Fast das Beste beider Welten

Von Henning Steier

17.5.2019

Die Sony DSC-RX0M2 kostet kostet als Kit rund 900 Franken. Darin enthalten: der Aufnahmegriff VCT-SGR1, eine Mikrofonhalterung und ein Zusatzakku – all das hier nicht im Bild.
Bild: PD

Die Sony RX0 II ist zwischen Actioncam und Premium-Kompaktkamera angesiedelt. Eine clevere Strategie des Herstellers. Trotzdem bleiben drei Verbesserungsmöglichkeiten für die nächste Version. 

Technikjournalisten greifen gern zu Vergleichen. Jahrelang war zum Beispiel bei Android-Smartphones oft vom nächsten iPhone-Killer die Rede, obwohl sich längst herausgestellt hatte, dass diese Vergleiche nicht unbedingt sinnvoll sind, da Apple zum Beispiel über Jahre einen grossen Vorteil in puncto App-Angebot hatte. Warum dieser Rückblick? Angesichts des Marktstarts der Sony RX0 II ist in vielen Berichten von einer Konkurrenz zur GoPro die Rede. 

Dabei bewegt sich die Nachfolgerin der RX0 wie die vorige Version zwischen Actioncam und Edelkompaktkamera. Ein wichtiger Grund: Die Brennweite liegt bei 35 mm entsprechend Kleinbild. Damit hat die RX0 nicht den Weitwinkel einer Actioncam zu bieten, weswegen Sony sie auch nicht als solche vermarktet.

Typisch Actioncam

Auf der anderen Seite stehen typische Merkmale einer Actionkamera auf dem Spezfikationszettel: 130 Gramm Gewicht, Masse von 60 x 41 x 35 Millimetern, keine erkennbaren Bedienelemente. Zudem ist die RX0 II bis zu einer Tiefe von zehn Metern wasserdicht und übersteht Stürze aus bis zu zwei Metern. Im Test von «Bluewin» traf beides zu.

Dass Sony sie als Premium-Kompaktkamera anbietet, hat auch damit zu tun, dass im Gehäuse ein Typ-1-Zoll-Bildsensor werkelt, den man aus bekannten Edelkompakten kennt. Die Auflösung beträgt übrigens 15,3 Megapixel.

Fünfzig Kameras

Nicht nur weil uns weitere Exemplare im Test fehlten, konnten wir eine interessante Funktion im Test noch nicht ausprobieren: Mit der App Imaging Edge Mobile kann man laut Sony bis zu fünf RX0-Modelle über einen Zugriffspunkt steuern. Das Software-Update, nach dem bis fünfzig Kameras unterstützt werden sollen, wird Sony unverständlicherweise erst im Sommer anbieten. 

Lob verdienen hingegen die drei wesentlichen Verbesserungen der RX0 II im Vergleich zur RX0: Elektronische Bildstabilisierung, ein um 180 Grad drehbarer Bildschirm, der auch unter Wasser funktioniert. Und nicht zuletzt 4K-Aufnahmen mit 30 fps ohne externen Recorder. Praktisch: Das 4K-Signal wird auf Wunsch unkomprimiert ausgegeben. Randnotiz: Die Actioncam GoPro Hero 7 Black liefert 4K-Aufnahmen mit bis zu 60 fps. 

Sehr gute Aufnahmen

Ein weiteres Manko im Vergleich zur GoPro: GPS ist nicht an Bord. Punktabzüge gibt es auch für das veraltete Micro-USB 2.0 (statt USB-C) als Schnittstelle und bloss Bluetooth 4.1, also keine stromsparende Version des drahtlosen Übertragungsstandards. Passenderweise kam die RX0 II im Test nur auf eine Akkulaufzeit von 30 Minuten. Daher überrascht es nicht, dass Sony sie hierzulande im Kit verkauft, das unter anderem zwei Wechselakkus enthält. 

Wie gut sind aber nun die Aufnahmen im Vergleich zur halb so teuren GoPro Hero 7 Black – sofern man die Sony-Kamera denn damit vergleichen kann (siehe oben)? Klar ist: Sonys Digicam erfasst etwa das 1,7-Fache an erforderlichen Daten für 4K Aufnahmen. Deshalb werden Bildfehler und Moiré-Effekte minimiert und die Schärfe erhöht. Für sehr guten Sound lässt sich dankenswerterweise ein externes Mikrofon anschliessen. 

Fazit

Nicht nur gegenüber dem Vorgänger, sondern auch gegenüber jeglicher Konkurrenz hat Sony auch dank des hauseigenen BIONZ X Bildprozessors bessere Farben und natürlichere Hauttöne zu bieten. Der auf Wunsch zuschaltbare Soft Skin Effect verbessert Porträts wesentlich. Auch der erwähnte überarbeitete 15,3-Megapixel-Sensor sorgt natürlich für die extraordinäre Bildqualität – mit dem maximalen ISO-Wert von 12'800 auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Beseitigt Sony mit der RX0 III die erwähnten Mankos, wird es eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben. 

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