Autor: Marco Maurer

Breel Embolo verbrachte zwei schwierige Jahre voller Verletzungen und Krisen beim FC Schalke 04. Aber das hat ihn nur stärker gemacht.


Breel Embolo galt mal als die Zukunft des Schweizer Fussballs. Aber das heisst nicht, dass die Gegenwart immer angenehm und leicht ist. Im Sommer 2016 verliess Embolo den FC Basel für 22,5 Millionen Franken in Richtung FC Schalke 04, in Richtung grosser Fussballbühne (der FC Schalke 04 gehört immerhin zu den 20 reichsten Fussballvereinen der Welt). Dann wurde er auf seinem Weg in die Zukunft jäh gebremst. Erst verletzte er sich schwer – Wadenbein- und Sprunggelenkbruch, Syndesmose- und Innenbandriss –, es gab Probleme bei der Reha, gar drohte das Karriereende. Zudem geriet er nach dem Comeback mit Schalkes akribischem neuem Trainer Domenico Tedesco aneinander, der fand, Embolo fehle die Körperspannung.




Eben noch am Boden, jetzt in Jubelpose: Breel Embolo gelangen vergangene Saison sechs Scorerpunkte für den FC Schalke 04.

Kritik. Krisengespräche. Kampf. Eine Menge Leben für einen 21-Jährigen.

Und nun, nach nur 28 Spielen in 2 Jahren, richtet sich der Fokus der Schweizer erneut auf den Einwanderer aus Kamerun. Wie bei der EM 2016 gilt er als Hoffnungsträger. Doch kann Breel Embolo das wirklich schon sein, eine echte Stütze für ein ambitioniertes Team?

Um diese Frage zu beantworten, hilft es, die vergangenen Spielzeiten beim FC Schalke 04 näher zu betrachten. Mit der Hypothek der hohen Ablöse ausgestattet, gelang Embolo erst nach fünf Spieltagen das erste Tor, manch Schalker Verantwortlicher begann bereits zu zweifeln. Drei Wochen, zwei Spiele und null Tore später wurde er von einem Gegenspieler so brutal gefällt, als wäre er ein Baum. Saisonaus.

Im zweiten Jahr spielte Embolo insgesamt 21 Spiele für den FC Schalke 04, der sich mit äusserst unspektakulärem, aber effektivem Fussball die Vizemeisterschaft und die UEFA-Champions-League-Teilnahme sicherte. Dazu hat auch Breel Embolo beigetragen. Nicht nur mit Dribblings und Toren, sondern auch mit seiner Stärke, dem Anlaufen des Gegners. Den Fans des FC Schalke 04, der sich gerne als «Malocherklub» inszeniert und mit den Spielern schon mal Ausflüge in ein Bergwerk macht, hat das gefallen.

Embolo war ein kleines Rädchen in der Mannschaft – und nicht mehr das 22,5-Millionen-Megatalent. Das hat ihm gutgetan und brachte ihm Sicherheit – es scheint fast, als sei er auf der grossen Fussballbühne angekommen.




Und nun mit stolzer Brust zur Nati? Was kann er dem Team geben?

Die Voraussetzungen sind gut, er wird Nestwärme bekommen, ist er doch bei den Schweizer Fans sehr beliebt. Vielleicht singen sie zwischen Moskau und Wladiwostok zur Melodie von «The Lion Sleeps Tonight» bald wieder den Embolo-Song «I de Nati, de Schwiizer Nati, da isch de Breel dihei.»

Embolo muss jedoch erst mal richtig fit werden. Gegen Ende der Saison verpasste er aufgrund muskulärer Probleme an den Oberschenkeln mehrere Spiele und gab erst vor wenigen Tagen beim 1 : 1 gegen Spanien sein Comeback, das wenig überzeugend war. Er kam in der zweiten Hälfte für Shaqiri und dann auch nur zäh ins Spiel, verschuldete fast einen Gegentreffer, bereitete aber doch den Ausgleich gegen die Spanier mit vor. Natitrainer Vladimir Petkovic sagt auf Bluewin-Nachfrage: «Breel Embolo ist noch nicht ganz der Alte, wenn man das bei einem so jungen Spieler überhaupt sagen darf», aber er habe noch zwei Wochen Zeit für die Vorbereitung für Russland.

Petkovic schützt seinen jungen Stürmer. Aber er macht auch deutlich, dass er viel von ihm erwartet.

Fünf Dinge, die Sie über Breel Embolo nicht wussten
Geheimer Motivationstrick:
mit Mannschaftskollegen um ein Abendessen wetten
Alternativer Karriereplan:
Koch
Lieblingsgegner früher auf dem Bolzplatz:
Granit und Taulant Xhaka, mit denen er gemeinsam im Basler Matthäus-Quartier aufwuchs
Promi, mit dem er gerne mal abendessen würde:
Ronaldinho
Sein erstes Fussballtrikot: kamerunische Nationalelf, die Nummer 9 von Samuel Eto’o. 2014 rief ihn sein Held dann an, um ihn für Kamerun zu gewinnen. Vergebens.

Breel Embolo weiss selbst, dass er sich nicht mehr auf den Status «junges, aufstrebendes Talent» berufen kann, sondern dass er mehr Verantwortung übernehmen muss. Vor der WM traf er deshalb eine schwierige Entscheidung: Embolo wird unter Umständen während des Turniers Vater einer Tochter. Doch er hat angekündigt, dass er in diesem Fall nicht abreisen werde – Zeit für die Familie bleibe auch nach dem Turnier.

Breel Embolo will nicht länger die Zukunft des Schweizer Fussballs sein. Sondern in der Gegenwart mit seiner Mannschaft Erfolg haben.







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