Wandern für Anfänger – «eine gute Vorbereitung ist essenziell»

Von Sulamith Ehrensperger

1.11.2020

Mutter wandert mit Tochter im Herbst
Als Neuling in der Welt des Wanderns kommen viele Fragen auf. Vor allem im Herbst braucht es vor dem Loslaufen etwas mehr Vorbereitung. 
Bild: Keystone

Zum Abschalten und Auftanken raus an die frische Luft: Gerade in Zeiten von Corona packt viele das Wanderfieber. Was in den Rucksack gehört und welches die häufigsten Stolpersteine für Neulinge sind, erläutert die Expertin.

Frau Gysi, gerade jetzt, wenn uns das Coronavirus wieder zu schaffen macht, zieht es viele nach draussen. Darunter auch Wanderneulinge. Schuhe schnüren und loslaufen – eine gute Idee?

Draussen sein, sich frei fühlen, die Natur erleben, all dies hilft, sich einen Moment lang zu entspannen. Eine gute Vorbereitung ist dabei essenziell. Sie beginnt schon bei der Planung der Route. Diese soll den Fähigkeiten und der Fitness der jeweiligen Person entsprechen. Insbesondere für Wanderanfänger empfiehlt sich zu Beginn eine einfache, eher kürzere Route.

Welches sind typische Anfängerfehler?

Die Vorbereitung wird meist unterschätzt. Gerade jetzt im Herbst ist eine Planung besonders wichtig, da es in höheren Lagen schon Schnee haben könnte und Wege vielleicht gar nicht mehr begehbar sind. Es ist wichtig, über die Route Bescheid zu wissen. Auch ein Blick auf die Wetterprognose gehört zur Vorbereitung. Die Wetterlage kann sich im Verlauf des Tages ändern, in den Bergen manchmal äusserst schnell. Man sollte auch nicht allein unterwegs sein – in Begleitung wandert es sich sicherer und besser.

Warum ist eine gute Vorbereitung gerade für Einsteiger so wichtig?

All die genannten Vorbereitungen haben Einfluss auf das, was ich auf die Wanderung mitnehme, ob es einen Regenschutz braucht oder warme Kleider. Wer vorbereitet ist, kann allfällige optionale Routen einplanen, beispielsweise wenn ein Gewitter aufzieht oder man sich plötzlich erschöpft fühlt, und kennt den Zustand des Wanderweges, ob es nass ist oder Schnee liegt.

Welche Ausrüstung braucht ein Hobbywanderer?

Zur Person: Andrea Gysi
Porträt Andrea Gysi Kommunikationsbeauftragte Schweizer Wanderwege
zVg

Andrea Gysi ist Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation und  Mitglied der Geschäftsleitung bei Schweizer Wanderwege. Der Dachverband vereinigt 26 kantonale Wanderwegorganisationen. Seit 1934 setzen sie sich gemeinsam für ein attraktives, sicheres, einheitlich signalisiertes Wanderwegnetz in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein ein.

Die empfohlene Ausrüstung umfasst mindestens: komfortable Wanderschuhe mit solidem Profil, Wanderkleider im Schichtprinzip, Sonnenschutz, wenn nötig Regenschutz, Verpflegung und genug Getränke, Kartenmaterial digital oder auf Papier, ein aufgeladenes Mobiltelefon und eine kleine Taschenapotheke.

Die Tage werden kühler, nasser, dunkler. Was ziehe ich im Spätherbst an?

Es empfiehlt sich, mehrere Schichten zu tragen. Direkt auf die Haut kommt eine Komfortschicht aus Wolle oder modernen Fasern, die Schweiss ableitet und so den Körper trocken hält. Baumwolle eignet sich nicht so, da sie Nässe aufsaugt und unangenehm auf der Haut klebt. Die ‹Wärmeschicht› aus Fleece oder Wolle sorgt für die richtige Temperatur. Sie sollte ebenfalls körpernah geschnitten sein, damit sie gut isoliert. Zu äusserst hält die Schutzschicht Wind und Wetter ab. Wichtig ist, dass sie atmungsaktiv, wasser- und winddicht ist und so vor Durchnässung und Unterkühlung schützt. Auch die Hose sollte die Feuchtigkeit nach aussen transportieren, eine wasserabweisende Beschichtung schützt vor Regen. Jeans eignen sich daher weniger.

Was ist bei Wanderschuhen zu beachten?

Die Schuhe müssen bequem und stabil sein, dürfen aber nirgends drücken. Bei zu locker sitzendem Schuhwerk kann es zu schmerzhaften Schürfungen kommen. Auf jeden Fall müssen sie vor der Wanderung eingelaufen werden und auf das zu erwartende Gelände und Wetter angepasst sein.

Was packe ich für eine leichtere Wanderung in den Rucksack?

In den Rucksack gehören: Sonnenschutz wie Brille, Kopfbedeckung oder Crème, ein Regenschutz falls nötig, eine Taschenapotheke, Ersatzwäsche, ein Handy mit Notfallnummern sowie ausreichend Verpflegung und Getränke. Mit dabei sein sollten auch Kartenmaterial sowie eine Gesichtsmaske und Desinfektionsmittel.

Was gilt es speziell zu Coronazeiten zu beachten?

Auch auf Wanderungen gelten die Covid-19-Schutzmassnahmen, das heisst genug Abstand halten oder sonst eine Maske tragen. Und ganz wichtig: auf das Händeschütteln mit den Wanderkollegen verzichten.

Wie finde ich gute Wanderwege für Anfänger?

Wanderanfänger sollten sich eine Route aussuchen, die sie nicht überfordert. Es gibt Wanderwegkategorien mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Anfänger sind auf gelb markierten Wanderwegen sicher unterwegs. Aus dieser Kategorie gibt es auf unserer Website über 500 Wandervorschläge. Diese verlaufen oft auf breiten Wegen, über steile Passagen helfen Stufen und Absturzstellen sind mit Geländern gesichert.

Mit welcher Länge starten Wanderneulinge am besten?

Das hängt natürlich von der eigenen körperlichen Verfassung ab und ist folglich individuell. Wichtig ist, dass man genug Pausen einplant und viel trinkt, denn der Körper braucht zwischendurch Erholungsphasen.

Welches Wandererlebnis war für Sie bisher das schönste?

Oh, es gibt so viele schöne Wanderungen bei uns in der Schweiz. Kürzlich bin ich den Höhenweg von Kreuzboden über die Almagelleralp nach Saas-Almagell gewandert. Die Wanderung ist abwechslungsreich, die Aussicht auf die Mischabelkette und den Feegleschter einfach atemberaubend.



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