«Alle jung, ungeimpft und dem Tod näher als dem Leben»

8.10.2021

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 30: Jan Josef Liefers unveils the new wax figure of
Der echte und seine «Tatort»-Figur in Wachs: Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne alias Jan Josef Liefers im Madame Tussauds in Berlin 2019.
Getty Images

 Jan Josef Liefers war Teil der Aktion #allesdichtmachen, bei der Promis die deutsche Corona-Politik kritisiert haben. Jetzt hat er eine Covid-Intensivstation besucht – und ist schockiert. 

8.10.2021

Im Münsteraner «Tatort» spielt Jan Josef Liefers Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne an der Seite von Kriminalhauptkommissar Frank Thiel alias Axel Prahl. Das Duo zählt zu den bekanntesten Ermittlern am Sonntagabend. 

Der «Tatort»-Star hatte sich im Frühjahr an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt, bei der Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirischen Clips die Corona-Politik in Deutschland kommentiert hatten. Auch die Schweizer Schauspielerin Miriam Stein solidarisierte sich mit der Aktion.

Nach heftiger Kritik kündigte Liefers in einem Streitgespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, sich bei der Gegenaktion #allemalneschichtmachen angemeldet zu haben. Die Medizin-Bloggerin «Doc Caro» hatte die Schauspieler aufgerufen, für eine Schicht im Rettungsdienst oder auf einer Intensivstation mitzuarbeiten.

Jetzt doch für die Impfung?

Nun besuchte Liefers eine Covid-Intensivstation und verarbeitete seine Eindrücke in einem Gastbeitrag. Mit teils drastischen Worten hat der  Schauspieler von seinem Einsatz auf einer Corona-Intensivstation berichtet. «Alle Covid-Patienten hier auf Intensiv waren schwer erkrankt, dem Tod näher als dem Leben. Alle jung, von 28 bis 48 Jahre alt. Alle ungeimpft», schrieb der 57 Jahre alte «Tatort»-Star in einem Gastbeitrag, der am Freitag bei «bild.de» zu lesen war. «Auch die beiden hochschwangeren Frauen, deren Kinder per Not-OP geholt wurden und leben, während die Mütter es nicht geschafft haben, wie ich inzwischen weiss.»

Liefers' Angaben zufolge liegt sein Einsatz als «Praktikant» bereits zwei Wochen zurück. «Helfen konnte ich nicht viel, nur beim Umlagern konnte ich mich nützlich machen, eingepackt in zusätzliche Schutzkleidung, mit FFP2-Maske und einer Art Taucherbrille auf den Augen.» Warum es manche so schwer treffe, sei noch unklar, schrieb Liefers. «Allerdings, da waren sich Pfleger wie Ärzte einig, wäre keiner hier gelandet mit einer Impfung.»

Direkt zum Impfen aufrufen wollte Liefers nicht: «Ist das nun doch ein Impfaufruf? Tja, was soll ich sagen? Ich befürworte die Impfung Erwachsener, absolut klarer Fall. Aber ich gebe keine medizinischen Ratschläge, ich erzähle hier nur meine Geschichte. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.» Seinem Beitrag bei «bild.de» lässt sich entnehmen, dass er sich einen mRNA-Impfstoff verabreichen liess.

Liefers schliesst mit den Worten: «Wenn ich nun zurückdenke an meinen Tag auf der ITS und daran, wie die seltsame und bisweilen unbarmherzige Lotterie des Lebens für die sieben dort ausgegangen ist, dann weiss ich jedenfalls, ich habe keinen Fehler gemacht.»