Zu wenig Fleisch am Knochen für eine Zombie-Serie

Von Fabian Tschamper

14.7.2021

Leon S. Kennedy: Die Handlung von «Resident Evil: Infinite Darkness» findet mehrere Jahre nach dem Virus-Ausbruch in Raccoon City statt, welchen der damalige Rookie Leon unterbunden hat.
Bild: Netflix

Verfilmungen von Videospielen sind bisher eigentlich immer in die Hose gegangen. Die Netflix-Serie «Resident Evil: Infinite Darkness» fällt in dieselbe Kategorie, vieles macht sie dennoch richtig.

Von Fabian Tschamper

14.7.2021

Was im Videospiel funktioniert, geht in Filmen oft nicht – und umgekehrt. Meistens jedenfalls. Seit den 90ern ist «Resident Evil» ein Franchise, das in der Game-Community hohes Ansehen geniesst. Schon mehr als zehn Teile gibt es, die du auf mehreren Plattformen spielen kannst.

Das «Ansässige Böse» – wolltest du es wörtlich übersetzen – beschreibt Untote, Zombies, die durch die Erforschung von organischen Biowaffen erschaffen werden. Ein Virus wird injiziert, der per Biss übertragen werden kann. Sollte ein infizierter Mensch ohne Biss sterben, dann wird auch der zum wandelnden Toten. Die Protagonisten der Spiele schiessen und stechen sich demnach durch unzählige Zombies, um den Virus-Ausbruch zu unterbinden.

«Resident Evil» schafft abermals eine bedrohliche Atmosphäre: Nur selten spielt Musik – ausser du bist gerade in einem sicheren Raum – das Stöhnen, Schreien der Zombies, knappe Ressourcen, die den Puls umso höher schlagen lassen. Mal ganz abgesehen von der blutigen Brutalität, solltest du von einem Verwesenden mal gepackt werden.

Weiter sind die Spiele gespickt mit vielen Rätseln, Gegenstände müssen kombiniert werden oder Schalter in der richtigen Reihenfolge betätigt – immer mit der lauernden Gefahr eines Zombies hinter jeder Ecke.

Und was ist nun mit der Netflix-Serie zum Spiel?

Die Entscheidung, keine Realverfilmung zu produzieren und dafür auf computergenerierte Animation zu setzen, war eine gute. Die Macher nutzen dies zu ihrem Vorteil: Bei Gesprächen werden kreative Kameraperspektiven gewählt, nicht statisch, sondern meist dynamisch. Sollte eine Figur rennen, verfolgt sie die Kamera fliessend, ohne grosse Schnitte.

Auch die Gesichter sind mehr als akzeptabel, die Mimik lässt hie und da dennoch ein bisschen zu wünschen übrig. Die Animation erledigt ihren Job, die Charaktere fühlen sich echt an, sie haben viel Persönlichkeit und Prinzipien, an denen nicht gerüttelt werden kann.

Die Untoten sind unheimlich und auch in dieser Serie wird eine Atmosphäre geschaffen, die ihresgleichen sucht. Und die Story?

Die ist lachhaft.

Es dreht sich um die Fanlieblinge des «Resident Evil»-Franchise, Polizist Leon S. Kennedy und Menschenrechtlerin Claire Redfield. Sie decken im Verlauf eine Verschwörung auf, deren Strippenzieher die US-Regierung ist.

Sehr kreativ.

Der Verteidigungsminister der USA betreibt insgeheim Forschung an Biowaffen. An einem Virus, der den US-Soldaten gespritzt wird, um sie bedrohlicher, ruchloser zu machen, um genau zu sein. Wenn sie allerdings nicht regelmässig einen «Blocker» zu sich nehmen, werden auch sie zu Zombies.

Du siehst das Problem, wie könnte dies nur schiefgehen?

Derweil wird diese Ausgangslage von einem unfassbar ausgelutschten Konzept begleitet: «Weisst du, wie man Terror kriegt?», fragt eine Figur immer wieder. «Es beginnt mit Angst.» Blabla, denke ich mir.

Ein Supervirus, das ausser Kontrolle gerät, Terror für die Menschheit bedeutet und dahinter steckt die US-Regierung. Mehr 0815 geht nun wirklich nicht.

Claire Redfield war beim Vorfall von Raccoon City ebenfalls dabei. Sie kennt Leon seither und unterstützt ihn fortan.
Netflix

Der Trend der Mini-Serien

«Resident Evil: Infinite Darkness» hat eine Staffel mit vier Folgen. Es ist eine Mini-Serie. Und zwar wirklich mini, denn die Folgen dauern 25 Minuten. In gut eineinhalb Stunden ist das Spektakel also bereits vorbei. Da frage ich mich: Warum kein Film?

Das lässt sich einfach beantworten. Die Story ist schnell erzählt und die Produzenten haben die Hollywood-Krücke schlechthin gewählt, um die ganze Chose in die Länge zu ziehen: Rückblenden. Gutes story writing muss nicht andauernd erklären, warum eine Figur handelt, wie sie es tut.

Stell dir das so vor, als würde im Film jemand eine Glace kaufen und du in einer Rückblende zu sehen bekommst, wie die Person vor 15 Minuten Werbung für jene gesehen hat. Es ist überflüssig.

Grundsätzlich bin ich Mini-Serien nicht abgeneigt. «Chernobyl» war hervorragend, «Das Damengambit» ebenfalls. «Resident Evil: Infinite Darkness» ist allerdings ein sehr schwacher Vertreter dieser neuartigen Form von Serien. Wer gern gute Zombie-Action hat, eventuell die Videospiele kennt, denen kann ich die Serie empfehlen. Allen anderen sag ich: In eineinhalb Stunden ist's eh vorbei, also warum nicht reinschauen?

«Resident Evil: Infinite Darkness» ist auf Netflix abrufbar.