So löste ein Vulkanausbruch in Indonesien die Hungersnot im Graubünden aus

tsch

11.3.2018

Wenn Vulkane ausbrechen, wirkt sich das auch aufs Weltklima aus. Wie sehr ein solcher Ausbruch das Leben in Graubünden in den Jahren 1815 bis 1818 beeinflusste, zeigt jetzt eine Doku bei SRF.

Wie sehr sich ein Vulkanausbruch auf Weltklima, Wirtschaft, Logistik und Tourismus auswirken kann, ist spätestens seit 2010 kein Geheimnis mehr. Als vor rund acht Jahren der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, beeinflusste die in die Atmosphäre geschleuderte Vulkanasche den internationalen Flugverkehr in nie dagewesener Form. Obwohl das kleine Island nahezu am Ende der Welt liegt, hatte der Ausbruch des Vulkans weltweit drastische Folgen: Das Naturereignis sorgte unter anderem dafür, dass Flughäfen in Skandinavien und Grossbritannien ab Mitte April komplett geschlossen werden mussten, die Aschewolke drang sogar bis in den Mittelmeerraum vor.

Neu sind solche Vorkommnisse allerdings nicht. Im Rahmen des DOK-Sonntags zeigt SRF 1 die halbstündige Dokumentation «Im Schatten des Tambora», die sich mit dem Zusammenhang zwischen einem Vulkanausbruch in Indonesien und der Bündner Hungersnot Anfang des 19. Jahrhunderts beschäftigt.

Die verheerenden Folgen nach einem Vulkanausbruch

Als der Tambora in Indonesien im April 1815 ausbrach, breiteten sich enorme Mengen an Asche auf der ganzen nördlichen Halbkugel aus. Die Folgen waren verheerend: Die Sonne konnte nicht durch das dicke Aschegeflecht hindurchdringen, weshalb das Weltklima um ganze zwei Grad absank. Nasskaltes Wetter war im Europa des Jahres 1816 der Normalzustand. Besonders betroffen war beispielsweise der Schweizer Kanton Graubünden, der von Januar bis Dezember immer wieder Schneefall zu beklagen hatte. Ernteausfälle und dadurch resultierende teurere Lebensmittelpreise sorgten für eine beispiellose humanitäre Katastrophe. Es kam zur grossen Hungersnot des Jahres 1817, zahlreiche Menschen verloren in diesen und den folgenden Monaten ihr Leben.

Unvorhersehbares Ausmass einer minimalen Veränderung

«Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?», fragte der US-Meteorologe Edward N. Lorenz 1972 bei einem seiner Vorträge. Der sogenannte Schmetterlingseffekt beschreibt die unvorhersehbaren Ausmasse einer minimalen Veränderung eines Systems auf dessen längerfristige Entwicklung. Am Beispiel des Wetters lässt sich der Effekt mit am besten veranschaulichen, weswegen der Begriff auch für den kausalen Zusammenhang zwischen dem Vulkanausbruch in Indonesien und der Hungersnot in Graubünden passend ist. Mithilfe von Spielszenen vermittelt die SRF-Doku einen Eindruck davon, wie schwierig das Leben der Bündner zur damaligen Zeit gewesen sein muss.

So sehr litt die Schweiz unter dem Vulkanausbruch

Parallel versuchen Historiker das Ausmass der Katastrophe zu erfassen, indem sie historische Quellen durchforsten und dabei sogar auf bis dato unbekannte Gerichtsdokumente stossen. Mithilfe dieser werden die Schicksale von Onna Maria Beer und Romias Curschellas in fiktionalen Szenen in den Mittelpunkt gerückt. Anhand der beiden historisch verbürgten Bewohner des Bündner Oberlands wird das entbehrungsreiche Leben veranschaulicht. Beide waren wegen Diebstahls von Nahrungsmitteln zum Tode verurteilt - ein Beleg mehr dafür, wie sehr die Schweizer unter dem Naturereignis zu leiden hatten.

Die Dokumentation «Im Schatten des Tambora» läuft am Sonntagnachmittag, 11. März, um 16.35 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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