«Switzerland's next Topmodel» Nichts für Masochisten – weil Manuela Frey keine Heidi Klum ist

Lukas Rüttimann

20.10.2018

Jetzt hat auch die Schweiz ihre Modelsendung: Der Auftakt zu «SNTM» war alles andere als Haute Couture. Doch für ihren C-Liga-Charme kriegt die Show trotzdem ein Foto.

Geübte Castingshow-Zuschauer wissen es: Modelsendungen sind etwas für Masochisten. Diese als Realityshows getarnten Dauerwerbesendungen dauern episch lang, passieren tut meist wenig bis gar nichts – und zumindest in Deutschland muss man die ganze Zeit über die penetrante Stimme von Model-Übermutter Heidi Klum ertragen.

Die paukt den bedauernswerten jungen Geschöpfen alle zwei Minuten ein, dass sie «alles geben» müssen, respektive «kämpfen» sollen. Denn, so lautet das oberste Gebot aller Model-Shows: «Nur eine kann am Ende Germany’s next Topmodel werden».

Auch in der Schweiz wird am Ende nur eine auf dem Cover der 20 Minuten-Beilage «Friday» enden. Der Unterschied zu Deutschland aber ist: Bei uns könnte das auch ein Mann sein. Denn «Switzerland's next Topmodel» ist ein TV-Wettbewerb für Boys und Girls. Ob das an der dünnen Modeldichte zwischen St.Gallen, Zürich, Bern und Basel liegt, sei mal dahingestellt. Fakt ist: Der Geschlechter-Mix tut der Show gut.

Von Beginn an Action

So sind es von Anfang an die männlichen Models, die für Stimmung sorgen. Ein Kandidat mit rosaroten Haaren etwa bricht schon früh in Tränen aus, weil er vorzeitig nach Hause muss. Ein in Berlin lebender Italiener stolziert mit High Heels besser über den Laufsteg als alle jungen Frauen zusammen. Und ein mit Tattoos übersäter Bau-Polier wird von den Männern in der Jury kurzerhand zum Geheimfavoriten erklärt.

Von so viel Action kann «GNTM» in den Auftaktsendungen nur träumen. Denn zwischen Jungs und Mädels – auch zwischen Jungs und Jungs – entsteht sofort Dynamik: Irgendwo im Spannungsfeld zwischen gegenseitiger Anziehung und ablehnender Konkurrenz deutet sich hier grosses Potential für die künftigen Folgen an.

Weshalb auch die sonst übliche Castingshow-Dramaturgie – Sie wissen schon: die vom Schicksal gebeutelte Kandidatin oder der telegen inszenierte Zickenkrieg – bislang gar noch nicht hochgefahren werden musste. Bloss die Rolle der Migräne-geplagten Diva scheint bereits besetzt. Und klar: Haare lassen musste auch schon eine, und über das Resultat lässt sich streiten.

Highlight Manuela, Schwachpunkt Frey

Man darf also konstatieren: Der Auftakt von «SNTM» war besser als erwartet. Budgetmässig spielt die Show im Vergleich mit «GNTM» zwar in der C-Liga, und das merkt man. Statt nach L.A. gehts nach Mailand, und die Kameraeinstellungen aus dem Kaufleuten wirken zum Teil abenteuerlich amateurhaft. Doch die Jury ist mit Paradiesvogel Papis Loveday sowie den beiden Bloggern von Dandy Diary unterhaltsam besetzt. Auch die Kandidaten wirken weniger langweilig als bei vergleichbaren Shows – und eben: Gemischte Gender, das könnte spannend werden.



Das Problem bei «SNTM» ist Manuela Frey, denn die Jury-Chefin ist Highlight und Schwachpunkt zugleich. Mit ihrer unverfälschten und fröhlichen Art kommt das Aargauer Model zwar ungemein sympathisch herüber. Doch sowohl von der TV-Präsenz wie von ihrer Persönlichkeit ist – nein: kann – die erst 22-Jährige noch keine Heidi Klum sein. Über die 45-jährige kann man denken, was man will – ein internationaler Star mit Charisma ist sie zweifellos. Und für das nötige Mass an Masochismus sorgt sie auch.

Ob sich das bei «Switzerland's next Topmodel» auch noch einstellt? Die Macher, so viel ist sicher, werden ganz bestimmt alles geben.

«Switzerland's next Topmodel» lief am Freitag, 19. Oktober, um 20.15 Uhr auf Pro7 CH. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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