IFA in Berlin So funktioniert eine Tech-Messe in der Pandemie

Dirk Jacquemien, Berlin

3.9.2020

Die IFA in Berlin ist die erste grosse Tech-Messe seit Beginn der Corona-Pandemie. Wie fühlt es sich vor Ort an?

Die grossen Messen hat es als erste erwischt. Als die Corona-Pandemie Anfang des Jahres zunächst in Asien wütete, wurde eine Messe nach der anderen abgesagt. Prominentestes Opfer war wohl der für Ende Februar geplante Mobile World Congress in Barcelona, der am 12. Februar abgeblasen wurde, obwohl es zu diesem Zeitpunkt weniger als 50 Corona-Fälle in Europa gab. Doch wenig später war bekanntlich fast der ganze Kontinent im Lockdown.

Eine Rückkehr zu einer Art Normalität wagte nun die IFA in Berlin, die als erste international renommierte Tech-Messe wieder auf Präsenzveranstaltungen setzt. Heute begann die dreitägige IFA «Special Edition», bei der vieles anderes und vor allem deutlich kleiner ist.

Ampeln regeln den Messeverkehr

In drei verschiedenen Bereichen werden jeweils 750 Fachbesucher zugelassen, statt der sonst üblichen Hunderttausenden. Das Haupt-Event nennt sich dieses Jahr «Global Press Conference» und findet in vier bewusst spärlich belegten Hallen statt.

Fast jeder Besucher trägt eine Maske, Desinfektionsmittelspender sind reichlich vorhanden und eine Ampel zeigt vor jeder Halle an, ob noch genug coronakonformer Platz vorhanden ist. Das Abstand halten ist im Gegensatz zu den in früheren Jahren regelmässig völlig überfüllten Berliner Messehallen kein Problem.

Grosse Aussteller haben abgesagt

Drei Tage voller Pressekonferenzen sollen die Besucher bei Stange halten. Zuvor hatten freilich viele grosse Aussteller vergangener Jahre abgesagt, etwa Samsung und Sony. Prominenteste Vertreter vor Ort sind wohl Huawei und dessen Untermarke Honor sowie LG. Eine virtuelle Messeerweiterung online bietet zahlreichen weiteren Firmen eine Bühne.

Die Messebranche hofft aber dennoch, dass ihr Geschäftsmodell grosser Präsenzveranstaltungen die Pandemie überlebt und Hersteller nicht dauerhaft ihre Produkte vor allem auf Online-Events vorstellen. «Tech is back» hiess es dann in der Eröffnungsrede der Messe, wobei «Tech» aber natürlich nie wirklich weg, sondern in Lockdown- und Homeoffice-Zeiten eher omnipräsent war.

Gleich die folgende Keynote vom Qualcomm-Präsident kam denn auch vom Band aus dem Corona-Hotspot San Diego. Andere setzten auf ein Hybrid-Modell, etwa LG. Ein PR-Vertreter aus Deutschland führte vor Ort durchs Programm, während Spitzer-Manager aus Südkorea per Hologramm oder Livestream zugeschaltet wurden. Klassische Messestände mit neuen Produkten zum Anfassen haben dieses Jahr nur knapp ein Dutzend Hersteller. Einen Eindruck verschafft dazu unsere Galerie oben.

Die grössten Stände an der Mini-IFA haben Huawei und Sexspielzeughersteller Satisfyer.
Die grössten Stände an der Mini-IFA haben Huawei und Sexspielzeughersteller Satisfyer.
dj

Corona-Spital gleich nebenan

Die Macher der IFA dürften aber vor allem froh sein, es überhaupt geschafft zu haben, eine funktionierende Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben. Als die IFA «Special Edition» im Mai angekündigt wurde, gab es durchaus noch ordentlich Skepsis. Hier profitierte man auch von glücklicher Fügung bezüglich Zeit und Ort. Denn jetzt gerade sind die Infektionszahlen in Deutschland auf niedrigem Niveau. Die für Anfang Januar angedachte CES in Las Vegas hat dagegen bereits jetzt das Handtuch geworfen und wird nur virtuell stattfinden.

Auf eine gewisse Art und Weise war aber Corona dann auch in Berlin ganz nah an der IFA. Denn unmittelbar nebenan, in den Hallen 25 und 26 des Messegeländes, befindet sich das «Corona-Behandlungszentrum Jafféstrasse», ein improvisiertes Notfall-Spital des Landes Berlin. In Rekordzeit im April errichtet, stehen dort 500 Betten bereit für den Fall, dass eine zweite Welle das Gesundheitssystem der deutschen Hauptstadt überlastet.

Bereit für die zweite Welle. Direkt neben der IFA befindet sich Berlins Corona-Notspital mit 500 Betten.
Bereit für die zweite Welle. Direkt neben der IFA befindet sich Berlins Corona-Notspital mit 500 Betten.
Keystone

Ein echter Patient wurde dort nie behandelt, trotzdem wird ständig trainiert und das Spital einsatzbereit gehalten. Abgebaut werden soll es erst wieder, wenn das Ende der Pandemie absehbar ist. Mit etwas Glück stehen dann dort nächstes Jahres wieder wie üblich riesige 8K-Fernseher anstatt Beatmungsgeräte.

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