«Bitte nicht nach Windsor kommen»

Von Larissa Schwedes, dpa

15.4.2021 - 20:47

14.04.2021, Großbritannien, Woking: Soldaten der Welsh Guards, einem Gardegrenadier-Regiments der britischen Armee, proben für die Beerdigung von Prinz Philip. Die Proben finden im Army Training Centre Pirbright, einer Ausbildungsstätte der britischen Armee, statt. Philip war am 09.04.2021 im Alter von 99 Jahren gestorben, er wird am 17.04.2021 beigesetzt. Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Soldaten der Welsh Guards, einem Gardegrenadier-Regiments der britischen Armee, proben für die Beerdigung von Prinz Philip.
Victoria Jones/PA Wire/dpa

Nach dem Tod von Prinz Philip steht der Königlichen Familie am Wochenende der offizielle Abschied vor. Für Windsor und ganz Grossbritannien ist es ein historischer Tag — und in Corona-Zeiten auch eine besondere Herausforderung.

Von Larissa Schwedes, dpa

15.4.2021 - 20:47

Es ist kein leichter Job, den John Story in diesen Tagen hat. Der Bürgermeister von Windsor fleht die Briten geradezu an, seiner Gemeinde fern zu bleiben. Am Samstag soll der vergangene Woche gestorbene Prinz Philip in der St.-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor im engsten Familienkreis begraben werden. Die Zeremonie samt royaler Trauerprozession wird sich komplett hinter den Mauern der königlichen Residenz abspielen. Ein historischer Tag für das Vereinigte Königreich steht bevor, doch John Storys Motto lautet: Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie bitte einfach weiter – oder noch besser, kommen Sie gar nicht erst her.

Der Grund ist, natürlich, Corona. «Wir müssen jeden bitten, die eigene Gesundheit und Sicherheit und die von anderen ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen und nicht nach Windsor zu kommen», mahnte Bürgermeister Story. Schon wenige Stunden nach dem Tod von Prinz Philip, der am vergangenen Freitag im Alter von 99 Jahren friedlich eingeschlafen war, bemühten sich Palast und Behörden, grössere Menschenansammlungen von Trauernden zu verhindern – keine Blumensträusse an den Residenzen, bitte Abstand halten beim Trauern, so die offizielle Bitte von höchster Stelle. Einfach durchzusetzen ist das nicht, wenn eine Monarchie gerade einen ihrer wichtigsten Vertreter verloren hat.

Selbst Johnson muss vor den Fernseher

In anderen Zeiten versammeln sich zu royalen Grossereignisse des Hauses Windsor – ob nun Beerdigungen, Hochzeiten oder Thronjubiläen – Hunderttausende Menschen auf den Strassen und Plätzen des Landes. Es sind Momente, die vielen Briten zumindest für einen Augenblick ein Gemeinschaftsgefühl geben, das im Alltag spätestens seit dem Brexit weitgehend abhanden gekommen ist. Nun soll das Volk hingegen zuhause bleiben und vor dem Fernseher trauern. Selbst Boris Johnson will das Geschehen vor dem Bildschirm verfolgen. Der Premier verzichtete auf seinen Platz bei der Trauerfeier, um einem weiteren Familienmitglied den Vortritt zu lassen.

Prinz Harry Anfang vergangenen Jahres in London.
Mit Spannung wird der Auftritt von Prinz Harry erwartet.
Yui Mok/PA Wire/dpa

Statt wie geplant 800 dürfen wegen Corona nur 30 Gäste an der Trauerfeier teilnehmen. Auf der Gästeliste, die der Palast am Donnerstag veröffentlichte, waren neben Kindern, Enkeln und anderen engen Verwandten — zur Überraschung mancher — auch drei deutsche Adlige. Mit Bernhard Prinz von Baden, Heinrich Donatus Prinz von Hessen und Philipp Prinz zu Hohenlohe-Langenburg war der Herzog von Edinburgh, wie Philip in Grossbritannien meist genannt wurde, über seine Schwestern verwandt. Dass sie eingeladen wurden, werteten britische Medien als Beweis, wie eng sich Prinz Philip dieser Verwandtschaft verbunden fühlte — auch wenn er das besonders in der unmittelbaren Nachkriegszeit lieber verschwieg.

«Ich denke, es wird sehr, sehr voll werden»

Doch darauf verlassen, dass ausser der kleinen Gästeschar niemand anreist, will man sich in Windsor dann doch lieber nicht. Schon zu Beginn der Woche, noch etliche Tage vor der Trauerfeier, suchten Spezialeinheiten der Polizei bereits Briefkästen, Mülleimer und Telefonzellen nach verdächtigen Gegenständen ab. Strassenpolizisten bereiten sich auf ihre Patrouillen am Samstag vor. Ein Café-Betreiber stellt sich schon darauf ein, am Samstag ab 3 Uhr in der Frühe seinen Laden für einen Besucheransturm zu öffnen. Allerdings sei er angewiesen worden, an dem Tag draussen keine Tische aufzustellen. «Ich denke, es wird sehr, sehr voll werden», sagte der Gastronom der Nachrichtenagentur PA.

Hinter den Schlossmauern soll der Sarg von Prinz Philip, geschmückt mit dessen persönlicher Flagge, ein Stück in einem Land Rover fahren, den Prinz Philip zu Lebzeiten mitgestaltet hat. Vertreter der Royal Navy, der Marine und anderer Militärs sollen die Prozession musikalisch begleiten und dem Herzog von Edinburgh zum letzten Mal die Ehre erweisen. Am Mittwoch wurde in militärischen Trainingszentren bereits fleissig für den grossen Tag geprobt. Es sei eine «Ehre und ein Privileg», für Prinz Philip und seine Familie spielen zu dürfen, sagte der Sergeant James Ritchie, dem Sender BBC.

Harry in Quarantäne

Während die Queen am Dienstag bereits wieder ihren ersten offiziellen Termin nach dem Tod ihres Mannes absolvierte, verlebt Prinz Harry nach seiner Rückkehr in die alte Heimat recht einsame Tage. Seit er am Sonntag zum ersten Mal seit einem Jahr aus den USA eingereist ist, muss er gemäss der aktuellen Corona-Regeln zunächst eine Quarantäne absitzen, bevor er am Samstag auf die gesamte Familie treffen wird.

Nach dem Rückzug von Harry und Meghan aus dem Königshaus haben sich die Gräben zwischen ihnen und dem Rest der Familie verschärft – spätestens seit das Paar den Royals in einem Fernsehinterview Rassismus und mangelnde Unterstützung vorwarf. Harrys Bruder William wies die Vorwürfe scharf zurück. Royal-Insider spekulieren nun auf eine Wiederannäherung im Rahmen der Beerdigung – mit Herzogin Kate als möglicher Schlichterin zwischen den Brüdern.