So sieht der Lockdown in den Augen der Schweizer aus

Tobias Bühlmann

18.5.2020 - 16:25

Und plötzlich diese Leere. In der «Lockdown Collection» rücken Schweizer Filmschaffende die Coronakrise und ihre Folgen ins Bild.
Bild: Jela Hasler/Turnus Film

Schweizer Filmschaffende haben den Ausnahmezustand in Kurzfilmen erfasst. Die 33 Werke der «Lockdown Collection» entstanden in Rekordzeit und gewähren berührende Einblicke in den Krisenalltag.

«Habe ich zwei Meter Abstand?» fragt der kleine Nico (4), als er seine Spielfiguren im Kinderzimmer aufstellt. Seine Schwester Mira (6) spielt Restaurant: «Im Moment filmen wir viel im Restaurant», sagt sie. Mit sieben Kameras beobachte man die Gäste, um zu sehen, ob sie sich an die Regeln halten. Der Corona-Lockdown scheint den Alltag zu bestimmen bei der Familie von Filmemacherin Luise Hüsler.

Ihr Kurzfilm «2 Kinder, 7 Kameras, 1'000 Verbote» zeigt den neuen Familienalltag. Wie die Kinder die Massnahmen des Bundesrats gleich in ihr Spiel einbauen, wie sie alten Menschen in sicherem Abstand hinter Glasscheiben zuwinken. Aber auch, wie Nico einen Weg zeigt, der um die Absperrungen herum in den geschlossenen Park führt – oder wie Tochter Mira kurzerhand über das geschlossene Tor vor ihrer Schule steigt.

Der charmante Kurzfilm regt zum Nachdenken an. Es ist eines von 33 Werken aus der «Lockdown Collection», die Schweizer Filmemacherinnen und Filmemacher erschaffen haben. Mitgemacht haben namhafte Grössen wie Andrea Staka oder Michael Steiner, aber auch weniger bekannte Regisseurinnen und Regisseure wie Jela Hasler, Nathalie Pfister oder Yogi Parish.

Die Ruhe, die keine ist

«19»
zVg

Neben der Lockdown Collection hat das Schweizer Fernsehen SRF einen weiteren Kurzfilm zur Corona-Pandemie produziert: «19» von Regisseur Adrian Perez zeigt die Geschichte eines Grosselternpaars (mit Suly Röthlisberger aus «Der Bestatter» und Ueli Jäggi aus «Wilder»). Die beiden wollen ihrem Enkel, der im 19. Stock eines Hochhauses wohnt, zum Geburtstag gratulieren – was wegen des Lockdowns aber beinahe scheitert.

Realisiert wurden die Filme in Rekordzeit: Sie habe die Zusage an einem Freitagabend spät erhalten, sagt Jela Hasler zu «Bluewin». Und dann blieben 16 Tage, bis der Film eingereicht werden musste – auch für einen Kurzfilm ein sehr ambitionierter Zeitplan. Haslers Film «Von Gestern auf Heute» entstand mit einem Kernteam von nur gerade drei Leuten: Schauspielerin, Regisseurin und Kameramann – je nach Szene kamen noch einzelne Statisten hinzu.

So ruhig, wie es der Titel suggeriert, sei es dann aber trotz Lockdown nicht gewesen: «Mein Ziel war es, den Eindruck zu erzeugen, dass die Welt um die Hauptfigur herum leer ist. Aber irgendwo fährt dann immer wieder ein Auto oder ein Tram vorbei oder lärmt eine Baustelle», sagt Hasler. Darum musste sie in der kurzen Zeit auch noch den Ton für den Film praktisch von Grund auf neu bauen.

Der Kurzfilm «Von Gestern auf Heute» von Jela Hasler.

Rund die Hälfte der Filme stammen aus der Deutschschweiz, die andere aus der Romandie und dem Tessin. Etliche haben wie Regisseurin Hüsler ihr Familienleben dokumentarisch begleitet, aber auch Spiel- und selbst Experimentalfilme finden sich in der Sammlung. Die Deutschschweizer Filme wurden bereits auf SRF ausgestrahlt, für die Welschen ist das noch geplant. Alle gibt es aber auch auf verschiedenen Online Kanälen zu sehen. Jene aus der Deutschschweiz finden sich etwa auf Youtube, die aus der Westschweiz auf der Website des Westschweizer Fernsehens und jene aus dem Tessin beim Tessiner Fernsehen.

Angestossen wurde das Projekt von einer Filmpromotorin und drei Produzenten, die etwas für die Kulturschaffenden tun wollten, deren Arbeit wegen des Lockdowns ebenfalls stillsteht. Sie haben einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem 80 Projekte eingereicht wurden. 33 davon erhielten schliesslich grünes Licht und warten nun auf den verschiedenen Plattformen auf Publikum

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