Nicolas Senn im Interview: Deshalb schwitzte er bei einer Sendung Blut

von Cilgia Grass, Redaktorin

30.6.2018 - 10:00

Er lockt mit «Potzmusig» selbst Menschen vor den TV, die mit Volksmusik nichts anfangen können. «Bluewin» sprach mit Nicolas Senn über die 100. Sendung, Pannen und die Fussball-WM.

«Bluewin»: Sie haben mit 22 die erste Ausgabe von «Potzmusig» moderiert. Jetzt sind Sie 28 und können die 100. Folge feiern. Was ist das für ein Gefühl?

Nicolas Senn: Für mich sind die sechs Jahre seit der «Potzmusig»-Premiere extrem schnell vergangen. Ich schaue dankbar zurück auf vielseitige Sendungen und unzählige schöne und herzliche Begegnungen mit genialen Musikern aus dem ganzen Land. Zudem freue ich mich, dass sich «Potzmusig» so gut etablieren konnte und sowohl eine Plattform für traditionelle, als auch innovative und frische Volksmusik ist.

Welche Sendung war für Sie bis jetzt am denkwürdigsten?

Ich will keine einzelne Sendung herausheben. Besonders gefreut habe ich mich jeweils über die tollen Auftritte unserer Nachwuchsformationen. Schön war auch immer, wenn wir jemanden überraschen konnten, beispielsweise Carlo Brunner mit einer Reise zu seinem 60. Geburtstag nach Wien.

Bei welcher Gelegenheit haben Sie Blut geschwitzt?

Kurz vor Sendebeginn ging eine Hauptprobe erfolgreich zu Ende, und wir freuten uns auf eine kurze Essenspause. Dabei verlor ich innert Kürze und völlig unerwartet meine Stimme, war total heiser und kämpfte mich anschliessend mit Ach und Krach durch die Sendung.

Welches ist Ihre Lieblingsanekdote?

Viele unserer Sendungen zeichneten wir in Gossau ZH auf. Bei der Anreise zu einer unserer ersten Sendungen meinten einige Musiker am Telefon, dass sie jeden Moment mit dem Zug in Interlaken BE, wo die früheren «Hopp de Bäse»-Sendungen aufgezeichnet wurden, ankommen würden. Dummerweise ging dieser Scherz aber nicht auf, da die Musiker im Zug nach Gossau SG sassen und so tatsächlich fast die Sendung verpasst hätten.

Was erwartet die Zuschauer in der 100. «Potzmusig»-Ausgabe?

Für die 100. Sendung lade ich meine Musiker und das Publikum ins Appenzellerland nach Gais AR ein. In der Jubiläumssendung präsentieren wir einen bunten Querschnitt der Schweizer Volksmusik und auch einige tolle Formationen, die ich in den letzten sechs Jahren kennenlernen durfte. Zudem schaue ich mit dem «Potzmusig»-Spassvogel Frowin Neff zurück auf einige Highlights unserer Sendungen. Besonders freue ich mich auch auf den Auftritt mit meiner Appenzellerformation «Sennemusig».

Werden auch die nächsten 100 Folgen in dieser Form weitergehen oder sind Konzeptänderungen geplant?

Seit diesem Frühling senden wir nicht mehr aus dem Studio in Gossau ZH, sondern aus verschiedenen gemütlichen Lokalen in der ganzen Schweiz. So sind wir noch näher beim Publikum, was bei den Musikern und bei den Fernsehzuschauern sehr gut ankommt. Wir behalten das bei und werden auch in der zweiten Jahreshälfte in verschiedenen Regionen unterwegs sein. Wichtige Grundpfeiler des «Potzmusig»-Konzepts, wie live gespielte Musik und die Förderung von Nachwuchstalenten, wollen wir aber unbedingt beibehalten.

Wenn Sie Fan-Reaktionen bekommen, stammen die eher von jüngeren oder von älteren Zuschauern?

Ich erhalte regelmässig Rückmeldungen von ganz jungen, aber auch von etwas älteren Fans und Zuschauern. Es freut mich, dass auch Kinder, Teenager und Zuschauer in meinem Alter Freude an unseren Sendungen haben. Ohnehin habe ich das Gefühl, dass viele junge Schweizer unsere Musik und Volkskultur neu entdecken und merken, dass die Volksmusik-Szene enorm vielfältig, echt und zwischendurch auch modern sein kann.

Was war das Rührendste, was Sie zu hören bekommen haben?

An meinen Auftritten als Musiker mit dem Hackbrett erhalte ich fast immer Rückmeldungen auf unsere Sendungen. Schon oft kamen dabei Leute, die sagten, dass sie eigentlich keine Volksmusikfans seien, durch «Potzmusig» aber treue Zuschauer geworden seien.

Sie spielen selber Hackbrett, seit Sie vier Jahre alt waren. Warum hat es Ihnen gerade dieses Instrument angetan?

Ich habe das Hackbrett im Alter von vier Jahren zum ersten Mal gesehen und durfte dann in der ersten Klasse endlich mit dem Hackbrettunterricht beginnen. Am Hackbrett gefallen mir sowohl der Klang, als auch die Tatsache, dass man sieht, was passiert und wie der Hackbrettspieler seine Melodien erzeugt.

Gab es mal Zeiten, in denen Sie lieber Pop- oder Rockstar gewesen wären?

Star wollte ich grundsätzlich nie werden. Ich finde es aber immer wieder spannend, einen Blick in andere Musikbereiche zu erhaschen.

Sie waren unter anderem mit Bligg auf Tournee, zwei Ihrer Projekte heissen «Hackbrett meets Boogie Woogie» und «Klassik trifft Folklore». Inwiefern profitieren Sie von diesen Crossover-Erlebnissen?

In meinem Alltag bin ich ja primär als Musiker und nicht als Fernsehmoderator beschäftigt. Bei sehr vielen Auftritten ist es für mich ein Privileg, dass ich mit ganz verschiedenen Projekten auf der Bühne sein darf. Einerseits wird’s so natürlich nie langweilig, und andererseits kann ich auch enorm von meinen verschiedenen Mitmusikern und deren Erfahrungen im jeweiligen Genre profitieren. Diese Begegnungen inspirieren mich immer wieder für neue Stücke oder neue Kombinationen. Zudem habe ich aber auch immer mehr das Gefühl, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stilrichtungen eigentlich gar nicht sooo gross sind.

Mit Ihrer CD «Sennemusig» schafften Sie es Anfang 2018 in die Hitparade. Schreiben Sie bereits neue Songs?

Derzeit bin ich sehr intensiv mit meinen verschiedenen Formationen sowie als Solist unterwegs und freue mich über viele kleine und grössere Konzerte. Nebenbei arbeite ich aber tatsächlich schon wieder an neuen Ideen und dazugehörigen Kompositionen. Oft benötige ich dazu aber auch etwas Druck.

Verfolgen Sie eigentlich die Fussball-WM?

Da ich momentan ziemlich viel um die Ohren habe, verfolge ich die WM nur am Rande. Ohnehin ist es mir wichtiger, anlässlich eines Spiels meine Kollegen wieder einmal zu treffen, als jeden Ballwechsel zu verfolgen. Natürlich freue ich mich aber über’s Weiterkommen unserer Nationalmannschaft.

Wer wird Ihrer Meinung nach Weltmeister?

Das überlasse ich gerne dem Fussballgott. Falls es die Schweizer werden, würde ich diesen aber sicher ein Weltmeister-Stück widmen.

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