Beatrice Eglis «Schlager sucht Liebe»: Das Herz ist eine bleischwere Wurst

Von TV-Experte Gion Mathias Cavelty

17.6.2019

«Schlager sucht Liebe» – sechs deutsche Single-Schlagersänger/-innen suchen vor laufender Kamera «die grosse Liebe», und Beatrice Egli spielt die Kupplerin. Macht sie ihren Job gut?

Beatrice Egli – da fällt mir als Erstes das Foto ein, auf dem sie als 19-jährige in der elterlichen Metzgerei in Pfäffikon steht und mopsfidel-geschäftstüchtig einen Kranz Würste in die Kamera hält. Seit letztem Sonntag ist Beatrice Egli in der Sendung «Schlager sucht Liebe» auf RTL zu sehen – auf den PR-Fotos hält sie mopsfidel-geschäftstüchtig Ballon-Herzen in die Kamera.

Hut ab vor so viel mopsfideler Geschäftstüchtigkeit! Würste oder Herzen oder CDs oder was auch immer: Hauptsache, es lässt sich verkaufen.

Auf der Suche nach der grossen Liebe?

In der ersten Folge treten an: «Schmusesänger» Oliver Frank («Mister italienische Sehnsucht»), «Schlagerstar» Marry aus Grossmaischeid, «Partykanone» Tim Toupet («Der singende Friseur») sowie ein gewisser Denny Fabian. Keine einzige Sekunde beschleichen den Zuschauer Zweifel, dass diese Herrschaften GANZ GANZ EHRLICH die wahre Liebe zu finden beabsichtigen (und nicht etwa nur Gratis-Promo im Fernsehen wollen).

Aus «Hunderten von liebeswilligen» Bewerber/-innen (Zitat Egli), die sich auf einen Aufruf von RTL gemeldet haben, dürfen sie sich je zwei aussuchen und zu sich nach Hause einladen.

Der Titelsong ertönt – er stammt aus Beatrice Eglis in diesen Tagen erscheinendem neuen Album (was für ein mopsfideler Zufall!). Der Refrain geht so:

«Le Li La: Leben, lieben lachen!

Le Li La: Lass das Leben krachen!

O-o-o-oooo!»

Geniale Dichtkunst! Da hat sich jemand ganz fest Mühe gegeben! Hat man für den Text gar Shakespeare persönlich aus seinem Grab geholt? Respektive: was von ihm noch übrig war? «Le Li La» … – man muss es gehört haben, um es zu glauben.

Das Niveau in den nächsten 53 Minuten? Hebt sich nicht merklich. «Wir sind alle gestört, aber geil», röhrt Tim Toupet von der Bühne. «Hallo, meine kleine Ananas», schmachtet ein Marry-Fan selbige an.

«Ich bin nicht weggerannt, das ist vielleicht schon ein Zeichen», meint die 49-jährige ehemalige Go-go-Tänzerin Nanine mit schwerem osteuropäischem Akzent auf die Frage, wie es ihr bei Oliver Frank zuhause gefällt.

Viel Spass mit den Damen

«Ich denke mal, wir werden noch viel Spass haben die nächsten Tage», meint Herr Frank darauf mit vollkommen freudlosem Ausdruck – und hebt sein Glas mit Sekt Richtung Nanine. Dann wendet man sich dem Alkohol zu.

In des Schmusesängers Schlafzimmer entdeckt Nanine hernach ein Foto der an Krebs verstorbenen Ehefrau von «Mister italienische Sehnsucht». «Keine 30 geworden», kommentiert Oliver Frank. «Ganz anderer Typ als ich, aber lassen wir das besser stehen, ha ha ha», beendet Nanine das Thema so unsensibel wie überhaupt möglich.

Und schwupps geht’s zurück zum Sekt.

Le Li La: Lass das Leben krachen!

Wie es das Schlagersänger-Schicksal so will: Sekt fliesst auch bei Tim Toupet und den zwei um ihn buhlenden Kandidatinnen. Und was, glauben Sie, kredenzt «Party-Queen» Marry ihren beiden Verehren auf der heimischen Terrasse? Richtig: ebenfalls Sekt, ebenfalls am helllichten Tag.

Fazit nach 53 Minuten: Von «Le Li La: Lass das Leben krachen!» und «Verrückte Sachen machen» nicht mal eine homöopathische Spur. Doch kann das jemanden ernsthaft überraschen? Die grosse Liebe? Wem möchte man sie nicht von ganzem Ballon-Herzen gönnen? Aber in der Schlager-Welt fliegen Herzen selten – meistens entpuppen sie sich als bleischwere Würste.

«Schlager sucht Liebe» lief Sonntag, 16. Juni, um 19.05 Uhr auf RTL. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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