Darum schwitzen wir in dunkler Kleidung mehr

tsch

14.8.2018

Sie gehen in Ihrem schwarzen Lieblingsshirt in die Sonne – und bereuen es sofort: Warum Ihnen deutlich wärmer als in einem weissen Kleidungsstück wird, verraten wir Ihnen.

Wer früher im Sommer mit einem schwarzen Auto ohne Klimaanlage Richtung Süden in die Ferien gefahren ist, weiss es: Spass ist etwas anderes.  Die Temperaturen im Inneren gingen durch die Decke. Doch warum ist das so?

Die schnelle Antwort haben Sie sicher schon mal gehört: Schwarze Farbe absorbiert Licht, deswegen wärmt sie sich auf. Das ist im Prinzip richtig, erklärt aber nicht alles.

Es beginnt damit, dass Farbe eigentlich erst durch Licht entsteht. Es ist nicht so, dass sie auf einem Gegenstand vorhanden ist und dann etwas mit dem Licht macht. Umgekehrt ist es richtig: Der Gegenstand hat eine Oberfläche mit bestimmten chemischen Eigenschaften, die mit dem Licht etwas machen.

Wenn die Photonen mit den Molekülen ...

Genauer gesagt: Die Moleküle in der Oberfläche interagieren mit dem Licht. Dazu müssen Sie wissen, dass Licht beides ist - Welle und Teilchen. Die sogenannten Photonen treffen auf die Moleküle - und je nach Beschaffenheit nehmen sie die Lichtteilchen mitsamt ihrer Energie auf oder sie stossen sie ab.

Stossen sie die Lichtteilchen ab, spricht man von Reflektion. Nehmen sie sie auf, von Absorbtion. Eine Absorption hat zur Folge, dass die Lichtteilchen mit ihrer Energie die Moleküle in der Oberfläche in Schwingung versetzen. Durch diese Bewegungen entsteht die Wärme.

In der Alltagssprache sagt man gerne: Die Oberfläche schluckt das Licht. Das ist kein schlechtes Bild, aber es werden meistens nur Teile des Lichts geschluckt - die Teile mit einer bestimmten Wellenlänge nämlich.

Wasser schluckt alles ausser Blau

Alle Wellenlängen zusammengefasst werden als Wellenspektrum bezeichnet. Grosse Bereiche dieses Spektrums können wir Menschen überhaupt nicht wahrnehmen, zum Beispiel infrarotes Licht, UV- oder gar Röntgenstrahlen. Der kleine Rest sind unsere Farben, wobei rotes Licht die grösste Wellenlänge hat (650 bis 780 Nanometer) und violettes Licht die kleinste (380 bis 420 Nanometer).

Ist die Oberfläche chemisch so beschaffen, dass sie quasi das gesamte Spektrum absorbiert und fast nichts reflektiert, erscheint sie schwarz. Wird alles reflektiert, erscheint sie weiss. Dazwischen gibt es alle möglichen Abstufungen. Wasser absorbiert zum Beispiel vor allem langwelliges Licht (also rot, orange, gelb und grün) und reflektiert blaues Licht. Deswegen sind die Meere blau.

Auch eine Frage des Materials

Ob Sie aber im schwarzen T-Shirt bei den aktuellen Temperaturen nur schwitzen oder sehr schwitzen, hängt auch vom Material ab und davon, wie eng Sie die Kleidung am Körper tragen. Luftiges Leinen kühlt zum Beispiel, aber auch Baumwolle ist gut. Zumindest besser als Kunstfasern wie Polyester oder Nylon.

Luftig ist ein gutes Stichwort, denn Ihnen ist sicher auch schon aufgefallen, dass Menschen, die in heissen Ländern leben, gar nicht alle nur in Weiss herumlaufen. Das ist deswegen nicht nötig, weil die Wärme gut wieder abtransportiert wird, wenn die Kleidung luftig genug ist. Eine Studie mit Beduinen hat vor einigen Jahren sogar ergeben, dass dieser Abtransport mit schwarzer Kleidung mindestens genauso gut funktioniert wie mit weisser.

Schwarze Kleidung hat noch einen anderen Vorteil: Weil sie nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch UV-Strahlung absorbiert, sind Sie mit ihr - zumindest bei sehr dünnen Stoffen - besser vor einem Sonnenbrand geschützt als mit heller Kleidung.

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