Tränen, Skandale, Küsse Die denkwürdigsten Momente der Oscar-Verleihungen

tsch

24.2.2019

Langatmige Reden, tränenreiche Danksagungen, Witze auf Kosten des Publikums, politische Propaganda, nackte Tatsachen – die Oscar-Bühne hat schon alles gesehen. Die denkwürdigsten Augenblicke im Überblick!

Willkommen in Hollywood: In der Nacht zum Montag, 25. März, werden zum 91. Mal die Oscars verliehen. Einige Hollywood-Stars sitzen sicherlich schon seit Tagen vor dem Spiegel, studieren ihren Überraschungs-«Was, ich?»-Blick ein und feilen an Formulierungen im Falle von Sieg oder Niederlage. Langatmige Reden, tränenreiche Danksagungen, Witze auf Kosten des Publikums, politische Propaganda – die Oscar-Bühne hat schon alles gesehen. Die 15 denkwürdigsten Augenblicke gibt's hier.

Greer Garson

Ist ja gut! Schauspielerin Greer Garson hielt 1942 eine fast siebenminütige Dankesrede – schliesslich sei dies eine «einmalige Gelegenheit im Leben». Danach wurde bei den Oscars nicht nur die Zeitbegrenzung eingeführt – Garson erhielt auch nie wieder den Oscar, obwohl sie in den Folgejahren viermal nominiert war.

Michael Moore

Michael Moore gewann 2003 den Oscar für den besten Dokumentarfilm mit «Bowling for Columbine». Die Gelegenheit nutzte er, um statt einer Dankesrede eine deftige Tirade gegen den damaligen US-Präsidenten George W. Bush loszulassen. Seine legendäre «Shame on you, Mr. Bush»-Rede sowie die Jubel- und Buhrufe des Publikums wurden aber rasch vom aufspielenden Orchester übertönt. Was für eine Schande!

Warren Beatty und Faye Dunaway

Und der Oscar geht an – ja wen denn nun? Diese Frage schwebte 2017 minutenlang im Raum, nachdem es in der Königskategorie Bester Film zu einem Kuddelmuddel kam. Weil ihnen der falsche Umschlag gereicht wurde, riefen Warren Beatty und Faye Dunaway statt «Moonlight» zunächst «La La Land» als besten Film aus. Erst später wurde der Irrtum aufgeklärt.

Sidney Poitier und Halle Berry

Sidney Poitier erhielt 1964 als erster dunkelhäutiger Schauspieler den Oscar als bester Hauptdarsteller für «Lilien auf dem Felde». 2002 bekam er zudem den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Im selben Jahr wurde mit Halle Berry die erste dunkelhäutige Schauspielerin als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Bei der schluchzenden Dankesrede – «ein Moment, der so viel grösser ist als ich» – hielt sich das Orchester zum Glück zurück.

Gwyneth Paltrow

Thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you, thank you ... 23-mal bedankte sich Gwyneth Paltrow 1999 in ihrer Oscarrede, während sie wie ein Schlosshund heulte.

David Niven

1974 rannte ein Flitzer quer über die Oscar-Bühne. Der britische Schauspieler David Niven, der gerade Elisabeth Taylor ansagte, blieb gelassen und bewies seine Schlagfertigkeit: «Möglicherweise wird der Mann den einzigen Lacher, den er jemals bekommt, dafür erhalten, dass er sich auszieht und anderen zeigt, wo er zu kurz gekommen ist!»

Jack Palance

Als Jack Palance 1992 den Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle in «City Slickers – Die Grossstadt-Helden» gewann, konterte er Fragen nach seinem Alter (damals 73) nicht mit einer schnippischen Antwort – sondern mit einem denkwürdigen Auftritt: Der Schauspieler machte vier Liegestützen – auf nur einem Arm!

Jonathan Demme

Eigentlich ist Jonathan Demme ein Meister der Spannung. Mit «Das Schweigen der Lämmer» schuf er schliesslich einen Psycho-Schocker, der noch heute das Blut in den Adern gefrieren lässt. 1992 erhielt er dafür den Oscar als bester Regisseur. Seine Dankesrede bewies aber eindrucksvoll: Wer spannende Filme dreht, muss noch lange kein spannender Redner sein. Demme schaffte es, in nur dreieinhalb Minuten 50 «Ähs» unterzubringen. Das war sogar ihm unangenehm und er entschuldigte sich während seiner Ansprache immer wieder.

Russell Crowe

Als Russell Crowe 2001 den Oscar als bester Hauptdarsteller für «Gladiator» erhält, gibt er sich ungewohnt zurückhaltend, bescheiden, fast schon ehrfürchtig. Er tritt ans Mikrofon, den Kopf tief gesenkt. In seiner kurzen Rede gibt er all jenen Hoffnung, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen sind: «Für jeden, der sich auf der Kehrseite der Gesellschaft befindet, einzig auf seinen Mut angewiesen – es ist möglich!»

Christoph Waltz

Es hat lange gedauert, bis ein deutschsprachiger Schauspieler wieder in die erste Liga der Hollywood-Stars aufsteigen konnte. Doch dann wurde Christoph Waltz von Quentin Tarantino entdeckt. Die Belohnung: der Oscar 2010 als bester Nebendarsteller in «Inglourious Basterds». Davon erzählt er sichtlich bewegt mit zitternder Stimme in seiner Dankesrede bei den Academy Awards.

Marlon Brando und Sacheen Littlefeather

Marlon Brando gewann 1973 einen Oscar für den besten Hauptdarsteller in «Der Pate». An seiner statt schickte er eine Aktivistin für die Rechte amerikanischer Ureinwohner. Sacheen Littlefeather erklärte auf der Bühne sichtlich nervös, der Grund für Brandos Weigerung, den Preis anzunehmen, sei die furchtbare Behandlung der Ureinwohner durch die amerikanische Filmindustrie. Die bewies prompt seine These und schuf damit den eigentlichen Skandal: Zahlreiche Anwesende buhten Littlefeather aus.

Cuba Gooding Jr.

Wenn die Amerikaner etwas lieben, dann ist es Enthusiasmus. Und davon hatte Cuba Gooding Jr. 1997 mehr als genug. Sichtlich zu Tränen gerührt nimmt er den Oscar als bester Nebendarsteller für «Jerry Maguire» entgegen. Doch kaum hat er etwas gesagt, setzt die Abschiedsmusik ein. Gooding ist das egal: Er brüllt einfach lauter als das Outro, denn er liebt schliesslich alle. Tom Cruise, seine Mutter, das Publikum. Als er dann noch mit der Trophäe über die Bühne hüpft, wie ein Wimbledon-Sieger, springt auch die versammelte Hollywood-Prominenz über ihren Schatten und spendet stehende Ovationen.

Ellen DeGeneres

Auch als Oscar-Moderator ist man Fan. 2007 nutzt Ellen DeGeneres die Gunst der Stunde und pirscht sich an Clint Eastwood heran. Der ist charmant-freundlich, mit gewohnter Reibeisen-Stimme. Small-Talk reicht DeGeneres aber nicht. Sie drängt Eastwoods Frau zur Seite und drückt ausgerechnet Steven Spielberg ihre Kamera in die Hand. Der wehrt sich nicht lang und schiesst ein Bild der beiden.

Jack Black und Will Ferrell

Eigentlich sollen Jack Black und Will Ferrell 2003 die Nominierten für die beste Filmmusik ansagen. Doch die beiden Komiker widmen ihren Auftritt einfach dem Titel, der eingespielt wird, wenn die Dankesreden zu lang geraten. Der habe nämlich auch einen Text: «Geh von der Bühne, du bist langweilig!», heisst es da unter anderem. Und während sich die beiden Hobby-Tenöre durch den Song trällern, machen sie auch noch Werbung für Fast-Food. Eigentlich hätte nach diesem Auftritt der Einspieler geändert werden müssen – um durch die Version der Komiker ersetzt zu werden.

Heath Ledger

Die fiebrige Intensität, mit der Heath Ledger den Joker in «The Dark Knight» spielte, brachte ihm 2009 den Oscar als bester Nebendarsteller ein – posthum. Der junge australische Schauspieler wurde am 22. Januar 2008 tot in seinem New Yorker Appartement aufgefunden. Den Preis nahmen stellvertretend sein Vater, seine Mutter und seine Schwester entgegen - unter den Blicken von Stars wie Brad Pitt, Adrien Brody und Anne Hathaway, die zu diesem Zeitpunkt nahe am Wasser bauten.

Jennifer Lawrence

Mit nur einem Auftritt hat sich Jennifer Lawrence in die Herzen der Amerikaner gestolpert: Als sie 2013 als beste Hauptdarstellerin für «Silver Linings» ausgezeichnet wird, strauchelt sie auf dem Weg zum Podium und stürzt die Treppe hinauf. Was für andere ein Drama gewesen wäre, steckt Lawrence spielend weg. Die stehenden Ovationen kommentiert sie mit: «Es ist euch doch nur peinlich, dass ich hingefallen bin!» Die anschliessende Fragerunde bei einer Pressekonferenz war sogar noch unterhaltsamer ...

Adrien Brody

Halle Berry ist eine der schönsten Frauen der Welt. Aber nur wenige Männer bekommen die Gelegenheit, sie zu küssen. Das wird sich auch Adrien Brody gedacht haben. Als er 2003 von der Schauspielerin den Oscar als bester Hauptdarsteller für «Der Pianist» überreicht bekommt, steigt er einfach zielsicher auf die Bühne, schnappt sich Berry und küsst sie leidenschaftlich. Jack Nicholson, Nicolas Cage und Harrison Ford in der ersten Reihe grinsen neidisch.

Roberto Benigni

«Robertoooo» ruft Sophia Loren bei der Oscar-Verleihung 1999 – und dann bricht ein Sturm über die brave Hollywoodgesellschaft herein. Nicht etwa sein Film «Das Leben ist schön» macht Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni über Nacht in den USA zum Star, sondern seine Reaktion, als er bei der Oscar-Verleihung aufgerufen wird. Er reisst die Arme in die Höhe, steigt auf die Stuhllehne des Vordermannes, dann auf die nächste, lässt sich feiern, hoppelt die Bühne hinauf und reisst die Loren an sich. Die Rede ist nicht weniger mitreissend. Die Amerikaner verstehen zwar kaum etwas von dem gebrochenen Englisch, doch sie feiern Benigni frenetisch. Das ist italienische Lebensfreude!

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