Schweres Trauma nach Autounfall: Wie soll ein Kind das begreifen?

tsch

15.8.2018

Bei einem Autounfall verliert ein achtjähriger Junge seine ganze Familie. Fortan wird er von einer Psychologin betreut. SRF zwei zeigt die bewegende TV-Premiere.

Es beginnt mit einer Tragödie: Der kleine Yves (Noé Ricklin) wird ins Krankenhaus eingeliefert - als einziger Überlebender eines Autounfalls. Seine ganze Familie kam dabei ums Leben. Die Psychologin Eliane Hess (Eleni Haupt) betreut den traumatisierten Knaben fortan und deckt so nach und nach die tragischen Hintergründe des Unglücks auf. Ungewollt wird sie dadurch auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Die professionelle Distanz zu ihrem Patienten droht zu schwinden - wie kann sie dem Jungen bloss helfen? Und woher soll die den Mut nehmen, ihr eigenes Trauma zu überwinden? «Finsteres Glück» ist die famose Adaption des gleichnamigen Romans von Lukas Hartmann. SRF zwei zeigt das Filmdrama nun zur besten Sendezeit in einer TV-Premiere.

Unfall oder Absicht?

Die Finsternis - sie hat gleich mehrere Bedeutungen im Film von Regisseur und Drehbuchautor Stefan Haupt. Denn der tragische Unfall ereignete sich parallel zu einer Sonnenfinsternis. Doch war es überhaupt ein Unfall? Oder hat der Vater von Yves absichtlich die Kontrolle über den Wagen verloren? Der kleine Junge begreift es nicht, Eliane auch nicht - noch nicht. Doch die Worte sprudeln nur so heraus aus dem traumatisierten Kind. Lediglich die harte Wahrheit vermeidet der Bub geschickt. Einsehen, dass seine ganze Familie gestorben ist und dass sein eigener Vater möglicherweise dafür die Verantwortung trägt - das kann, nein, das will er nicht. Wie soll ein Achtjähriger das auch begreifen?

Stefan Haupt schont seine Zuschauer nicht. Das wird insbesondere daran klar, dass auch Eliane im Laufe der Handlung plötzlich einem längst verdrängten Kapitel aus ihrer eigenen Vergangenheit gegenübersteht. Und auch ihre aufkeimende Mutterliebe und Fürsorge gegenüber dem Knaben wird zur emotionalen Zerreissprobe für die Frau, die selbst Mutter zweier Töchter ist. Tante Julia (Alice Flotron) und Nonna Zanini (Suly Röthlisberger) liefern sich im weiteren Verlauf einen erbitterten Sorgerechtsstreit um das Kind, zwischenzeitlich kümmert sich Eliane sogar ganz offiziell um den Jungen. Irgendwann landet er dann tatsächlich bei seiner Tante - gut tut ihm dies allerdings nicht. Soll Eliane ihre berufliche Distanz komplett über Bord werfen, um dem Jungen zu helfen?

Ein Film in Mundart

In «Finsteres Glück» wird nahezu ausschliesslich Schweizerdeutsch gesprochen. Diese kreative Entscheidung verleiht der Erzählung eine Unmittelbarkeit, wie man sie selten erlebt. Dank der einfühlsamen Figurenzeichnung und den hervorragenden Darstellern bleibt das Filmdrama aber trotz aller Tragik stets hoffnungsfroh. Allein schon die Leistung des kleinen Noé Ricklin als schicksalsgebeutelter Yves macht den Film sehenswert.

Dass sein Werk mit einer positiven Botschaft daherkommt und sich nicht in Schmerz und Pessimismus suhlt, betonte der Regisseur im Interview mit dem «Kirchenboten»: «Täglich werden wir mit Schreckensmeldungen bombardiert. Als Gegenpol suchen die meisten Zerstreuung. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch ich selber finde es beglückender, mich in Stoffe vertiefen zu können, aus denen man gestärkt hervorgeht. 'Finsteres Glück' erzählt eine starke Geschichte von der Kraft und dem Mut, sich dem eigenen Schicksal zu stellen.» Nur einen Tag nach seiner Schweizer TV-Premiere am Mittwoch, 15. August, startet der Film im Nachbarland Deutschland in den Kinos.

Der Schweizer Film «Finsteres Glück» läuft am Mittwoch, 15. August, um 20.10 Uhr auf SRF zwei. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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