Neue TV-Serie «Clarice»

30 Jahre nach «The Silence of the Lambs» – Horror ohne Hannibal

Von Lukas Rüttimann

28.2.2021

«Clarice» mit Rebecca Breeds (Bild) spielt im Jahr 1993, ein Jahr nach den Ereignissen aus «The Silence of the Lambs».
«Clarice» mit Rebecca Breeds (Bild) spielt im Jahr 1993, ein Jahr nach den Ereignissen aus «The Silence of the Lambs».
CBS

Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum von «The Silence of the Lambs» jagt Agentin Clarice Starling wieder Serienkiller – eine gruselige Angelegenheit in jeder Hinsicht.

Wie ehrt man einen Klassiker? Nun, man kann Special Editions veröffentlichen, Sequels und Prequels ins Kino bringen – oder eine TV-Serie produzieren. So geschehen im Fall von «The Silence of the Lambs», dem oscarprämierten Meisterwerk aus dem Jahr 1991. Auch dreissig Jahre später hat das kongeniale Duell von Anthony Hopkins als Kannibale Hannibal Lecter und Jodie Foster als FBI-Agentin Clarice Starling nichts von seiner Faszination verloren.

Doch während «Hannibal the Cannibal» in Filmen und Serien längst zur Popkultur-Ikone avancierte, wurde Fosters Figur über die Jahre etwas vergessen.

Bis jetzt. Mit «Clarice» ist in den USA eine neue Serie gestartet, die ganz auf die Geschichte der Agentin setzt. Die Show spielt im Jahr 1993, ein Jahr nach den Ereignissen aus «The Silence of the Lambs». Die Handlung verspricht, tief in die persönliche Geschichte von Clarice Starling (Rebecca Breeds) einzutauchen – und die Serienkiller-Jagd aus ihrer Perspektive zu erzählen.

Viel Horror, aber kein Hannibal

Horror ohne Hannibal – kann das gutgehen? Die Antwort nach den ersten Episoden lautet: nicht so wirklich. Zwar versucht die Serie, neue Wege zu gehen, indem sie beispielsweise die Diffamierungen der jungen Agentin an ihrem von Machos dominierten Arbeitsplatz in der FBI-Zentrale thematisiert. Dass die Macher damit in der aktuellen politischen Landschaft auf Gegenliebe stossen dürften, ist klar. Andererseits versucht «Clarice» aber auch, mit eher penetranten Referenzen vom Legendstatus von «The Silence of the Lambs» zu profitieren.

Das geht jedoch ziemlich in die Hose, zumal die Macher die maue Story mit besonders gruseligen Horror-Sequenzen aufzupeppen versuchen. Offensichtlich sollen Genre-Fans mit Bildern aus dem Arbeitszimmer von Serienkiller Buffalo Bill oder alptraumhaften Visionen, die Clarice heimsuchen, bei Laune gehalten werden. Dabei geht vergessen, dass «The Silence of the Lambs» (und mit Abstrichen auch die Sequels) primär durch Atmosphäre, raffiniert ausgearbeitete Charakteren und eine gnadenlos spannende Story brillierte.

Deutscher Start geplant

Davon ist «Clarice» zumindest nach den ersten Episoden noch weit weg. Entsprechend verhalten waren die Reaktionen nach dem US-Start; im Kritiker-Ranking überwiegen aktuell die negativen Stimmen, und auch die Zuschauerzahlen auf CBS sind relativ bescheiden: Nur vier Millionen schalteten bei der Premiere ein, während etwa die neue Adaption von «The Equalizer» (mit Queen Latifah statt Denzel Washington) sagenhafte 20 Millionen Zuschauer verbuchen konnte. Zwar mithilfe des Superbowls, aber dennoch.

Allerdings steht das «Silence of the Lambs»-Spin-off noch am Anfang. Die Hoffnung auf Besserung stirbt auch bei «Clarice» zuletzt. Ein Start im deutschsprachigen Raum ist jedenfalls geplant; ProSieben scheint aktuell die wahrscheinlichste Wahl, da sich Seven One Media die Rechte gesichert hat. Und wer weiss? Vielleicht ist ein bisschen Kannibalen-Krimi nach drei Stunden «Germany’s Next Topmodel» auch gar keine so schlechte Idee.

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