Wie antibiotikaresistente Superkeime entstehen können

8.11.2018 - 00:00, tsch

Davout Aslanorlu hat sich im Krankenhaus mit multiresistenten Keimen infiziert. Er schwebt in Lebensgefahr.
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Abwasser der Pharma-Industrie verwandelt viele indische Flüsse in Kloaken.
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Über die Abwässer von indischen Pharma-Unternehmen gelangen viele gefährliche Keime in die Umwelt.
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Infektiologe Rein Jan Piso klagt, dass die gängigen Antibiotika oft wirkungslos bleiben.
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Multiresistente Keime, gegen die Antibiotika machtlos sind, verbreiten sich weltweit rasend schnell. Mitschuld an ihrem Siegeszug tragen viele Pharmaunternehmen selbst.

Sie gelten als die grösste Gefahr für die Behandlung Kranker. Die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, ist immer schwerer in den Griff zu bekommen: Weltweit sind sogenannte multiresistente Erreger, die ursprünglich aus Asien stammen und gegen die fast alle gängigen Antibiotika machtlos sind, auf dem Vormarsch. In der Schweiz hat sich ihre Zahl in den vergangenen drei Jahren verdoppelt, weltweit sterben an ihnen bereits jährlich hunderttausende Patienten. Die neue SRF-Dokumentation «Der unsichtbare Feind» will aufklären – ohne reisserischen Alarmismus.

Bedrohung durch «Supererreger»

«Die grosse Gefahr ist, dass unsere Patienten an Entzündungen sterben, die wir für längst besiegt hielten», klagt Rein Jan Piso, leitender Infektiologe am Kantonsspital Olten, über die Brisanz der Bedrohung durch sogenannte «Supererreger». Was ihn besonders ärgert: Allem Anschein nach tragen die Hersteller lebenswichtiger Antibiotika dazu bei, dass sich die resistenten Keime entwickeln und weiterverbreiten können. Die Reporter der Dokumentation suchen dafür Hyderabad in Indien auf, ein Zentrum der indischen Pharma-Industrie. Hier lässt vor allem die Abwasserreinigung auch der Arzneimittelhersteller sehr zu wünschen über. So geraten über Antibiotika-Rückstände die gefährlichen Erreger aus den eigentlich mehr oder weniger hermetisch gesicherten Laboren in die Aussenwelt.

Nüchterne Aufklärung als Ziel

Die Qualität der neuen, natürlich stark beunruhigenden Dokumentation macht aus, dass sie nüchtern aufklären will und mit gelassenem Scharfblick in die richtige Richtung blickt, ohne sich von Konzernanwälten oder Lobbyinteressen einschüchtern zu lassen. Immerhin beziehen auch Schweizer Pharmariesen wie Novartis und Roche Wirkstoffe für Antibiotika vom indischen Markt. Effekthascherischer Horror-Journalismus, wie ihn manche Medien bei dem brisanten Thema gelegentlich betreiben, ist den SRF-Filmemachern fern.

Die Doku «Der unsichtbare Feind» kommt am Donnerstag, 8. November, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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