Zweimal an Ostern im TV

Mathias Gnädinger, grosser Schauspieler, ganz bescheiden

Von Carlotta Henggeler

11.4.2020

Spätestens seit seiner Hauptrolle in «Das Boot ist voll» (1981) gehörte Mathias Gnädinger zu den wichtigsten Volksschauspielern der Schweizer Filmgeschichte.
Spätestens seit seiner Hauptrolle in «Das Boot ist voll» (1981) gehörte Mathias Gnädinger zu den wichtigsten Volksschauspielern der Schweizer Filmgeschichte.
SRF

Der Interview-Termin mit Mathias Gnädinger war damals wie ein Lottogewinn für die junge Journalistin. Was für ein famos-lustiger Geschichtenerzähler er war. SRF zeigt heute als Hommage zwei Filme.

Verlockend und einschüchternd zugleich ist einst der Gedanke eines Interviews mit Mathias Gnädinger bei ihm zu Hause in Stein am Rhein SH gewesen.

Doch für die junge Journalistin löste sich einst schon bei der herzlichen Begrüssung an der Türe alles in Wohlgefallen auf: «Hoi, ich bin denn dä Mathias» – nach seinem Bärenhände-Druck war die Anspannung dann gänzlich weg. 

Beim Kaffeetrinken wurde schnell klar, Mathias Gnädinger und seine Frau Ursula sind herzliche Gastgeber. Und keiner konnte Film-Anekdoten lebendiger und lustiger beschreiben als «Kommissär Hunkeler». Mit seiner markanten Stimme und dem ansteckenden Bariton-Lachen war er der geborene Geschichtenerzähler. 

Gern erzählte er auch Geschichten aus dem Leben seines Künstler-Onkels. Onkel Seppel war einst Kleinbauer in Ramsen, lebte dann 17 Jahre in Afrika – und malte und malte. Jenem aussergewöhnlichen Verwandten verdankte Gnädinger seine Schauspiel-Karriere. Denn Seppel meldete Gnädinger im Bühnenstudio zur Schauspiel-Aufnahmeprüfung an. 

«Das war dann der buchstäbliche Tritt in den Hintern, damit ich wirklich dahin ging», erzählte Gnädinger einmal in einem SRF-Interview. Und der Rest ist ein Stück Schweizer Schauspiel-Geschichte.

Der Schauspieler Mathias Gnädinger starb am Karfreitag 2015 im Alter von
74 Jahren – er war nach einem Sturz und Komplikationen ins Universitätsspital eingeliefert worden. 

Seinen letzten Grosserfolg feierte er an den Solothurner Filmtagen 2014 mit einer Hauptrolle in «Usfahrt Oerlike» von Paul Riniker. Er verkörperte Willi, den sein lebensmüder Freund Hans (Jörg Schneider) bittet, ihm beim Sterben zu helfen.

Gnädinger hat seiner Familie einen Abschiedsgruss hinterlassen. Darin stand: «Genüsset’s. Hebet‘s guet mitenand, freued eu. Sind nit truurig.»

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