TV-Tipp Wie reagiert einer, der nur noch wenige Stunden zu leben hat?

tsch

21.3.2018

Zehn junge Filmemacher haben gemeinsamen ein düsteres Szenario eines unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs entworfen. Dafür erhielten sie den Max Ophüls Preis.

Eigentlich fing alles an wie ein ganz normaler Herbsttag. Doch dann zieht eine dunkle, bedrohliche Wolke auf, die ständig grösser wird. Schon bald steht für die Wetterexperten fest: Sie wird sich in einem wilden Sturm entladen - und der Schweiz den Untergang bringen. Stadt und Land geraten in Angst und Schrecken, das Ende scheint tatsächlich nahe. Die Free-TV-Premiere von «Heimatland» (2015) aus der Reihe «Schweizer Film» bei SRF zwei ist ein Fernsehereignis, wie man es nicht alle Abende erleben kann. Immerhin hatten sich hierfür zehn Schweizer Autorenregisseure zusammengetan, um einen Blick auf ihr Land und den Weltuntergang zu werfen. Wie also reagieren die Menschen, wenn sie nur noch wenige Stunden zu leben haben?

Nicht bloss ein Katastrophen-Szenario

Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp und Mike Scheiwiller bündelten ihre Kräfte. Sie sprengen mit «Heimatland» die Grenzen des bislang Üblichen: Ihnen geht es nicht nur um ein Katastrophen-Szenario, sondern auch um bohrende gesellschaftspolitische Fragen. Was wäre, wenn die Schweizer plötzlich die lange kultivierte Isolationspolitik aufgeben müssten? Und wie wirkte es sich aus, wenn sie von einem Tag auf den anderen von den Nachbarländern abhängig wären?

Die dunkle Wolke wirkt dabei als starke Metapher. Erzählt werden die beklemmenden Geschichten, die sich «darunter», unter dem Damoklesschwert, abspielen. So lernt man etwa einen Taxifahrer, einen Investmentbanker, eine Polizistin und einen Handwerker kennen, die alle auf ganz eigene Art und Weise auf das drohende Weltende reagieren. Während sich einige in der vermeintlichen Sicherheit von Schutzräumen verbarrikadieren, reagieren erstaunlich viele indifferent. Andere treten dem offenbar unausweichlichen Schicksal sogar in fataler Feierlaune entgegen.

Was der Sturm allerdings bewirkt: Erstmalig verbindet er die Menschen im Land wirklich. Er legt echte Bedürfnisse und Hoffnungen frei. Und er bringt sogar so etwas wie Hoffnungsmomente mit sich.

Auszeichnung als politisch relevanter Film

Das eigenwillige Filmprojekt, bei dem mit Michael Krummenacher ein Experte mitwirkte, der schon als Co-Regisseur für die Sky-Serie «Acht Tage» die Welt untergehen liess (das Ausstrahlungsdatum ist noch offen), hat sich für die jungen Talente bezahlt gemacht. «Heimatland» gewann den renommierten Max Ophüls Preis in der Kategorie für den gesellschaftlich relevanten Film. «'Heimatland' meistert mit Bravour die schwierige Aufgabe, einen kohärenten Film aus zehn verschiedenen persönlichen Perspektiven, auf die Situation in einem Land in einer fiktiven Extremsituation zu werfen», hiess es in der Begründung der Jury. «Die Relevanz des filmischen Anliegens wird durch die aktuellen politischen Ereignisse mehr als bestätigt und prädestiniert dieses Werk ganz besonders für die Auszeichnung als politisch relevanten Film.»

Der Schweizer Film «Heimatland» läuft am Mittwoch, 21. März, um 20.10 Uhr auf SRF zwei. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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