Da fasst man sich permanent an die Stirn

Fabian Tschamper

6.4.2021

CLEVELAND, OH - JULY 21:  Republican presidential candidate Donald Trump gives two thumbs up to the crowd during the evening session on the fourth day of the Republican National Convention on July 21, 2016 at the Quicken Loans Arena in Cleveland, Ohio. Republican presidential candidate Donald Trump received the number of votes needed to secure the party's nomination. An estimated 50,000 people are expected in Cleveland, including hundreds of protesters and members of the media. The four-day Republican National Convention kicked off on July 18.  (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)
Donald Trump war sich seiner Sache sicher, obwohl er sich offensichtlich vieler Dinge nicht so sicher war.
Getty Images

In die Weltpolitik ist etwas mehr Ruhe eingekehrt, seit ein neuer US-Präsident im Weissen Haus sitzt. Die Doku «Trump takes on the World» erinnert daran, was uns «fehlt».

Fabian Tschamper

6.4.2021

Der Dreiteiler «Trump takes on the World» ist eine Produktion der BBC und wird nun zum ersten Mal auf Deutsch ausgestrahlt. «America First: Bilanz einer Amtszeit» entpackt die, nennen wir es mal, «einzigartige» Auslandspolitik des ehemaligen US-Präsidenten, den mal mehr und mal weniger versöhnlich gewählten Ansatz mit seinen europäischen Alliierten.

Das Archivmaterial ist ein Trip in die Vergangenheit, bei dem der Kinnladen pausenlos am Boden hängt. Der primäre Gedanke ist: «Ich hatte vergessen, dass er das gesagt, getan, getweetet hat.»

Die Erinnerungsfetzen enthalten etwa sein Händchenhalten mit der ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May im Weissen Haus, den Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen, die Drohung aus der NATO auszutreten, Melania am G20-Gipfel direkt neben Wladimir Putin zu setzen und – nicht zuletzt –, sich selbst ein «sehr stabiles Genie» zu nennen.

Schliesslich handelt es sich hier um eine Dokumentation, die nicht wirklich etwas Neues schafft, aber durch die Interviewpartner und die qualitativ hochstehenden Gespräche auftrumpft. Eigentlich hätte man vermuten können, viele Involvierte der Trump-Präsidentschaft würden sich ein paar Jahre aus dem Rampenlicht verziehen, aber weit gefehlt: Gary Cohn, Jim Mattis, H.R. McMaster, Kim Darroch, François Hollande, Fiona Hill, Jeremy Hunt, John Bolton, sie alle melden sich zu Wort, giessen Öl ins Feuer oder verteidigen ihre Mittäterschaft – oder beides.

Unfassbare Interviews und Geständnisse

Das Resultat ist ein ehrliches, überzeugendes Porträt von Donald Trump, zeigt aber auch die verschiedenen Pressekonferenzen oder Gipfeltreffen der Mächtigen. Diese arbeiten scheinbar mit einer kindlichen Kleinlichkeit, nur mit mehr nuklearen Waffen.



Für Trumps Stab war es ebenfalls kein Zuckerschlecken, offensichtlich. Die ehemalige US-Sicherheitsbeamtin Fiona Hill, ihr Spezialgebiet war die Ex-Sowjetunion sowie die europäisch-russischen Beziehungen, beschreibt in der Doku die Pressekonferenz mit Putin in Bezug auf die angeblich beeinflussten US-Wahlen. Trump schlug sich damals auf die Seite der Russen – anstelle seiner eigenen Geheimdienste.

«Es war ein Desaster», sagt Hill. «Ich spielte mit dem Gedanken, einen medizinischen Notfall vorzutäuschen und mich schreiend hinterrücks auf den Boden zu werfen.» So haben wir uns doch alle an irgendeinem Punkt während der Trump'schen Amtszeit gefühlt. Bidens Berater dürften nur hinterrücks umfallen, weil sie bei seinen Pressekonferenzen eingeschlafen sind.

«America First: Bilanz einer Amtszeit» ist in der arte Mediathek abrufbar.