Wenn einen das Schicksal zu Unglück zwingen will

Von Fabian Tschamper

14.6.2019

Ob der Mensch an ein Schicksal glaubt oder nicht, ist beim Spielfilm «Der Plan» irrelevant. Die Bestimmung wird jeweils eintreten – so oder so. Überzeugen auch Matt Damon und Emily Blunt?

Die ganze Geschichte um David Norris (Matt Damon) und Elise Sellas (Emily Blunt) verbildlicht die traditionelle Vorstellung des Schicksals: Der Jungpolitiker und die Tänzerin treffen sich zufällig in New York und verlieben sich. Doch das entspricht nicht dem «Plan». Jener ist im Film die vorprogrammierte Bestimmung eines jeden Menschen. So weit, so gut.

Nun folgt Hollywoods Interpretation von «Gottes Plan»: Das Schicksal – eben jener «Plan» – wird wie von Geisterhand auf ein endloses Papier gedruckt. Jede Linie auf dem Pergament entspricht einem Menschen. Davids und Elises Linien kreuzen sich einmalig und nie wieder. Das Schicksal hat also Amors Pfeil nicht mit in die Gleichung genommen.

Der romantische Thriller geht unter die Haut, wenn man bedenkt, dass sich die beiden gegen das jeweils zugedachte Schicksal stellen. Die Gegenspieler nennen sich «die Planer». Sie sorgen dafür, dass das Pergament mit der Realität übereinstimmt. Sinnentsprechend versuchen sie David und Elise zu trennen – erfolgreich, aber nicht ohne Konsequenzen.

Ein kreativer Ansatz

Der offensichtlich fiktive Streifen wäre ziemlich seicht, würde er die Lücken nicht füllen. Doch dies tut er. Manch einer könnte schlaumeiern, dass dann «die Weltkriege ebenfalls Teil des Plans waren». Nein, das waren sie nicht.

Der unterhaltsame Actionfilm erklärt sich: Die «Planer» führten die Menschen bis hin zum Römischen Reich, dann sollten sie ihren freien Willen nutzen. Wie gut das funktioniert hat, wissen die Geschichtsbücher. Die Schicksalsgesandten griffen also abermals ein und brachten die Menschen bis zur Industrialisierung, bevor sie sich wiederum zurückzogen. Schliesslich darf man mit Sicherheit behaupten, dass das Weltkrieg-Argument nicht stichfest ist.

Kein schauspielerisches Meisterwerk

Es ist neben der interessanten Handlung durchaus nicht nötig, dass die Schauspieler einen im Fernsehsessel umhauen. Matt Damon und Emily Blunt liefern solide Leistungen ab in einem Film, der vor allem von seiner Geschichte und dem Phänomen «Schicksal» lebt. Damon, der schon in seinen «Jason Bourne»-Filmen viel gerannt ist, musste sich nicht einmal gross umstellen. Emily Blunt wurde womöglich sogar nur aufgrund ihrer Statur für die Rolle der tanzenden Elise ausgewählt. Dass sie auch tiefschürfende Charakter spielen kann, hat sie im Horrorthriller «A Quiet Place» unlängst bewiesen.

Philosophisch und actiongeladen ist eine Kombination, die man selten findet. Das Konzept des greifbaren «Plans» für jederfrau und -mann bleibt einem noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis. Was wäre, wenn das Schicksal die Karten mischt und wir sie fingieren?

«Der Plan» läuft am Freitag, 14. Juni, um 20.15 Uhr auf TV24. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Die Kino-Highlights im Juni
Zurück zur Startseite