Marvel-Universum

In TV-Serien ist gaga das neue cool

Von Lukas Rüttimann

15.1.2021

«WandaVision» verbindet den Stil klassischer Sitcoms mit dem Marvel Cinematic Universe, in dem Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) – zwei Wesen mit Superkräften – ein idyllisches Vorstadtleben führen.
Marvel / Disney

Mit «WandaVision» erscheint die erste exklusiv für Disney+ produzierte Marvel-Show. Die mit Hochspannung erwartete Serie bestätigt einen Trend – je oller, desto doller.

Wenn «WandaVision» dieses Wochenende auf das zum Daheimbleiben gezwungene Fernsehpublikum losgelassen wird, sind die Erwartungen riesig. Schliesslich ist die neue Serie die erste exklusiv für Disney+ produzierte TV-Show – und zugleich der Startschuss für das nächste Kapitel im höchst erfolgreichen Marvel Cinematic Universe. Denn das muss sich nach dem Ende von Iron Man respektive den Avengers gewissermassen neu erfinden.

Mindestens so gross wie die Erwartung ist auch die Verwunderung der Fangemeinde. Denn «WandaVision» verspricht, eine ziemlich abgefahrene Sache zu werden; die bisherigen Trailer haben denn auch neben viel Begeisterung jede Menge Kopfkratzen ausgelöst.

Idyllisches Vorstadtleben mit einem Androiden

Tatsächlich verspricht allein die Prämisse eine Show, wie man sie bislang noch kaum je gesehen hat. «WandaVision» verbindet den Stil klassischer amerikanischer TV-Sitcoms mit dem Marvel Cinematic Universe, in dem Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany), zwei Figuren mit Superkräften, ein idyllisches Vorstadtleben führen. Eine Superheldin und ein Androide, die in einer Kleinstadt auf heile Welt machen? Das klingt genauso gaga, wie es die ersten Eindrücke haben vermuten lassen. Und natürlich ist in der schönen neuen Wanda-Welt auch längst nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Dass Marvel ein solches Konzept quasi als Fackelträger für sein neues MCU-Kapitel ausgewählt hat, ist jedoch kein Zufall. Denn abgefahrene Shows liegen im Trend; in jüngster Zeit haben Serien mit schrägen, verrückten oder gar verstörenden Inhalten Hochkonjunktur. So passt auch die Starz-Show «American Gods», deren dritte Staffel soeben angelaufen ist, bestens in dieses Bild. Neben dem schrägen Inhalt – es geht um den Kampf von alten Göttern gegen neue, technologische Götter – überzeugt «American Gods» auch mit seiner abgefahrenen visuellen Umsetzung. Dasselbe gilt für eine Serie wie «Lovecraft Country», die das Lovecraft’sche Horror-Universum mit beeindruckenden Visuals in die Neuzeit transportiert.

Ein Trend mit Tradition

Ist gaga das neue cool? Fast scheint es so. Letztlich aber beweisen die Macher solcher Shows vor allem, dass sie die Vorteile ihres Formats zu nutzen wissen. Denn TV-Serien sind der perfekte Ort, um mutig, anders, innovativ, frech, brutal, erotisch oder eben auch abgefahren zu sein. Das Kino mit seinem familienfreundlichen Sequel-Programm hat diesen Anspruch längst aufgegeben. Umso besser, dass das TV (respektive die Streamingdienste) hier in die Bresche springt, zumal abgefahrene Serien zwar ein Trend sind, aber auch eine lange Tradition haben. Nur allzu gern erinnert man sich in diesem Zusammenhang etwa an David Lynchs genial-abstrusen Hit «Twin Peaks».

Allerdings kann zu viel gaga auch zu viel des Guten sein. Regisseur Noah Hawley etwa – ein Spezialist für abgefahrene TV-Shows – übertrieb es nach drei fantastisch guten und sehr schrägen «Fargo»-Staffeln kürzlich beispielsweise mit der vierten Saison und verlor aufgrund des (w)irren Plots viele Fans.

Ob das auch «WandaVision» passieren wird? Vision-Darsteller Paul Bettany verspricht via Twitter jedenfalls, dass die Show in Zukunft nur noch mehr «bonkers» (gaga) werde. Man darf also gespannt sein, wohin die Reise geht.

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