Drei Michelin-Sterne für einen Foodtruck in Marseille

Christian Böhmer, dpa

19.1.2021 - 06:50

Koch «AM» hat als einziger drei Michelin-Sterne erhalten

Koch «AM» hat als einziger drei Michelin-Sterne erhalten

Für den französischen Spitzenkoch Alexandre Mazzia ist die Ehrung durch den Gastroführer Michelin ein kleines Trostpflaster: Das Restaurant «AM» des Kochs aus Marseille ist als einziges in diesem Jahr mit drei Sternen ausgezeichnet worden.

19.01.2021

Frankreichs Restaurants sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Der Guide Michelin hält aber an der Vergabe seiner begehrten Sterne fest. Die Bestnote geht an einen Mann, der mit seiner Küche auch auf die Strasse geht.

Der Gastronomieführer Guide Michelin hat mitten in der Corona-Krise ein neues Toprestaurant im Stammland Frankreich mit einem dritten Stern ausgezeichnet.

Das Lokal «AM» des unkonventionellen Spitzenkochs Alexandre Mazzia aus Marseille bekam die Bestnote der Feinschmeckerbibel, wie deren Chef Gwendal Poullennec am Montag auf dem Pariser Eiffelturm angekündigte.

Mazzia hatte erst vor zwei Jahren für seine kreative Küche im schicken Süden der Hafenstadt zwei Sterne erhalten. Da Cafés und Restaurants in Frankreich coronabedingt im vergangenen Jahr monatelang schliessen mussten, ging Mazzia mit einem umgebauten Lieferwagen («Foodtruck») buchstäblich auf die Strasse.

French chef Alexandre Mazzia (L) and his team prepare takeaway meals in a food-truck in Marseille, southern France, on November 24, 2020. - Mazzia, who was appointed "French chef of the year" in 2018 and whose restaurant "AM" in Marseille was awarded with two stars at the Michelin guide, has developed a new way to sell his food as he faces the closure of his restaurant due to the second lockdown aimed at halting an alarming acceleration of Covid-19 cases. (Photo by NICOLAS TUCAT / AFP) (KEYSTONE/AFP/NICOLAS TUCAT)
Da Cafés und Restaurants in Frankreich coronabedingt im vergangenen Jahr monatelang schliessen mussten, ging Alexandre Mazzia mit einem umgebauten Lieferwagen buchstäblich auf die Strasse.
Bild: Keystone

Mit Mazzias Aufstieg erhöht sich Zahl der Edellokale mit drei Sternen in Frankreich und Monaco auf 30. Michelin verzichtete in der Topliga auf Herabstufungen. Zusammen haben 638 Restaurants einen, zwei oder drei Sterne.

«Die Köche Frankreichs stehen aufrecht»

Frankreichs Spitzengastronomie sei angesichts einer beispiellosen Krise in einer schwierigen Lage, machte Poullennec deutlich. Der Guide Michelin setzte auch Inspektoren aus internationalen Teams ein, um Lokale zu testen. «Die Köche Frankreichs stehen aufrecht.»

Auch international sei die Lage dramatisch: «Weniger als 30 Prozent der Sterne-Restaurants in der Welt sind geöffnet», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Gastronomieführer Guide Michelin entschied wegen der Krise auch noch nicht, wie die Sternevergabe für Restaurants in Deutschland dieses Jahr ablaufen wird. «Mit unseren Mitarbeitern suchen wir ein Vorgehen, das der Lage angepasst ist», sagte Poullennec. «Derzeit kann ich nichts bestätigen.»

Der französische Küchenchef Alexandre Mazzia in der Küche seines Restaurants «AM».
dpa

Noch mindestens bis kommenden Monats geschlossen

Bars, Cafés und Restaurants sind in Frankreich noch mindestens bis Mitte kommenden Monats geschlossen, denn das Land ist schwer von der Corona-Pandemie betroffen. Einige Lokale bieten einen Liefer- oder Abholservice an. Die Sterne-Vergabe auf dem Eiffelturm fand ohne Publikum statt und wurde im Internet übertragen.



Das Pariser «Marsan» von Hélène Darroze und das «La Mérise» von Cédric Deckert im elsässischen Laubach bekamen erstmals zwei Sterne. Spitzenköchinnen sind weiterhin vergleichsweise rar; im exklusiven Club der Drei-Sterne-Feinschmeckertempel gibt es nur Anne-Sophie Pic aus dem südfranzösischen Valence.

Die Krise veranlasst auch Branchen-Champions, neue Wege einzuschlagen. Mauro Colagreco vom «Mirazur» in Menton an der Côte d'Azur richtete mit einem Unternehmer einen Feinkoststand in einer Markthalle in Monaco ein. «Wir müssen uns anpassen, Lösungen suchen», sagte der aus Argentinien stammende Drei-Sterne-Koch der Zeitung «Le Figaro» und fügte hinzu: «Das hilft, die Mannschaft in Schwung zu halten, die Hersteller zu beschäftigen, mit der Kundschaft in Kontakt zu bleiben – und nicht die Hoffnung zu verlieren.»

Bei der Online-Vergabe der Sterne ging es emotional zu – es flossen Tränen der ausgezeichneten Köchinnen und Köche. Erst im vergangenen Jahr hatte der über 120 Jahre alte Gastronomieführer der «Auberge du Pont de Collonges» des 2018 gestorbenen Küchenpapstes Paul Bocuse ihren dritten Stern entzogen und damit erhebliches Aufsehen erregt. Das Traditionshaus in der Nähe von Lyon hat seitdem nur noch zwei Sterne.


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