Hollywood lässt sich von China zensieren, Tarantino aber nicht

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14.11.2020

Regisseur Quentin Tarantino bietet China die Stirn.
Keystone

Mit zwei Milliarden Umsatz 2020 an den Kinokassen ist die Volksrepublik China weltweit an der Spitze der Einträge weltweit. Dementsprechend will das Land die neuen Filmproduktionen chinagerecht sehen. Alle machen brav mit – ausser Freigeist Quentin Tarantino.

Wer erinnert sich nicht an den obercoolen Tom Cruise, der in «Top Gun» zum Kampfjet-Piloten ausgebildet wurde. Mit lässiger Pilotenbrille in Jeans und Lederjacke flitzte er im Töff zur Jet-Basis und liess die Teenager-Herzen höher schlagen.

Ganze 33 Jahre später gibts nächsten Sommer, voraussichtlich am 8. Juli 2021, ein Wiedersehen mit Tom Cruise alias Maverick. Und In «Top Gun: Maverick» ist Fliegerheld Tom Cruise wieder mit der legendären Lederjacke zu sehen.

Plötzlich fehlt auf Mavericks Helm die Taiwan-Flagge

Aber diesmal mit einem signifikanten – aber gar nicht unwesentlichen – Unterschied: ohne die Taiwan-Flagge darauf. Die wurde in der Flieger-Fortsetzung entfernt. Statt der Taiwan-Flagge prangt dort ein nichtsagendes, geometrisches Muster.

Denn zwischen China und Taiwan ist seit jeher kein fröhliches Dumpling-Essen angesagt. Und China und die USA produzierten den Kinofilm mit Tom Cruise. 

China-gerechte Filme für die ganze Welt

Dass Peking immer öfter Filme zensiert oder china-gerecht produzieren lässt,  ist ein bekanntes Problem. Das kritisierte die internationale Autorenvereinigung PEN dieses Jahr aufs Schärfste.  Die chinesische kommunistische Partei lasse zunehmend die Produktionen nach ihrem Gusto gestalten. So bekämen alle Zuschauer weltweit china-gerechte Filmproduktionen serviert, begründete die Organisation.

Doch einer lässt sich auch für viele Moneten nicht verbiegen: Kult-Regisseur Quentin Tarantino. Sein letzter Blockbuster «Once Upon a Time in Hollywood» sollte am 25. Oktober 2019 in China in die Kinos kommen.

Bruce Lees Tochter wehrte sich

Doch die Behörden legten in letzter Minute ihr Veto ein. Laut Insiderquellen soll Bruce-Lees Tochter Shannon Lee der Film sauer aufgestossen sein. In «Once Upon a Time...» geht Pitt mit dem Actionstar unzimperlich um, vermöbelt und beschimpft ihn gar. Lees Tochter soll bei der chinesischen Nationalen Filmadminstration Beschwerde eingelegt haben. 

War die Ansprache von Lees Tochter wirklich der Grund? Eine andere Quelle besagt, der letzte Drittel des Films sei zu brutal, man habe Anpassungen verlangt. Die Tarantino bis heute nicht vorgenommen habe. Ein Genie lässt sich auch von China nicht in sein Meisterwerk reinfummeln, auch für viele chinesische Renminbi und Yuans nicht.

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