Schmerzhaftes Rätsel Harmlos oder nicht? – Das hilft gegen Seitenstecher

Sabine Meuter, dpa

5.8.2020

Aufwärmen, in aufrechter Haltung laufen, die Belastung allmählich steigern: Wer das berücksichtigt, kann Seitenstichen beim Sport vorbeugen.
Aufwärmen, in aufrechter Haltung laufen, die Belastung allmählich steigern: Wer das berücksichtigt, kann Seitenstichen beim Sport vorbeugen.
Source: Tobias Hase/dpa-tmn

Sie sind unangenehm, aber in der Regel harmlos. Dennoch stören Seitenstiche Freizeitsportlerinnen und -sportler empfindlich beim Training. Wie kann man gegensteuern? Und warum kommt es überhaupt zu dem Zwicken?

Raus an die frische Luft und los. Eine Runde Joggen als Ausgleich für das üppige Essen. Doch der Lauf, der gut gelaunt begann, wird jäh von einem Seitenstecher ausgebremst. Dieses unangenehme, zwickende Gefühl an der Bauchseite haben die meisten Freizeitsportlerinnen und -sportler schon erlebt.

Der Internist Prof. Ulrich R. Fölsch kann beruhigen: «Das ist schmerzhaft, aber in aller Regel absolut harmlos.» Ein Hinweis auf eine ernstzunehmende Krankheit ist dies keinesfalls, eher eine Art Unpässlichkeit.

«Sie hätte womöglich vermieden werden können, wenn es unmittelbar vor dem Sport keine grössere Mahlzeit gegeben hätte», erklärt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Essen als mögliche Ursache?

Generell kommt es bei Belastungen zu Seitenstichen, vor allem Ausdauersportlerinnen und -sportler trifft es. In erster Linie Läufer, mitunter auch Schwimmer und Radfahrer. «Gut trainierte Sportler haben es seltener als untrainierte», sagt Froböse. Seitenstiche können sich links oder rechts am Bauch, manchmal an beiden Seiten äussern.

Wodurch sie konkret ausgelöst werden, ist unklar. Es gibt einige Erklärungsansätze. «Wissenschaftlich bewiesen ist aber nichts», sagt Mediziner Fölsch. Eine der Theorien sei eine Mangeldurchblutung der Milz. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Milz, aber auch die Leber bei körperlicher Belastung weniger stark durchblutet sind.



Zu dieser Theorie passt, dass Seitenstecher eher auftreten, wenn man nach einer üppigen Mahlzeit Sport macht. Denn fürs Verdauen benötigt der Magen-Darm-Trakt Blut, die Muskulatur aber ebenso – es kommt zum Mangel. «Daher nicht mit vollem Magen trainieren», rät Fölsch.

Zweite Theorie: Das Zwerchfell ist schuld

Rein theoretisch könnte die Ursache auch im Zwerchfell liegen, so Froböse. Das Zwerchfell befindet sich unterhalb der Lunge zwischen Bauchraum und Brusthöhle. Beim Sport atmet man schneller und tiefer. Das beansprucht das Zwerchfell, dem es aber im Moment der Anstrengung an sauerstoffreichem Blut mangelt.

Der Grund, warum es nur Erklärungsansätze, aber keine wissenschaftlichen Belege für die Ursache gibt: Seitenstiche legen sich oft so schnell, wie sie begonnen haben. Fölsch: «Sie sind schon weg, bevor ein Betroffener ärztlich untersucht werden kann.»

Oder ist es die Körperhaltung?

Die Körperhaltung könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Wer verkrampft und geduckt anstatt aufgerichtet losläuft, riskiert womöglich eher einen Seitenstecher. Auch Übergewicht gilt als ein möglicher Auslöser.

Egal, um welche Sportart es geht: «Wichtig ist, sich nicht zu überfordern, sondern das Training den eigenen Fähigkeiten anzupassen», betont Froböse. Dazu gehört auch, sich gut aufzuwärmen. Und die Belastung allmählich und nicht abrupt zu steigern.

Mit bewusster Atmung gegensteuern

Der Heftigkeit der Schmerzen variiert. Bei leichten Seitenstichen muss man sein Training nicht unterbrechen. «Wer will, kann das tun, aber es reicht auch, gleichmässig und bewusst in den Bauch zu atmen und das Tempo zu drosseln», erklärt Froböse.

Bei stärkeren Seitenstechern ist es dem Bewegungsexperten zufolge aber ratsam, innezuhalten und die Stiche mit bewusster Atmung zu lösen. Eine Atemübung könnte so aussehen: «Vier Schritte gehen und dabei bewusst einatmen und dann nach den nächsten vier Schritten bewusst ausatmen», erklärt Froböse. Diese Übung so lange fortsetzen, bis die Schmerzen nicht mehr zu spüren sind.

Was genau einem bei Seitenstichen hilft, muss jeder für sich herausfinden. «Eine Lösung für alle gibt es nicht», so Fölsch. Damit es zu den unangenehmen Schmerzen beim Sport erst gar nicht kommt, ist es wichtig, beim Training möglichst wenig zu reden. Denn das Sprechen kann die Atmung aus dem Rhythmus bringen und Verkrampfungen hervorrufen – die sich womöglich in Seitenstichen äussern.

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