes Jahr waren es 6,5 Millionen Dollar. 2022 kamen dann viele Amerikaner*innen erstmals mit einer aufstrebenden Branche in Kontakt: der Kryptowährungs-Industrie.

Hollywood-Legenden und Sport-Superstars

Zu den Krypto-Firmen, die 2022 Millionen in Super Bowl-Werbespots steckten, zählten FTX, Coinbase, Crypto.com und eToro. Sie setzten teils auf absolute Superstars in ihren Spots, die zweifellos weitere Millionen an Gagen kosteten.

FTX etwa engagierte Comedian Larry David («Curb your Enthusiasm»). In vorherigen Spots traten schon NFL-Legende Tom Brady und seine damalige Frau Gisele Bündchen auf, die auch Investor*innen bei FTX waren. Crypto.com dagegen setzte auf Basketball-Legende LeBron James, nachdem zuvor schon Hollywood-Superstar Matt Damon in Werbespots des Unternehmens auftrat.

FTX ist inzwischen insolvent, sein Gründer Sam Bankman-Fried ist wegen milliardenschweren Betrugs angeklagt. Der Coinbase-Aktienkurs hat sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert, ebenso die Bewertungen der noch nicht börsennotierten Crypto.com und eToro.

Wut auf Werbestars

Noch schlimmer als die Unternehmen traf es aber wohl einfache Amerikaner*innen, die sich von den Werbespots überzeugen liessen. Wer den Super Bowl zum Anlass nahm, erstmals in Kryptowährungen zu investieren, hat nun in den allermeisten Fällen mindestens die Hälfte seines Geldes verloren, bei Investitionen in etwas obskurere Kryptowährungen oder auf inzwischen insolventen Plattformen noch viel mehr.

Die Werbespots sind inzwischen von den offiziellen Youtube-Kanälen der Krypto-Firmen verschwunden. Die Wut auf die Superstars, die ihren guten Namen an eine hochspekulativen Industrie verkauften und dabei kräftig abkassierten, ist aber geblieben.

Larry David und Tom Brady etwa sind bereits verklagt worden, weil Geschädigte ihnen eine Mitverantwortung für FTX’ mutmasslichen Betrug geben. 2023 werden die Amerikaner*innen jedenfalls einen kryptofreien Super Bowl geniessen können. Stattdessen sind Spots für Alkohol wieder angesagt, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.