Die TV-Serie für alle Greta-Gegner

#Von Lukas Rüttimann

4.5.2021

Greta Thunberg in «A Year to Change the World» auf BBC.
BBC

Die neue BBC-Serie «A Year to Change the World» zeigt den Kampf von Umweltaktivistin Greta Thunberg aus einer intimen Perspektive – und dürfte das eine oder andere Feindbild ins Wanken bringen.

#Von Lukas Rüttimann

4.5.2021

Kalt lässt Greta Thunberg kaum jemanden. Für viele ist die junge Schwedin ein Idol, für nicht wenige aber auch ein Feindbild. Kein Wunder: Seit ihrem Auftritt mit dem inzwischen ikonischen, selbstgemalten Schild «SKOLSTREJK FOR KLIMATET» vor drei Jahren wird sie auf Schritt und Tritt medial begleitet, und für so mach einen oder eine ist das zu viel des Guten. Sie sehen die Umweltaktivistin vor allem als Instrument, um politische Ziele durchzubringen.

Als Gesicht des Klimawandels steht die Schwedin zudem für eine Entwicklung, die Angst macht. Denn die Folgen des Wandels bedrohen nicht nur die Natur, sondern auch Wirtschaftssysteme, Existenzen und Traditionen. Nur so ist es wohl auch zu erklären, dass sich Erwachsene derart leidenschaftlich an einem minderjährigen Mädchen abarbeiten können, das lediglich für eine bessere Welt für sich und seine Generation kämpft.

Ganz nah dran

Die Mini-Serie «Greta Thunberg: A Year to Change the World» bringt in dieser Sache zwar wenig neue Erkenntnisse, ist aber dennoch absolut packend. Denn die Macher durften in einer höchst spannenden Phase von Gretas Weg nahe mit dabei sein. Dem BBC-Dreiteiler gelingt so ein intimes Porträt einer jungen Frau, die für ihre Sache viele Opfer auf sich nimmt und in der Öffentlichkeit oft falsch dargestellt wird. Denn «A Year to Change the World» präsentiert dem Publikum kein naives Mädchen und schon gar keinen verpeilten Naturfreak, sondern einen intelligenten Teenager, der Teil der Lösung, nicht Teil des Problems, sein will.

Die Kameras begleiten Greta und ihren Vater Svante etwa bei öffentlichen Auftritten vor jungen Fans, bei erstaunlich souveränen Reden vor Politikern und Wissenschaftlern an internationalen Konferenzen, bei akribischen Vorbereitungen in wenig glamourösen Hotels, bei langen Fahrten im E-Auto durch trostlose Steppen – und nicht zuletzt bei ihrer waghalsigen Atlantiküberquerung per Katamaran, nur um an einer nach Europa verschobenen Klimakonferenz teilnehmen zu können.

Abgemischt werden solche Odysseen durch Reportage-Elemente, bei denen die Aktivistin Wissenschaftler und Betroffene von Umweltkatastrophen trifft und so einen berührenden, immer aber informativen Background für ihr Handeln herstellt. In Interviewsequenzen wird die junge Schwedin zudem nicht müde zu betonen, dass es nicht um sie gehe, sondern um die Sache. «Ich will nicht, dass ihr auf mich hört. Ich will, dass ihr auf die Wissenschaft hört», sagt sie immer wieder – und unterstreicht damit den Eindruck, dass nichts falscher wäre als der Vorwurf, ihr Aktivismus wurzle in persönlicher Eitelkeit.

Intelligent – und konsequent

Letztlich mag «A Year to Change the World» daran scheitern, dem Menschen Greta Thunberg wirklich nahezukommen. Als Autistin wahrt die heute 18-Jährige stets eine gewisse Distanz; emotionale Momente, etwa zwischen ihr und ihren Eltern, sind rar und werden stets vom grossen Kampf für Nachhaltigkeit überschattet. Doch vielleicht ist das einfach, wer sie ist.

Tatsächlich zeigt die Serie eindrücklich, wie ernst Thunberg ihre Anliegen nimmt – und wie konsequent sie handelt. Wer sieht, wie die damals 16-Jährige eine mehrtägige Fahrt über den Atlantik auf einem Katamaran in der schlimmsten – sprich: stürmischsten – Zeit des Jahres auf sich nimmt, bloss um nicht in ein Flugzeug steigen zu müssen, kann nicht anders als beeindruckt zu sein.

Gut möglich, dass solche Szenen den einen oder anderen Greta-Gegner künftig davon abhalten, vom Sofa aus Beleidigungen oder Drohungen ins Netz zu stellen. Doch auch wenn nicht: Diese BBC-Serie macht klar, dass Aufgeben für Greta nie eine Option sein wird.

Die Serie «A Year to Change the World» gibt es auf BBC zu sehen.