«Hier kann ich mich frei bewegen»

20.6.2019 - 11:38, Sascha Bianchi

Jamila Amini fühlt sich wohl in der Schweiz – und bei Swisscom.
Bild: Swisscom

Am heutigen Weltflüchtlingstag bringen Menschen weltweit ihre Solidarität mit Flüchtlingen zum Ausdruck. Im Interview berichtet Jamila Amini über ihre Flucht aus Afghanistan, ihre Arbeit bei Swisscom und ihre Träume.

Ein weicher Händedruck, ein schüchternes Lächeln – mit leiser Stimme begrüsst uns Jamila in Zürich und sagt: «Ich bin eine ruhige Person.» Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar. Doch der erste Eindruck trügt. Sie hat eine aussergewöhnliche Geschichte zu erzählen.

Jamila stammt aus Kabul, Afghanistan. Sie ist aufgewachsen in einem von Kriegen zerrütteten Land. Lange Zeit hat sie dem Terror getrotzt, hat die Universität in Kabul besucht und den Bachelor in Informatik abgeschlossen, als eine von zwei Frauen in ihrem Studiengang. Sie hat geheiratet, ein Fest mit über 1800 Gästen, wie Jamila erzählt. Und sie ist Mutter einer kleinen Tochter geworden.

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter wurde die Familie von den Taliban mit dem Tod bedroht. Jamila und ihr Mann mussten fliehen, wollten sie am Leben bleiben. Für eine lange Planung reichte die Zeit nicht. Die Familie floh zuerst in den Iran, dann in die Türkei und von dort aus in die Schweiz. Die gefährliche Flucht führte sie über Berge und durch Wüsten. Sie liefen viel
zu Fuss oder fuhren in Lastwagen-Anhängern. Jamilas Tochter war zu der Zeit drei Monate alt.

Am 20. Dezember 2015 erreicht die Familie die Schweiz. «Die Ankunft in der Schweiz war wie eine zweite Geburt. Eine Geburt ohne Mutter. Die Schweiz war ein komplett fremdes Land für uns, mit einer neuen Kultur und Sprache. Wir waren total erschöpft und überwältigt von den vielen Eindrücken.»

Über ein Jahr lebte Jamila und ihre Familie in einem Flüchtlingscamp – zuerst in St. Gallen, dann in Bern. Die ganze Familie lebte in einem kleinen Zimmer. Küche und Badezimmer teilte die Familie mit anderen Flüchtlingen im Camp. Privatsphäre? Fehlanzeige. Weil Jamila und ihr Mann Englisch sprechen, halfen sie anderen Flüchtlingen als Übersetzer und begleiteten sie bei Einkäufen, Arztbesuchen oder bei Gesprächen mit Behörden.

Das Knigge-Handbuch, das Jamila von ihrer Pflegemutter erhalten hat, hilft ihr die Schweizer Gewohnheiten und Bräuche besser zu verstehen. «In Afghanistan haben wir nur Löffel auf dem Tisch. Das Essen mit Messer und Gabel war für uns neu.»

«Das Schlimmste dieser Zeit war, dass wir keinen Status hatten. Wir konnten nichts tun. Wir mussten die ganze Zeit nur warten», beschreibt Jamila ihre Erinnerung an die damalige Zeit. Eines Tages hörte sie im Flüchtlingscamp von einem Programmier-Bootcamp für Flüchtlinge, das in Bern stattfinden sollte. Sie bewarb sich sofort für das dreimonatige Powercoders-Programm. Und von da an sollte sich ihr Leben von Grund auf ändern.

Jamila, du arbeitest seit über einem Jahr bei Swisscom. Wie bist du zu uns gekommen?

Am Ende des Powercoders-Programms gab es einen Career Day, bei dem verschiedene IT-Unternehmen aus Bern Praktikumsplätze anbieten. Swisscom war vor Ort und so habe ich das Unternehmen kennengelernt. Ich habe mich danach für ein Praktikum beworben und neun Monate als Entwicklerin bei Swisscom gearbeitet. Nach dem Praktikum erhielt ich ein Stellenangebot. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich eine Arbeit gefunden habe. Ich bin Swisscom sehr dankbar dafür.

Wie war dein Einstieg bei Swisscom?

Sehr schwierig. Alles war neu. Ich hatte noch nie als Informatikerin in einem grossen Büro gearbeitet. Nach meinem Studium arbeitete ich als Informatik-Lehrerin in einer Oberstufe. Dort haben wir uns vor allem die Office-Produkte angeschaut. Programmiersprachen kannte ich nur aus der Theorie. Auch die Sprache war ein Hindernis. Ich konnte Englisch, aber manchmal wurde in Meetings nur Deutsch gesprochen. Da konnte ich zu Beginn nichts verstehen. Deshalb musste ich schnell Deutsch lernen. Viele nette Leute bei Swisscom haben mir geholfen, dass ich mich schneller integrieren konnte. Sie mussten zu Beginn viel Geduld mit mir haben. Ich durfte sie aber immer alles fragen und sie haben mir die Sachen gezeigt, die ich nicht kannte. Das hat mir sehr geholfen.

Was gefällt dir an deiner Arbeit?

Eigentlich alles. Ich arbeite sehr gerne im Team. Alle sind sehr nett und hilfsbereit. Das ist super. Ich erhalte oft Feedbacks und kann so viel dazulernen. Dank der Feedbacks komme ich weiter.

Was ist dir wichtig im Leben?

Gesundheit. Gesund sein ist das allerwichtigste. Nur wenn wir gesund sind, können wir leben, essen, laufen und das Leben geniessen.

Was gefällt dir am Leben in der Schweiz?

Ich mag die Natur. Wir haben zwar auch Berge in Afghanistan, die sind aber nicht so schön wie hier. Ich mag, dass es hier so grün ist. Auch den Regen mag ich, in Afghanistan ist es extrem trocken. Im Sommer spaziere ich gerne an der Aare entlang. Und natürlich die Freiheit. Hier kann ich mich frei bewegen und muss keine Angst haben.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Frieden für Afghanistan. Ich bin im Krieg gross geworden und hasse den Krieg. Ich wünsche mir, dass es nie mehr Krieg gibt auf der Welt.

Dies ist ein Artikel der Swisscom Unternehmenskommunikation. Weitere finden Sie hier.

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