Sara Aduse wurde als Mädchen beschnitten

«Vergebung ist die grösste Art von Selbstliebe»

klm

10.4.2022

Sara Aduse bei «Lässer» über Vergebung

Sara Aduse bei «Lässer» über Vergebung

Sara Aduse erlitt durch ihre Grossmutter unglaubliches Leid. Dennoch geht sie heute keinen Groll mehr gegen sie, wie sie im Talk mit Claudia Lässer erzählt.

08.04.2022

Sara Aduse machte in ihrer Kindheit unbeschreibliches Leid durch. Inzwischen hat sie die Beschneidung im Haus ihrer Grossmutter aber verarbeitet – und konnte ihr sogar vergeben. 

klm

10.4.2022

Als Fünfjährige wurde Sara Aduse von vier Frauen, eine davon ihre Grossmutter, festgehalten, während ihre Klitoris ohne Betäubung mit einem Skalpell entfernt wurde. «Ich hatte Todesangst», sagt die Aktivistin im Gespräch mit Claudia Lässer. «Man wird zerschlachtet.» 

Nachdem sie vor Schmerzen ohnmächtig wurde, erwachte sie allein in einem Zimmer. Niemand, der sie tröstete, niemand, der sie in den Arm nahm.

Es ist der Tiefpunkt ihrer traurigen Kindheit in Äthiopien: «Ich habe nie Liebe bekommen.»

Sara Aduse über den Moment ihrer Beschneidung

Sara Aduse über den Moment ihrer Beschneidung

Sara Aduse spricht offen über das Trauma, das sie durch ihre Beschneidung erhalten hat. Damit will sie anderen Betroffenen Mut machen.

08.04.2022

Als sie 12 Jahre alt war, flüchtete sie schliesslich mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in der Schweiz. Der Beginn ihrer Pubertät erlebt sie im Asylheim: «Dort ging es ums Überleben.» 

Sie musste sich Dusche, WC und Schlafzimmer mit jungen Männern teilen, habe da viel Sexismus erlebt. Begegnungen, die ihre Wut auf die Welt noch verstärkt haben: «Ich sah nur noch Leid und Schmerz auf der Welt.»

Als Erwachsene stolperte sie dann in gewalttätige Beziehungen. Dass ihre Partner toxisch gewesen seien, habe sie wegen ihrer Kindheit gar nicht mehr wirklich registriert: «Ich hatte die Hoffnung auf Liebe aufgegeben.»

Sara Aduse bei «Lässer» über ihre Fehlgeburt

Sara Aduse bei «Lässer» über ihre Fehlgeburt

Sara Aduse sah ihre Fehlgeburt als Zeichen, dass sie ihren gewalttätigen Freund verlassen muss. Das erzählt sie erstmals im Talk mit Claudia Lässer.

08.04.2022

Wut festzuhalten ist sinnlos

Ein Schlüsselmoment sei dann gewesen, als sie erfahren habe, dass sie von ihrem Freund schwanger war. Zu diesem Zeitpunkt hätten sie gerade geplant, zusammenzuziehen. «Ich sagte zu Gott, er soll mir ein Zeichen geben», erzählt Aduse erstmals bei «Lässer». Einen Tag später habe sie eine Fehlgeburt erlitten und ihren Freund verlassen. 

Heute habe sie die dunklen Tage in ihrem Leben hinter sich gelassen. Aduse ist in einer glücklichen Beziehung und hat ihre Erlebnisse in einem Buch und einem Film aufgearbeitet. Dafür reiste sie auch zurück nach Äthiopien und sprach mit ihrer Grossmutter und der Frau, die sie beschnitten hat. 

«Ich konnte ihnen vergeben», so Aduse. «Es bringt mir nichts, wenn ich meine Wut festhalte.» Dadurch habe sie endlich ihren eigenen inneren Frieden gefunden: «Vergebung ist die grösste Art von Selbstliebe.» 

Den ganzen «Lässer»-Talk mit Sara Aduse findest du hier: 

Sara Aduse: «Meine Grossmutter hat mich geschlagen, wenn ich nicht gehorchte»

Sara Aduse: «Meine Grossmutter hat mich geschlagen, wenn ich nicht gehorchte»

Genitalverstümmelung – ein Tabuthema. Sara Aduse musste diese schlimme Erfahrung als Kind machen. Lange fühlte sie sich nicht als Frau und wertlos. Jetzt kämpft sie gegen die brutale Tradition. Das tiefgründige und bewegende Interview bei LÄSSER.

08.04.2022

Die Talksendung «Lässer» läuft am Montag, 11. April, 20 Uhr, auf blue Zoom.