Abschlussplädoyers beendet

Showdown im Fall Depp gegen Heard

dpa

27.5.2022 - 21:24

Anwältin: Johnny Depp «will sein Leben zurück»

Anwältin: Johnny Depp «will sein Leben zurück»

In den USA geht der Verleumdungsprozess zwischen Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard dem Ende entgegen. Depps Anwältin zufolge handelt es sich bei ihm um das Opfer häuslicher Gewalt – und nicht um den Täter.

27.05.2022

Rund 15 Monate lang waren Johnny Depp und Amber Heard ein Ehepaar. Jetzt standen sich die beiden Schauspieler sechs Wochen lang vor Gericht gegenüber – und überzogen sich gegenseitig mit schweren Vorwürfen. Zum Abschluss appellierten beide Seiten an die Jury.

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27.5.2022 - 21:24

Der Verleumdungsprozess zwischen Hollywood-Star Johnny Depp (58) und seiner Ex-Ehefrau Amber Heard (36) ist auf die Zielgerade eingebogen. In den Abschlussplädoyers versuchten die Verteidiger beider Seiten am Freitag vor Gericht im Bezirk Fairfax im US-Bundesstaat Virginia noch einmal mit eindringlichen Appellen, die sieben Mitglieder der Jury auf ihre Seite zu ziehen. Depps Verteidigung warf Heard Lügen und falsche Anschuldigungen vor, Heards Verteidigung forderte Depp auf, Verantwortung zu übernehmen.

«Überwältigende Beweise für Missbrauch»

«Er hat jedem auf der Welt die Schuld zugeschoben: Seinem Agenten, seinem Manager, seinem Anwalt, Amber, seinen Freunden», sagte Heards Verteidigerin Elaine Bredehoft bei dem wie stets live übertragenen Prozess über Depp. «Noch nie hat er für irgendetwas in seinem Leben Verantwortung übernommen. Aber wir fordern Sie dazu auf, ihn dazu zu zwingen, Verantwortung zu übernehmen.»

Es gebe «überwältigende Beweise für Missbrauch», sagte Heards Verteidiger Benjamin Rottenborn. «Herr Depp kann einfach nicht beweisen, dass er Amber nicht mindestens einmal missbraucht hat.» Ein Urteil gegen Heard sei zudem eine niederschmetternde Botschaft für Missbrauchsopfer auf der ganzen Welt, sagte Rottenborn – «dass, egal was man als Missbrauchsopfer macht, man immer noch mehr machen muss».

Depp laut seiner Anwälte nur Opfer

Depps Verteidigung wies die Vorwürfe strikt zurück. Depp sei nicht der Täter, sondern das Opfer in diesem Fall. Heard habe vor Gericht genau das erzählt, was die Jury ihrer Meinung nach hören musste, um Depp als «Missbrauchstäter und Vergewaltiger» zu verurteilen, sagte Depps Verteidigerin Camille Vasquez. «Sie will, dass Sie glauben, dass sie während ihrer Beziehung unzählige Male missbraucht wurde.» 

Johnny Depp, Schauspieler aus den USA, hört zu während sein Anwalt Chew seine Schlussplädoyers im Fairfax County Circuit Courthouse hält. US-Schauspieler Depp wirft seiner Ex-Frau Amber vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Foto: Steve Helber/AP/dpa
Johnny Depp hört zu während sein Anwalt Chew seine Schlussplädoyers im Fairfax County Circuit Courthouse hält. US-Schauspieler Depp wirft seiner Ex-Frau Amber vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. 
Bild: Steve Helber/AP/dpa

Dafür gebe es aber keine Beweise, sagte Vasquez weiter. «Was wir haben, ist ein Berg unbewiesener Anschuldigungen, die wild, übertrieben und unglaubwürdig sind.» Vasquez bat die Jury eindringlich, sich auf die Seite von Depp zu schlagen. «Es geht hier um den guten Namen eines Mannes. Und mehr noch, es geht um das Leben dieses Mannes, das Leben, das er verloren hat, als er eines furchtbaren Verbrechens angeschuldigt wurde.»

Urteil kann jederzeit fallen

Im Anschluss an die Abschlussplädoyers wurde am Freitag noch ein letzter Austausch beider Seiten vor Gericht erwartet, bevor der Fall an die Jury übergeben werden sollte. Ein Urteil könnte dann jederzeit fallen. Der Zivilprozess zwischen den Ex-Eheleuten Depp («Fluch der Karibik») und Heard («Aquaman») läuft bereits seit sechs Wochen.

In seiner Zivilklage hält Depp seiner Ex-Frau vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies habe seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung klagt Depp auf rund 50 Millionen Dollar (rund 48 Millionen Franken) Schadenersatz, Heard hat eine Gegenklage auf 100 Millionen Dollar eingereicht. Depp hat in dem Verfahren mehrfach betont, nie körperliche Gewalt gegen Heard angewandt zu haben. Heard behauptet das Gegenteil.

Die beiden Schauspieler hatten sich 2009 bei den Dreharbeiten zu dem gemeinsamen Film «The Rum Diary» kennengelernt. 2015 heirateten sie, doch nach 15 Monaten Ehe reichte Heard die Scheidung ein.

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