Pionier der elektronischen Musik

Komponist und Oscar-Preisträger Vangelis ist tot

Alexia Angelopoulou, dpa/che

20.5.2022

Er war Oscar-Preisträger und Komponist der Musik zu Filmen wie «Blade Runner» und «1492» – mit Vangelis ist ein Wegbereiter der elektronischen Musik gestorben. 

Alexia Angelopoulou, dpa/che

20.5.2022

Am Dienstag starb Vangelis in einem französischen Spital, wie griechische Medien am Donnerstagabend unter Berufung auf den Anwalt des Musikers berichteten.

Von einer kleinen griechischen Stadt aus zum Musik-Weltstar: Vangelis, mit bürgerlichem Namen Evangelos Odysseas Papathanassiou, galt als einer der Pioniere elektronischer Musik. Weltberühmt wurde er mit eingängigen Kompositionen für Filme wie «Die Stunde des Siegers», «Blade Runner» oder auch «1492 – Die Eroberung des Paradieses».

«Der gewaltige Komponist ist tot», titelte die Zeitung «To Proto Thema». Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis twitterte: «Diese traurige Nachricht bedeutet, dass die weltweite Musikbranche den international bekannten Vangelis verloren hat, den Protagonisten des elektronischen Sounds.»

Wollte Maler werden

Angefangen hatte die Karriere des eigensinnigen Genies in den 60er-Jahren, als die Band Forminx junge Griechen hysterisch werden liess. Songs wie «Jeronimo Yanka» und «Love Without Love» sowie «Our Last September» waren die Hits, Seele der Fünf-Mann-Kombo war ein Junge mit markantem Bart: Evangelos Papathanassiou.

Niemand konnte damals ahnen, dass der junge Musiker aus der mittelgriechischen Hafenstadt Volos rund 15 Jahre später den Oscar für die Komposition des Soundtracks zum Film «Chariots of Fire» («Die Stunde des Siegers») gewinnen und eines Tages als einer der bekanntesten Musiker der Welt gelten würde.

Vangelis wollte eigentlich Maler werden und studierte an der Akademie in Athen. Die Musik brachte er sich selbst bei. 1968 zog er nach Paris und feierte dort zusammen mit den griechischen Musikern Demis Roussos und Loukas Sideras seine ersten Erfolge. Zusammen bildeten sie die Gruppe Aphrodite's Child. Vangelis komponierte die Musik zur LP «666», die als ein Klassiker des progressiven Rocks gilt.

1973 startete Vangelis seine Solokarriere und experimentierte mit elektronischer Musik. Nach dem Oscar für «Chariots of Fire» kam ein Erfolg nach dem anderen, darunter die Soundtracks für «Blade Runner» und «1492 – Die Eroberung des Paradieses».

Anfang des neuen Jahrtausends begann Vangelis auch mit Orchestermusik zu experimentieren. 2002 komponierte er die Musik zur Fussball-WM in Korea und Japan. Als bestes Werk seiner neuen Orchestralmusik gilt die «Mythodea» mit choralen Abschnitten.

Vangelis lebte zurückgezogen

Obwohl viele Vangelis als Wegbereiter sehen, blieb er selbst bescheiden - glamouröse Partys und grosse Auftritte waren nicht seine Sache. Vor allem in den letzten Jahren wurde er sehr öffentlichkeitsscheu. Er male viel und widme sich der Ikonenmalerei, liess sein Anwalt 2018 wissen, als Vangelis für ein Interview zu seinem 75. Geburtstag angefragt wurde. Er grüsse alle seine Fans, hiess es.

2019 gab Vangelis dann doch noch eines seiner seltenen Interviews: Der griechischen Zeitung «Kathimerini» gegenüber erklärte er auf die Frage nach elektronischer Musik und neuen Technologien: «Die Avantgarde steckt nicht in den Instrumenten, sondern im Menschen. Beispiel: Sie können einen Satz oder eine mathematische Gleichung mit dem Finger in den Sand schreiben und denselben Satz oder dieselbe Gleichung auf einem modernen Computer tippen. Die Bedeutung wird genau dieselbe sein.»

Entsprechend zurückhaltend bewertete er die Entwicklung der Informationstechnologie. «Was die von Ihnen erwähnte künstliche Intelligenz betrifft, die in letzter Zeit in Mode gekommen ist, sehe ich keinen Grund, eine Maschine mit künstlicher Intelligenz zu verwenden, wenn ich mit einem Menschen arbeiten kann.»