Wer macht Sie kränker – der Arzt oder das Internet?

10.7.2018 - 09:21, von Gion Mathias Cavelty, TV-Experte

Dr. med. Fabian Unteregger, der Moderator von «Ärzte VS Internet».
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Viele suchen im Internet nach den eigenen Symptomen. Die neue sechsteilige SRF-Sommerserie reflektiert dieses Gesellschaftsphänomen spielerisch.
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Das «Ärzte-Team»: Dr. med. Peter Vonmoos, Prof. Dr. med. Stephan Vavricka und Dr. med. Anja Evangelisti.
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Das «Internet-Team»: Pascale Schiess, Jonas Erni und Carlos Komotar.
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Jürg, ein richtiger Patient, schildert seine Krankheit.
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Die beiden Teams, Patient Jürg und Moderator Unteregger diskutieren.
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Das «Internet-Team» googelt wie wild.
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Der hilfreiche Hinweis von Jürg: ein Gummiohr mit Löchlein und Röhrlein. Es ist ein bisschen wie bei David Lynch (Stichwort «Blue Velvet»).
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Hurra! Kandidat Jonas ist auf die richtige Lösung gekommen! Jürg leidet in der Tat an «Morbus Menière»! Applaus!
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Patientin Esther erzählt von den Wassereinlagerungen in ihren Beinen.
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Ein Arzt und ein Laie fummeln an einem Büschel Haare herum, das Esther ausgefallen ist.
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Die sechsteilige Reihe «Ärzte VS Internet» läuft jeweils montags um 20.05 Uhr auf SRF 1.
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TV-Experte Gion Mathias Cavelty erstellt der SRF-Sommerserie «Ärzte VS Internet» eine knallharte Diagnose.

Lustige Ärzte – ein zweischneidiges Skalpell, wie ich meine.

Erinnert sich noch jemand an die lustigen Ärzte aus der «Muppet Show»? Das waren die ersten lustigen Ärzte, die ich im Fernsehen gesehen habe. Ganz klar: Von denen würde ich mich niemals operieren lassen. Auch nicht von Dr. Eckart von Hirschhausen, ein lustiger Mediziner, den ich aber überhaupt nicht lustig finde. Da würde ich noch eher von den fidelen Ärzten aus Berlin («Die beste Band der Welt») im OP-Saal an mir herumsäbeln lassen. Aber generell gilt für mich: Ein Arzt muss todernst sein, nur dann lasse ich im Untersuchungszimmer die Hosen herunter. Ein Arzt, der doofe Sprüche klopft, wenn ich nackt vor ihm stehe, kann mir gestohlen bleiben.


Ist das Internet der bessere Arzt?

Unter die Kategorie «lustiger Arzt» fällt auch Dr. med. Fabian Unteregger. Seit diesem Montag moderiert der Komiker und Parodist auf SRF 1 die sechsteilige Sommerserie «Ärzte VS Internet». Worum es geht, fasst Dr. Unteregger wie folgt zusammen: «Isch 's Internet de besseri Arzt?»

Um das herauszufinden, traten in der ersten Folge zwei Teams zum Diagnose-Duell gegeneinander an:

- Das «Internet-Team» bestehend aus drei blutigen Laien, die für ihre Diagnosen das Internet benutzen konnten. Sie standen stellvertretend für den Google-Search-Selbstdiagnostiker wie Sie und ich.

- Das «Ärzte-Team» bestehend aus drei Fachärzten (für Allgemeinmedizin / Allgemeine Innere Medizin/Gastroenterologie/Hepatologie)

Ihnen wurden von Fabian Unteregger nacheinander reale Patienten präsentiert, die ausführlich über ihre Krankheit referieren mussten. Dann musste jedes Team mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (Fachwissen versus Google-Blitzrecherche) eine Diagnose erstellen. Das Team, das am Schluss die meisten richtigen Diagnosen erstellt hatte, hatte gewonnen.

Bizarrer Hinweis führt zur Lösung

Da wurde zum Beispiel der reale Patient Jürg (64, pensioniert) nach vorne gebeten. Er schilderte seine Leiden, von «Schwindelanfällen bei Meetings» bis zu «schwallweisem Erbrechen».

Die beiden Teams machten sich hernach getrennt voneinander Gedanken zu Jürgs «schwallweisem Erbrechen» und durften ihn noch je eine Minute lang befragen («Müend Sie Wasser lah bi dene Episode?» – «Chömmed Sie en rote Chopf über und schwitzed Sie?»). Als hilfreichen Hinweis zeigte ihnen Jürg noch ein grosses Ohr aus Kunststoff mit einem Löchlein drin und einem Röhrchen daneben. Bizarr!

Schliesslich verkündeten die Teams ihre Diagnose, beide waren auf die richtige Lösung «Morbus Menière» gekommen (Team Internet: «Ds Ohr isch d Wändi gsi!»). Punktestand: 1 zu 1. Applaus! Jürg und sein Gummiohr konnten wieder abtreten.

Das ist nicht nur bizarr, sondern hochbizarr!

Und so ging das fliessbandmässig weiter – Patientin Esther (57, Geschäftsführerin bei einer Krankenkasse) erzählte von ihren Magen-/Darmbeschwerden, Verstopfungen, ungewöhnlich starker Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen in den Beinen. In einer sogenannten «Mystery-Box» lag ein Hinweis auf die Krankheit von Esther versteckt, ein Arzt und ein Laie mussten durch blosses Ertasten erraten, worum es sich handelte, nämlich ein ausgefallenes Haarbüschel von Esther. Das war nicht nur bizarr, das war hochbizarr!

Am Schluss hatten dann die Ärzte mit 6 zu 4 gewonnen (ihre «Autoimmunhepatitis» hatte den «Morbus Wilson» der Laien geschlagen). Die Mediziner klatschten zufrieden ab.

Krankheiten als Ratespass?

Ist das tatsächlich das absolut Höchstbizarrste, was ich je in meinem Leben im Fernsehen gesehen habe – Krankheiten als Ratespass? Oder bin ich einer bitterbösen Satire auf den Leim gekrochen, ausgedacht von einem zynischen Mastermind wie etwa John Cleese von Monty Python? Oder war die Absicht tatsächlich, der Zuschauer solle durch die geschilderten Krankheitsfälle etwas lernen? Aber was denn, bitte? Dass einem bei einer Hashimoto-Thyreoiditis büschelweise Haare ausfallen, wie bei der armen Esther?

Help, Dr. Bob!

Die erste Folge von «Ärzte VS Internet» lief am Montag, 9. Juli, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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