So soll das WLAN auf dem Mond funktionieren

Dirk Jacquemien

16.10.2021

Mit LunaNet wären Astronaut*innen immer gut verbunden.
Mit LunaNet wären Astronaut*innen immer gut verbunden.
Bild: Nasa

LunaNet soll Internetzugang auf dem Mond ermöglichen und der erste Baustein eines interplanetaren Datennetzwerkes werden.

Dirk Jacquemien

16.10.2021

Schon in wenigen Jahren will die Nasa zur Mondoberfläche zurückkehren. Mit einer schnöden Radioverbindung zur Kommunikation von Menschen und Maschinen wie bei den ersten Besuchen in den 1960er und 1970er ist es aber natürlich nicht mehr getan. Moderne Raumfahrzeuge erfordern eine viel höhere Bandbreite. Dieses soll LunaNet ermöglichen.

Das geplante Netzwerk soll die Navigation von Gerätschaften sowohl im Mondorbit als auch auf der Oberfläche unterstützen. Es soll eine stabile Verbindung zur Erde herstellen, kann aber auch unabhängig von dieser den Astronaut*innen bei ihrer Arbeit helfen und sie vor Gefahren warnen.

Neues Internetprotokoll notwendig

Damit das alles möglich wird, ist ein neues Internetprotokoll notwendig. Ein Radiosignal vom Mond zur Erde und zurück braucht beispielsweise durchschnittlich 2,5 Sekunden und ist anfällig für Unterbrechungen — das standardmässig verwendete Internet Procotol (IP) ist jedoch für eine Echtzeit-Kommunikation mit permanenter Verbindung entwickelt worden.

Das «Delay/Disruption Tolerant Networking» (DTN) kommt dagegen mit Verzögerungen und Unterbrechungen klar. Kann ein Datenblock nicht an die nächste Station weitergeleitet werden, wird dieser einfach gespeichert und bei der nächsten Möglichkeit erneut versendet. Vor allem wenn das Netzwerk später auch für Missionen etwa zum Mars verwendet werden soll, ist diese Toleranz erforderlich.

Noch in der Konzeptphase

LunaNet ermöglicht auch eine viel direktere Steuerung unter anderem von Rovern auf der Oberfläche. Diese lassen sich mit LunaNet von Astronauten*innen in einer Basisstation oder aus dem Mondorbit bedient — die Verzögerung zur Erde entfällt. Schliesslich soll LunaNet die Astronaut*innen auch automatisch warnen, wenn sich ein Solarsturm nähert, ohne dass dazu ein Eingreifen von der Erde aus erforderlich ist.

Warnungen vor Solarstürmen würden Astronaut*innen über LunaNet direkt auf ihr Tablet bekommen.
Warnungen vor Solarstürmen würden Astronaut*innen über LunaNet direkt auf ihr Tablet bekommen.
Bild: Nasa

Bisher ist LunaNet vor allem ein Konzept, mit welcher konkreten Hardware es aufgebaut werden soll, muss erst noch entschieden werden. Es ist Teil des Artemis-Programms der Nasa. Bei diesem sollen nach derzeitigem Zeitplan Anfang des nächsten Jahres zunächst ein unbemanntes Raumschiff in den Mondorbit geschickt werden, 2023 dann eine bemannte Umrundung folgen und 2025 schliesslich wieder Menschen auf dem Mond landen.