125 Jahre mit nur einem Klick

fts

29.7.2020 - 07:00

Heritage Online soll Filme aus ganzer Welt für alle zugänglich machen.
LFF

Heritage Online, das Projekt, das von der «Seele» des Locarno Filmfestivals für die Ausgabe Locarno 2020 ins Leben gerufen wurde, ist den Fachleuten der Branche gewidmet und hat ein erklärtes Ziel: das Erbe des Kinos online zu bringen.

Am 28. Dezember 1895 fand in Paris die von den Gebrüdern Lumière organisierte erste öffentliche Filmvorführung Frankreichs vor zahlendem Publikum statt. Seitdem sind in der 125-jährigen Geschichte Hunderttausende von Filmen gedreht worden. Darunter auch jene, die Filmgeschichte geschrieben haben; Meisterwerke – oder auch nicht –, die das Erbe der «siebten Kunst» darstellen. Warum also nicht auch diese Filme online, auf Video-on-Demand-Plattformen, in Streaming-Reichweite haben?

Dafür gibt es jetzt Heritage Online

Ausgedacht hat sich das Locarno Pro, der operative Zweig des Filmfestivals von Locarno, der sich der Welt der Filmindustrie widmet, und sich auch weiterhin darum kümmert. Locarno Pro startet, anlässlich von «Locarno 2020 – For the Future of Films», der Sonderausgabe des Festivals im Jahr des Lockdowns, einen neuen, digital basierten Dienst, der die Verbreitung und den Vertrieb von Filmen des Kulturerbes durch Video on Demand ausweiten soll.

Und wie? Durch die Schaffung eines Ortes, genauer gesagt der Plattform Heritage Online, ab Anfang Juli, wo Filmrechteinhaber den verschiedenen Streamingdiensten wie Netflix, Prime Video oder auch Apple TV ihren eigenen Katalog vorschlagen können. «Wollen Sie Ihren Kunden den Film ‹Citizen Kane› von Orson Welles anbieten? Hier ist er!»

Giganten in Locarno

Ein Teil dieses Kulturerbes, von 1946 bis heute, war auch bei den vielen Locarno Filmfestivals, eines der langlebigsten Feste weltweit, zu sehen. Wie beispielsweise einige grosse Filme des italienischen Neorealismus, wie «Deutschland im Jahre Null» (Grand Prix 1948) und «Rom, offene Stadt» (1946) von Roberto Rossellini oder «Fahrraddiebe» von Vittorio de Sica (1949).

Ganz zu schweigen von den grossen Western von John Ford, der, nachdem er bereits über 100 Filme gedreht hatte, 1947 «Faustrecht der Prärie» und 1950 die Filmkomödie «So ein Pechvogel» (erster Preis der Internationalen Journalistenjury) nach Locarno brachte. Nicht zu vergessen die Auszeichnung als bester Regisseur 1959 für «Der Tiger von New York», der zweite Spielfilm eines 31-Jährigen, der später Filme wie «2001: Odyssee im Weltraum», «Clockwork Orange» oder «Full Metal Jacket» drehen sollte: Stanley Kubrick.

Aus den Filmarchiven über Locarno an die breite Öffentlichkeit

Heritage Online wird also keine Plattform sein, die den digitalen Zuschauern offensteht, sondern das Ziel ist die breite Öffentlichkeit. Das heisst, die Industrie zu aktivieren, um diese Meisterwerke, die häufig irgendwo übereinander gestapelt rumliegen und so langsam vor sich hin verstauben, in das Wohnzimmer der Filmliebhaber zu bringen. Wie? Indem Heritage Online als Vermittler zwischen denjenigen, die die Filme besitzen (Filmotheken, Stiftungen, Archive, etc.) und denjenigen, die die Plattformen haben, um sie zu zeigen, fungiert. Mit nur einem Klick.

Zurück zur Startseite