Warum Obstschalen der grösste Unsinn sind

Marianne Siegenthaler

16.10.2020 - 06:32

Die Menschen lieben Früchte und Gemüse, aber die meisten lagern es falsch, sodass es rasch verdirbt.
Bild: Keystone

Früchte und Gemüse sind gesund. Aber nur, wenn man sie richtig lagert, bleiben sie frisch und aromatisch. Eine Expertin erklärt, warum Obstschalen Unsinn sind.

Eine hübsche Schale auf dem Esstisch, gefüllt mit frischen Früchten direkt vom Markt – da möchte man doch am liebsten gleich zugreifen. Doch schon wenige Tage später vergeht einem die Lust dazu. Die Äpfel schrumpeln, die Pfirsiche setzen Schimmel an und die Bananen sind schon ganz braun.

Dem Gemüse im Kühlschrank ergeht es nicht viel besser: Die Radiesli sind am Austrocknen, die Rüebli gummig, der Salat ist welk und die Tomaten schmecken nach gar nichts.

Was tun? Weg damit. Zwar mit schlechtem Gewissen – Stichwort Lebensmittelverschwendung – aber auf dem Teller wollen wir solches Obst und Gemüse dann doch nicht haben.

Richtig lagern statt wegwerfen

Wichtig ist deshalb, dass Früchte und Gemüse richtig gelagert werden. Denn das hilft, dass Äpfel und Orangen, Gurken und Peperoni länger frisch bleiben und nicht fortgeworfen werden müssen. Nadine Kessler, Obstverkäuferin und Gartenbaumanagement-Studentin aus München, weiss, wie richtige Lagerung geht, und gibt ihre Kenntnisse in Vorträgen weiter. Im «Zeit Magazin» erklärte sie: «Obstschalen sind der grösste Unsinn.»

Äpfel gehören nämlich zu den sogenannten klimakterischen Arten, die auch nach der Ernte noch weiterreifen.
Bild: Getty Images

Dies deshalb, weil sich die verschiedenen Obstsorten, die in die Schale gelegt werden, nicht vertragen. So treiben beispielsweise Äpfel die Reifung von anderen Sorten voran. Äpfel gehören nämlich zu den sogenannten klimakterischen Arten, die auch nach der Ernte noch weiterreifen. Darunter fallen beispielsweise auch Bananen, Pfirsiche, Feigen, Avocados oder Tomaten.

Nicht klimakterische Früchte reifen nicht nach. Beeren, Gurken, Paprika oder Zitrusfrüchte werden deshalb erst geerntet, wenn sie reif sind – wodurch sich auch die Haltbarkeit verringert. Wichtig für den Nachreifungsprozess der klimakterischen Sorten ist das Ethylen. Das Reifegas beschleunigt den Stoffwechsel.

Die Folge: Umliegendes Obst und Gemüse reift beziehungsweise altert schneller, je nach Art. Alle Früchte geben ausserdem gespeichertes Wasser an die Umgebungsluft ab, sie beginnen zu schrumpeln.

Ab in den Kühlschrank

Gemäss Nadine Kessler sind die meisten Obstsorten mit Ausnahme von Bananen im Gemüsefach des Kühlschranks am besten aufgehoben. Denn Kälte verlangsamt nicht nur die Ethylenproduktion, sondern den Stoffwechsel insgesamt, und damit auch Reife- und Alterungsprozesse.



Aber auch hier sollte man darauf achten, dass beispielsweise Birnen dem Broccoli nicht zu nahe kommen. Wichtig ist auch, dass man Tomaten oder Äpfel einige Zeit vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank nimmt, denn Kälte verringert den Geschmack.

Grundsätzlich gilt: Früchte und Gemüse am besten frisch kaufen und möglichst rasch konsumieren – so muss nichts weggeworfen werden und es schmeckt am besten.


So lagern Sie Obst und Gemüse richtig

Nachfolgend eine Übersicht über einige Frucht- und Gemüsesorten und deren Lagerung. Viele Informationen kann man sich dazu auch spielerisch beim «Zeit Magazin» aneignen:

Avocados sind beim Kauf häufig noch nicht ganz ausgereift und deshalb noch zu hart zum Essen. Damit die Beere (ja, es handelt sich aus botanischer Sicht  tatsächlich um eine Beere) ausreifen kann, benötigt sie Zimmertemperatur. Nur Avocados, die schon sehr weich sind, können gekühlt gelagert werden.

Bananen sind das einzige Obst, das gemäss Nadine Kessler in die Früchteschale gehören, weil sie Wärme mögen. Aber niemals zusammen mit anderem Obst oder Gemüse.

Basilikum: Kälte bedeutet den sicheren Tod für Basilikum – sei dies im Kühlschrank oder im Topf draussen, wenn kühle Temperaturen herrschen. Basilikum also immer bei Zimmertemperatur lagern und schnell verarbeiten.

Rüebli verlieren schnell Wasser und werden gummig. Deshalb gehören sie in einer verschlossenen Box in den Kühlschrank. Damit sich nicht zu viel Wasser sammelt, legt man auf den Boden der Box ein Haushaltspapier, das das Wasser aufsaugen kann.

Pfirsiche, Nektarinen und Aprikosen: Sie sind im Kühlschrank gut aufgehoben.

Gurken sind heikel, es darf nicht zu kalt und nicht zu warm sein, weil sie dann austrocknen. Man kann sie aber gut im Kühlschrank im Gemüsefach lagern, wenn man sie in ein Tuch einpackt.



Radieschen: Wird das Grün weggeschnitten, schrumpeln sie im Kühlschrank weniger schnell. Alternative: Radieschen in eine Schüssel mit Wasser legen.

Tomaten: Kälte setzt den Tomaten gleich doppelt zu: Sie verlieren Aroma und setzen womöglich auch noch Schimmel an. Ideal ist eine niedrige Zimmertemperatur von etwa 15 Grad.

Kartoffeln: Tiefe Temperaturen tragen dazu bei, dass die Stärke in den Kartoffeln zu Zucker umgewandelt wird. So werden sie mehlig und süsslich. Besser man lagert sie an einem kühlen, aber nicht kalten, dunklen Ort.

Äpfel: Können auch in den Kühlschrank, aber nicht in die Nähe von anderem Obst oder Gemüse, weil sie den Reife- bzw. Altersprozess beschleunigen.

Zitrusfrüchte: Orangen, Zitronen und andere Zitrusfrüchte wachsen im Süden. Und da ist es warm. Deshalb gehören sie nicht in den Kühlschrank. Sie verlieren da ihr Aroma und werden schnell fleckig.

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