Locarno Film Festival Bei Locarno 2020 gewinnt
die Zukunft

Locarno Film Festival

13.5.2020

Das Objekt der Begierde: Die Auszeichnung.
Das Objekt der Begierde: Die Auszeichnung.
Locarno Film Festival

Von der Notlage blockiert, hat das Locarno Film Festival beschlossen, mit Locarno 2020 einen Neuanfang zu machen. Das Ziel? Der Kino-Industrie weiterhin zur Seite zu stehen.

Was kann im Jahr der räumlichen Distanzierung ein Festival tun, das jeden Sommer 150'000 Zuschauerinnen und Zuschauer empfängt? Wie kann ein Event stattfinden, das von Begegnungen lebt, vom Händeschütteln, von magischen Abenden unter den Sternen, Seite an Seite mit weiteren 7'999 Filmfans?

Die erste Antwort des Locarno Film Festivals war unausweichlich und schmerzhaft: Locarno 73. abzusagen. Doch schon im nächsten Augenblick folgte eine zweite Entscheidung, aus der Optimismus, Vertrauen und Verantwortungsgefühl sprechen: Locarno wird es geben, und zwar als Locarno 2020 – For the Future of Film.

Locarno 2020

Gut, aber was ist Locarno 2020? Eines steht fest: Es ist nicht Locarno 73. Anders gesagt, es ist nicht das Locarno Film Festival, an das wir gewöhnt sind und das sein Publikum so liebt, und das kann es auch nicht sein. Ohne die Piazza Grande, ohne bis auf den letzten Platz ausverkaufte Säle, ohne Schlangen für die elf internationalen und weltweiten Premieren mitten im August wird Locarno 2020 eine Sonderausgabe, die ihr Publikum auf diversen Plattformen trifft, mit diversen Erzählungen, aber im selben Kontext wie immer: dem Kino. Anders als sonst widmet sich Locarno 2020 dem Kino in der Warteschleife, den Filmen, die so wie wir alle in unserem Alltag anhalten mussten: keine Dreharbeiten, kein Set, keine Post-Produktion, keine Vorführungen. Eine auf Eis gelegte Gegenwart, in der die Zukunft in Frage gestellt ist.

The Films After Tomorrow

Hier kommt die erste Initiative von Locarno 2020 ins Spiel, die genau das leisten soll: den Filmschaffenden und ihren zum Stillstand verurteilten Arbeiten ein Zeichen und eine Hilfe zu senden. The Films After Tomorrow heisst ein Wettbewerb, dessen Name manche an den Film von Roland Emmerich erinnern wird. Teilnehmen werden daran zwanzig Filme, die sich in der Warteschleife befinden – zehn internationale und zehn aus der Schweiz –, mit der Aussicht auf zwei Pardo 2020 und einem dazugehörigen Preisgeld. Diese Spielfilme, die zwischen Dreharbeiten und Post-Produktion stecken, werden von der künstlerischen Leitung unter den eingereichten Bewerbungen ausgewählt und anschliessend von zwei internationalen Jurys bewertet. Am Ende steht die Auszeichnung mit einem Pardo, den es noch nie gab, einem besonderen Preis, der ihnen die Chance geben soll, neu anzufangen, die Arbeit wieder aufzunehmen – sobald es die Lage zulässt – und es dorthin zu schaffen, wohin ein Film es schaffen muss: in die Säle, zum Publikum!

Das Publikum

Und was ist mit dem Publikum? Wenn es das Locarno Film Festival nicht ohne Filme geben kann, so kann man sich Locarno gewiss auch nicht ohne sein Publikum vorstellen. Zu einem Teil von Locarno 2020 machen es zahlreiche Initiativen, an denen das Festivalteam zurzeit arbeitet. Angefangen mit The Films After Tomorrow, das den Zuschauerinnen und Zuschauern über diverse Plattformen die Möglichkeit geben wird, die Regisseurinnen und Regisseure der zwanzig Wettbewerbsfilme kennenzulernen, ihre Filmografie und ihre persönlichen Wege durch die 72 Jahre lange Geschichte des Locarno Film Festivals. Mehr noch als sonst heisst es daher in diesem Jahr: «Stay tuned!»

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