Stimulierende Wirkung Der gefährliche Koffein-Kick: Energy Drinks und ihre Folgen

kd/dpa

5.3.2018

Energy Drinks für Jugendliche? Nicht in Grossbritanniens Supermärkten. In der Schweiz werden die aufputschenden Getränke dagegen weiter auch an Kinder abgegeben. Aber was bewirken Red Bull & Co. eigentlich im Körper? Und wie gefährlich sind Energy Drinks wirklich?

Während sich viele Erwachsenen morgens mit einer Tasse Kaffee oder Tee begnügen, holen sich die Jugendlichen ihren Energie-Kick am liebsten aus der Büchse. Fast jeder fünfte Jugendliche konsumiert täglich mehr als eines der kunterbunten Getränke.

In einer Dose eines durchschnittlichen Energy Drinks stecken bis zu acht Stücke Würfelzucker, 80 Milligramm Koffein und weitere andere aufputschende  Inhaltsstoffe. 

Bereits zwei Energy Drinks pro Tag können gesundheitliche Probleme verursachen. Abgesehen von der Tatsache, dass eine Dose überdurchschnittlich viele Kalorien enthält, und Zucker und Säure die Zähne angreifen, kann es zu Herzrasen, Schlafstörungen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schweissausbrüchen und Übelkeit kommen. 

Dr. Jeanne Fürst von der TV-Sendung «Gesundheit heute» erklärt im Video, was man über Energy Drinks zudem noch alles wissen sollte.

Auffallende, witzige Werbung

Marktführer bei den Energy Drinks ist Red Bull. Das Originalgetränk stammt aus Thailand. In Europa wurde das Getränk zuerst in Österreich verkauft,  in vielen anderen Ländern war es unter anderem wegen des Taurins verboten; in der Schweiz bis 1994.

Dieses Verbot und die Mythen um das Taurin und weitere Zusatzstoffe förderten den Kultstatus des Getränks. Auch heute noch kursieren im Internet zahlreiche Gerüchte über diesen und ähnliche Energy Drinks. Entsprechend gross ist der Reiz für Jugendliche. Die Präventionsstelle Sucht Schweiz schreibt dazu Folgendes:

«Auffallende und witzige Werbung, das Sponsoring von trendigen Events und neue Geschmacksrichtungen sorgen dafür, dass immer wieder neue Kaufanreize für ein immer grösseres Publikum geschaffen werden. Mit Namen wie Hot Kiss, Pussy, Zombie Blood oder Kalaschnikow in Verbindung mit entsprechenden Verpackungen wird insbesondere die Neugierde jüngerer Jugendlicher angesprochen.»

Nach einer neuen europäischen Studie sind die Energy Drinks gerade bei den 10- bis 19-Jährigen besonders beliebt.
Nach einer neuen europäischen Studie sind die Energy Drinks gerade bei den 10- bis 19-Jährigen besonders beliebt.
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Ein unguter Trend also, der noch gefährlicher wird, wenn man Energy Drinks mit Alkohol konsumiert. Denn der süsse Geschmack überlagert den Alkoholgeschmack, so dass viele nicht bemerken, wieviel Alkohol sie wirklich zu sich nehmen. Der Kreislauf wird übermässig belastet. 

Verkauf aus Sicherheitsgründen gestoppt

Die Tatsache, dass es seit 2014 in Litauen verboten ist, Energy Drinks an Minderjährige zu verkaufen und sie zudem Gegenstand von Klagen in verschiedenen US-amerikanischen Bundesstaaten sind, zeigt, dass sich der Konsum und auch die Vermarktung dieser koffeinhaltigen Getränke als problematisch herausstellen kann.

Andere Länder beschränken sich auf Empfehlungen. In Frankreich hatte es jahrelang ein Verbot des Energydrinks Red Bull gegeben, das 2008 wieder gekippt worden war. Auch in Dänemark und Norwegen gab es für das Produkt zeitweilig solche Verkaufsverbote.

Und ganz aktuell: In Grossbritannien stoppen zur Zeit immer mehr Handelsketten aus Gesundheitsgründen den Verkauf von Energy Drinks an Jugendliche unter 16 Jahren. Nicht nur die Branchenriesen Tesco und Asda, auch die grossen deutschen Discounter Aldi und Lidl ziehen dabei mit.

Konsumentenschützer verärgert

Hingegen plant in Deutschland bislang keine der vier grossen Handelsketten eine Altersbeschränkung für den Verkauf der umstrittenen Koffein-Bomben. Bei Konsumentenschützern sorgen die unterschiedlichen Standards in Grossbritannien und Deutschland für wachsende Verärgerung.

«In Grossbritannien übernehmen Aldi und Lidl Verantwortung, aber in Deutschland wollen die Discounter Kinder und Jugendliche nicht vor den gefährlichen Wachmachern schützen - das ist völlig unverständlich», schimpft Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Gesundheitsrisiken für die jungen Konsumenten von Energy Drinks seien überall dieselben.

In der Schweiz fallen die Energy Drinks seit dem 1. Januar 2014 unter die «Verordnung des EDI über alkoholfreie Getränke (insbesondere Tee, Kräutertee, Kaffee, Säfte, Sirupe, Limonaden)». Die Angabe des Koffeingehalts sowie der Hinweis «Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen» (Art. 21) sind obligatorisch.

Bei Jugendlichen besonders beliebt

Nach einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), für die mehr als 52'000 Personen aller Altersgruppen befragt wurden, sind die Energy Drinks gerade bei den 10- bis 19-Jährigen besonders beliebt.

Etwa 68 Prozent der befragten Jugendlichen konsumierten «Energiegetränke». Davon zählten etwa 12 Prozent aufgrund ihres durchschnittlichen monatlichen Konsums von 7 Litern zu den «stark chronischen» Konsumenten. Selbst bei den 3- bis 10-Jährigen gab fast jedes fünfte Kind an, «Energiegetränke» zu konsumieren.

Eine der prominentesten Stimmen in Grossbritannien für eine Altersbeschränkung beim Verkauf von Energy Drinks ist der Starkoch Jamie Oliver. Er warnt nicht nur vor den gesundheitlichen Folgen, sondern auch vor den Auswirkungen der Aufputschdrinks auf die Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen in der Schule.

Tipps für Eltern und Konsumenten

Die Stiftung Sucht Schweiz hat für Eltern und Konsumenten ein Factsheet zum Thema «Energy Drinks» zusammengestellt – darin sind folgende vier Tipps erwähnt:

1. Energy Drinks wie auch Süssgetränke wie Cola und Limonaden, isotonische Sport-Getränke und Eistee sind als Durstlöscher im Alltag nicht geeignet und fördern durch den hohen Kaloriengehalt das Übergewicht. Machen Sie Ihren Kindern Wasser, verdünnte Säfte, ungesüssten Kräuter oder Früchtetee und Ähnliches schmackhaft und gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran.

2. Durch gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf lassen sich Müdigkeitsattacken und Energietiefs verringern. Stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke erhöhen zwar kurzfristig das Energielevel, führen aber meist nach kurzer Zeit zu einem erneuten Tief. Achten Sie auf ein vollwertiges Frühstück; Energy Drinks sind, wie Kaffee, kein Frühstücksersatz!

3. Energy Drinks (wie auch Kaffee, Guarana, Mate und Ähnliches) sind im Prinzip Dopingmittel - wenn auch legale. Es besteht das Risiko, dass es zur Gewohnheit wird, in Leistungssituationen solche Mittel zu sich zu nehmen. Es kann das Gefühl entstehen, dass es «ohne» nicht geht. Zeigen Sie den Kindern Alternativen zum Griff nach aufputschenden Mitteln auf. Und überdenken Sie Ihren eigenen Umgang mit Leistungsgrenzen.

4. Diskutieren Sie mit Ihren Kindern die Marketingstrategien der Industrie, hinterfragen Sie die übermittelten Botschaften. Analysieren Sie gemeinsam die Inhaltsangaben auf den Getränkedosen und vergleichen Sie verschiedene Getränke miteinander.


«Gesundheit heute» läuft jeden Samstag, 18.10 Uhr, auf SRF 1. Das Thema der Sendung vom 10. März: Nahrungsmittelallergien können tödlich sein.

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