Kampf gegen Virus

So funktioniert die Corona-Verfolgung von Google und Apple

dj

14.4.2020

Kann das Smartphone im Kampf gegen das Coronavirus helfen? Google und Apple glauben das.
Getty Images

Die Kontaktverfolgung gilt als eines der wichtigsten Mittel zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Um diese technisch möglich zu machen, haben Google und Apple nun eine Kooperation angekündigt.

Bei Wegen, um das Coronavirus auch nach der Lockerung von Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren in Schacht zu halten, fällt immer wieder der Begriff der Kontaktverfolgung. Jeder Mensch, der mit einer Covid-19-positiven Person in Kontakt gekommen ist, soll identifiziert werden, damit eine weitere Ausbreitung des Virus unterbunden kann.

Doch natürlich weiss man meistens nicht, wie die Person heisst, die neben einem im Tram sass oder im Büro-Aufzug stand. Daher wird bei der Kontaktverfolgung fast immer das allgegenwärtige Smartphone als hilfreichstes Mittel erwähnt. Und gerade deshalb haben die Rivalen Google und Apple eine beispiellose Kooperation angekündigt. Die Macher von Android und iOS besitzen ein Quasi-Duopol bei Smartphone-Betriebssystemen und sind daher die logischen Ansprechpartner für ein solches Programm.



Milliarden von potenziellen Nutzern

Die beiden Tech-Giganten haben in gemeinsamen Arbeitspapieren schon detailliert dargelegt, wie die Kontaktverfolgung funktionieren soll. Diese soll in zwei Phasen ablaufen. Mitte Mai wollen sie eine gemeinsame Schnittstelle einführen, die in die Apps von Gesundheitsbehörden eingebaut werden kann und sicherstellen soll, dass die Kontaktverfolgung über Betriebssystem-Grenzen hinweg funktioniert.

Später dann soll die Fähigkeit zur Kontaktverfolgung direkt in Android und iOS eingebaut werden. Dann wird es vermutlich nach einem Update eine Anfrage geben, ob man am Programm teilnehmen möchte. Dieses würde dann automatisch im Hintergrund laufen, ohne das man einzeln eine App öffnen oder einrichten müsste. Google will für dieses Update die Google Play Services nutzen, was dafür sorgen sollte, dass auch ältere Smartphones (alle ab Android 6) schnell an der Kontaktverfolgung teilnehmen können. Potenziell Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt könnten so das Feature ganz einfach nutzen.

Bluetooth statt GPS

Doch wie funktioniert die Kontaktverfolgung nun? Ganz wichtig: Google und Apple setzen auf Bluetooth und nicht GPS. Das heisst, es wird weder verfolgt noch gespeichert, wo sich ein einzelner Nutzer aufgehalten hat. Stattdessen sendet, vereinfacht ausgedrückt, jedes teilnehmende Smartphone kontinuierlich einen individuellen Code über Bluetooth aus. Dieser Code lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers zu, wird aber von allen anderen Smartphones in räumlicher Nähe, die ebenfalls an der Kontaktverfolgung teilnehmen, aufgefangen und für 14 Tage gespeichert.

Je nachdem wie aktiv man ist, werden das sicherlich hunderte oder tausende individuelle Codes sein. Wird nun jemand positiv getestet, meldet er dies und der mit seinem Smartphone verbundene Code wird in einer zentralen Datenbank, die von Gesundheitsbehörden betrieben werden soll, als positiv getestet markiert. In regelmässigen Abständen fragen alle teilnehmende Smartphone diese Datenbank ab, ob einer der Codes, mit denen sie in letzter Zeit in Kontakt gekommen sind, entsprechend markiert wurde. Falls ja, wird ein Alarm ausgegeben, und der Nutzer bekommt Tipps zum weiteren Vorgehen.

Warnungen solcher Art sollen Nutzer bekommen, die in Kontakt mit einem Covid-19-Positiven standen.
Apple/Google

Erfolg ungewiss

Wie erfolgreich diese Kontaktverfolgung im Kampf gegen das Virus sein kann, ist noch völlig unklar und hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen soll das Programm komplett auf Freiwilligkeit bestehen, wie Google und Apple betonen. Man muss also in der ersten Phase proaktiv die entsprechende App herunterladen oder in der zweiten Phase proaktiv das entsprechende Feature von iOS oder Android aktivieren. Nur wenn ein signifikanter Teil der Bevölkerung da mitmacht, kann die Kontaktverfolgung per Smartphone wirklich hilfreich sein.

Dann braucht es auch einen Schutz gegen Missbrauch. Wenn jedermann einfach behaupten könne, er sei positiv auf Covid-19 getestet worden, würde das zweifellos unzählige Trolle anziehen, die ihre Mitbürger in Angst und Schrecken versetzen möchten. Covid-19-Positive sollen daher zusammen mit ihrem Testergebnis von den Gesundheitsbehörden ein Einmal-Passwort bekommen, mit dem sie die Meldung auslösen können.

Falsch-positiv-Meldungen könnten zum Problem werden.

Daneben gibt es aber natürlich auch das Potenzial für reguläre Falsch-positiv-Meldungen. Ein Beispiel: Jemand sitzt im Zug an einem Fensterplatz und draussen auf dem Bahnsteig läuft ein Covid-19-Positiver am geschlossenen Fenster vorbei. Eine Übertragung des Virus ist hier unmöglich, aber das kann die Bluetooth-Kontaktverfolgung natürlich nicht wissen.

Und selbst wenn man tatsächlich direkten Kontakt mit Covid-19-Positiven hat, hängt es vereinfacht ausgedrückt oft vom Zufall ab, ob man sich wirklich infiziert. Spukt das Programm hier eine hohe Zahl von Falsch-positiv Ergebnissen aus, könnte das die Akzeptanz der Bevölkerung reduzieren. Ein Allheilmittel im Kampf gegen das Coronavirus kann die Kontaktverfolgung per Smartphone also leider nicht sein.

Die Coronavirus-Krise: Eine Chronologie

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