Darum sind Fertiggerichte in der Coronakrise beliebt

Julia Käser

25.11.2020 - 07:59

Eine Frau steht vor dem Kuehlregal mit Fertiggerichten und Pasta, aufgenommen im Coop Suedpark in Basel am 03. April 2013. Die Coop-Filiale im Suedpark wurde im Juni 2011 eroeffnet. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Bei länger haltbaren Lebensmitteln, Fertiggerichten oder Tiefkühlprodukten hat Coop im Frühjahr eine erhöhte Nachfrage gespürt. Noch immer sind die Produkte sehr beliebt. 
Bild: Keystone

Durch die Coronakrise wird vermehrt selbst gekocht – aber auch Fertiggerichte sind besonders beliebt. An einer gewissen Kochmüdigkeit liegt das laut einer Expertin aber nicht. 

Im Frühling war es das perfekte Bananenbrot, im Herbst dann die würzige Kürbissuppe: Dank Corona wurden das Kochen und Backen neu entdeckt. Vor allem während des Lockdowns standen mehr Personen am Herd als gewöhnlich und teilten ihre Kreationen fleissig in den sozialen Medien. 

Doch der Schein trügt auch. Denn nicht nur die Frischbackhefe ist seit geraumer Zeit besonders gefragt – auch Fertigprodukte verkaufen sich überdurchschnittlich gut. In Deutschland ist von einem regelrechten Boom bei Fertiggerichten in diesem Jahr die Rede. 

In der Schweiz stellen Detailhändler ebenfalls eine erhöhte Nachfrage nach entsprechenden Produkten fest, wie eine kurze Umfrage von «blue News» zeigt. Bei Aldi Suisse etwa beobachtete man insbesondere während des Lockdowns eine erhöhte Nachfrage nach Fertiggerichten. «Vor allem lang haltbare Fertiggerichte haben wir viel mehr verkauft», so ein Sprecher. 

Amerikanerinnen und Amerikaner sind kochmüde

Bei Coop hält der Trend an. «Im Frühjahr verspürten wir eine erhöhte Nachfrage nach Produkten des täglichen Bedarfs, darunter auch länger haltbaren Lebensmitteln, Fertiggerichten oder Tiefkühlprodukten», sagt Sprecher Andrea Ruberti. Diese Nachfrage sei auf hohem Niveau stabil.

Und auch bei Lidl Schweiz heisst es, dass ohnehin schon sehr nachgefragte Fertiggerichte in den letzten Monaten häufig verkauft wurden – dazu zählten etwa Spaghetti Bolognese, Penne Arrabbiata oder Red Thai Curry. Aber auch Frischprodukte wie Früchte, Gemüse, Brot und Frischfleisch seien auffallend gefragt. 

Ist das etwa Ausdruck einer Kochmüdigkeit, wie sie in den USA zurzeit Thema ist? Laut verschiedenen Umfragen ist es mindestens ein Viertel der Amerikanerinnen und Amerikaner leid, ständig zu Hause kochen zu müssen. 

ZHAW-Ernährungssoziologin Christine Brombach erklärt sich die erhöhte Nachfrage nach Fertiggerichten hierzulande anders: «Weil ein Grossteil der Verpflegungsangebote fehlte, wurde vor allem während des Lockdowns ein Teil der Lebensmittel als Convenienceprodukte gekauft. Das musste auf diesem Weg kompensiert werden.»

Mehr Zeit während des Lockdowns

Gleichzeitig sei aber auch tatsächlich mehr gekocht worden, vor allem von Familien, denn die Kinder hätten zu Hause versorgt werden müssen – auch jene, die zuvor in der Schule verpflegt worden seien, sagt Brombach. Eine Befragung von knapp 1'000 Studierenden der ZHAW zeigt, dass die nun verfügbare Zeit der Hauptgrund für das häufigere Kochen war.

In der Studie gaben zudem 55 Prozent der Befragten an, dass sie seit Beginn des Lockdowns bestimmte Lebensmittel selbst hergestellt hätten, die sie sonst schon verarbeitet gekauft haben. 

Mittlerweile ändere sich das alles aber wieder, weiss Brombach: «In dem Moment, wo die Berufstätigen keine Zeit mehr haben, zu kochen, wird wieder vermehrt auf Ausser-Haus-Verpflegung zugegriffen.» Heisst: Der Effekt des Lockdowns verpufft zunehmend. 

Wie weit die Krise langfristig etwas an unserem Koch- und Ernährungsverhalten ändert, wird sich laut Brombach denn auch erst zeigen müssen. 

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