Hautpflege: Dazu rät die Dermatologin

Mara Ittig

7.1.2017 - 17:19

Die Kosmetik-Industrie steckt voller Versprechungen, wie wir uns quasi über Nacht verjüngen können. Was hilft wirklich? Wie pflegt eine Dermatologin ihre Haut? Und welche Werbeversprechen sind Humbug?

In ihrem Institut pret-à-beauté in Zürich kümmert sich Dr. Karoline Zepter, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Ästhetische Dermatologie, um sämtliche Belange, die die Haut gesünder und schöner machen. Wir haben mit ihr über die richtige Pflege unseres grössten Organs gesprochen.

«Bluewin»: Frau Zepter, braucht es Hautpflege überhaupt?

Karoline Zepter: Ja, die braucht's. Weil wir in einer Umgebung leben, die unsere Haut stresst: Umweltverschmutzung, UV-Strahlung, künstlich belüftete Räume. Es gelangen extrem viele schädliche Substanzen an unsere Haut und deswegen braucht sie Pflege. Würden wir in einem Wald leben, ginge es ohne.

Dr. Karoline Zepter ist überzeugt davon, dass Schönheit glücklich macht.
Bild: ZVg

Unsere Haut ist ein tolles Organ, das extrem viel leistet: Sie schützt uns vor Keimen und Wasserverlust, vor UV-Licht und anderen schädlichen Stoffen. Um diese wichtige Barrierefunktion aufrechterhalten zu können, muss man etwas tun.

Was heisst das konkret?

Sie müssen die Haut in ihrer Funktion unterstützen. Mit anderen Worten: vermeiden, dass sie alt wird, denn dann kann sie ihre Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen. Dazu gehört zuallererst - ich kann's nicht oft genug sagen – UV-Schutz. Das ist das Beste, was man für seine Haut tun kann. Der Unterschied zwischen viel oder wenig UV-Exposition macht irgendwann 15 Jahre aus. Alleine durch die Creme können Sie also einen Anti-Aging-Effekt von 15 Jahren erreichen. Das entspricht in etwa einem Lifting.

Dann reicht das ja eigentlich schon ...

Seit kurzem weiss man, dass auch der Infrarot-Bereich des Lichts massiv zur Hautalterung beiträgt. Und davor schützen die bisherigen Filter nicht. Die Haut braucht extra Schutz mit Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Q10. Mit diesen Schutzfaktoren können wir die negative Wirkung von Infrarotlicht aufheben.

Wer es wirklich gut machen will, verstärkt den Schutz über Nahrungsergänzung. Zum Beispiel mit Lycopin. Dieser Stoff gibt den Tomaten ihre rote Farbe und schützt sie vor dem Sonnenlicht. Auf diesen leichten Sonnenschutz von Innen greifen auch Langstreckenläufer und Triathleten zurück, bei denen die Sonnencreme unweigerlich irgendwann verschmiert und weggeschwitzt ist. Was sich ebenfalls lohnt, ist die Einnahme von Niacin. Dieses Vitamin aus der B3-Gruppe kommt hauptsächlich in Fleisch und Eigelb vor. Hochdosiert kann man es als Nahrungsergänzung für eine gewisse Zeit nehmen, denn es ist ein super Radikalfänger und schützt vor Kollagenabbau.

Zeichnet sich eine gute Pflege also in erster Linie dadurch aus, dass ich meine Haut schütze?

Wir müssen unsere Haut nicht nur schützen, sondern auch stärken. Indem wir ihre Fähigkeit verbessern, Wasser zu speichern. Besonders gute Ergebnisse erzielt man mit Hyaluronsäure, ein extrem wichtiger Stoff in der Hautpflege. Hyaluronsäure und UV-Schutz kann ich allen empfehlen. Darüber hinaus muss man die Pflege auf den Hauttyp abstimmen. Jemand mit einer trockenen Haut braucht etwas ganz anderes als jemand mit fettiger Haut. Da empfehle ich den Gang zum Experten, um herauszufinden, welche Bedürfnisse die Haut hat.

Worauf muss ich beim Kauf von Hautpflege-Produkten besonders achten?

Mein Credo lautet: Es gibt keine super Marken, es gibt nur super Inhaltsstoffe. Die Stoffe, die überhaupt in die Haut eindringen und dort etwas bewirken, lassen sich an einer Hand abzählen: Das sind Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A-Säuren, also die ganzen Retinoide, Co-Enzym Q10, Resveratrol aus der Weintraube und dann gibt es noch einige Peptide, die ebenfalls wirken. Es gibt daneben aber auch ganz viele Stoffe, die gelangen lediglich bis zur Hornschicht und entsprechend oberflächlich ist ihre Wirkung. Schauen Sie beim Kauf auf die Inhaltsangaben: Was im oberen Teil angegeben ist, ist relevant.

Sind teure Cremes besser als günstige?

Das werde ich oft gefragt. Günstigere Produkte enthalten die wirksamen Stoffe meist in einer sehr geringen Konzentration. Vitamin C zum Beispiel muss recht hoch dosiert sein, damit überhaupt eine Wirkung sichtbar wird. Es gibt definitiv einen Unterschied zwischen ganz billigen und etwas teureren Cremes, was aber nicht heisst, dass jede teure Creme auch eine gute Creme ist.

Welche Versprechen der Kosmetikindustrie sind Humbug?

Cremes, die versprechen, Pigmentflecken zu entfernen. Ich erlebe immer wieder, dass Frauen zu mir kommen, die jahrelang solche Cremes anwenden und keine Resultate sehen – und dafür viel Geld ausgeben. Eine Creme kann gar nicht dorthin gelangen, wo das Pigment sitzt. Da muss man mit Therapien arbeiten, die viel tiefer gehen, etwa mit einem chemischen Peeling, einem Needling oder einer Mesotherapie. Mit einer Creme alleine verschwinden Pigmentflecken nicht.

Auch die ganzen bearbeiteten Bilder in der Werbung, bei denen die Haut über Nacht 15 Jahre jünger wirkt, sind Blödsinn. Die Hautalterung hängt nicht nur von der Epidermis, also der obersten Hautschicht ab, sondern auch vom Bindegewebe, das darunter liegt, von der Intaktheit der Kollagenfasern, von der Menge an Hyaluronsäure, die sich dazwischen befindet. Und dorthin gelangt keine Creme.

Oft erzählen mir Leute auch, sie schwören auf Öle, Argan- oder Kokosöl zum Beispiel. Das ist schön und gut, aber diese Öle bleiben an der Oberfläche. Man erreicht damit keine Verbesserung des Hautstoffwechsels.

Wieso boomen diese Produkte trotzdem?

Öle sind halt ganz natürlich und die Haut fühlt sich von aussen auch gut an. Aber das ist keine tiefergehende Hautpflege.

Was raten Sie für die ganz alltägliche Hautpflege?

Ich find's wichtig, dass man sich abends, wenn man ein bisschen Zeit hat, mit der Hautpflege beschäftigt. Dazu gehört zunächst, dass man die Haut gründlich reinigt und das Make-Up und den ganzen Dreck runterwäscht. Aggressive Waschlotionen empfehle ich nicht. Waschsubstanzen, die wie ein Peeling wirken, regen die Hornhautproduktion an, weil die Haut ja irgendwie darauf reagieren muss, dass ständig alles weggerubbelt wird. Besser man nutzt die Winterzeit für ein gelegentliches Fruchtsäurepeeling. Und lässt alle zwei Monate eine Tiefenreinigung in Form eines Hydra-Facials machen. Morgens reicht es im Grunde, einfach schnell die Sonnencreme aufzutragen.

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Ich stelle mir einfach vor, wie diese Bürste in meiner Talg- und Bakterienschicht umherfährt und ich sie danach ins Regal stelle. Da dürfen die Bakterien über Nacht weiterwachsen und ich schmiere mir am nächsten Tag das Ganze wieder ins Gesicht. Für mich keine Option. Ich empfehle das niemandem. Es ist einfach nicht hygienisch.

Wie pflegen Sie selbst Ihre Haut?

Ich bin ein grosser Fan von Retinol. Dieser Stoff verfügt über eine grossartige Reparaturfunktion für die Haut: Grosse Poren werden verfeinert, Verhornungen verschwinden, sogar einen Teil der Sonnenschäden, die wir über die Jahre hinweg einfangen, können repariert werden. Wenn man das niedrig dosiert einnimmt, hat man überhaupt keine Nebenwirkungen. Zwei Mal jährlich mache ich ein Needling in Kombination mit einem Vampirlifting (Beim Vampir-Lifting sorgen körpereigene Stammzellen aus dem Blut für eine straffere Haut, Anm. d Red). Ansonsten verwende ich eisern jeden Morgen Sonnencreme mit Faktor 50, auch jetzt im Winter. Einfach, damit ich meine Routine behalte. Ich verwende die Mineral Defense Creme von Skinceuticals, die hat einen LSF von 50 und enthält zudem Antioxidantien. Abends nehme ich ein Serum mit Hyaluron. Also alles in allem gar nicht so viel.

Dann ist der Trend zu koreanischer Hautpflegeroutine mit bis zu 10 Pflege-Schritten zu viel des Guten?

Das hängt vom Hauttyp ab. Asiaten haben eine völlig andere Haut als wir. Wer zu sehr trockener Haut neigt, muss definitiv mehr machen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass gründliche Reinigung und ausreichend Feuchtigkeit für alle wichtig ist. Wenn jemand zu sehr trockener Haut um die Augen neigt, rate ich,dazu, zusätzlich eine Augencreme zu verwenden. Ansonsten muss das aber gar nicht unbedingt sein. Man kann auch die normale Gesichtscreme dafür nehmen. Wer keine trockene Haut hat, kann auch nur ein Serum auftragen. Oder man nimmt noch eine leichte Creme drüber. Das ist wirklich sehr individuell.

Kann man die Hautalterung überhaupt aufhalten mit Pflege?

Man kann sie verlangsamen, da sprechen wir vom sogenannten Slow Aging. Wie schnell man altert, ist zum Teil natürlich genetisch bestimmt. Zum Teil kann man diesen Prozess aber auch aufhalten und sogar umkehren. Wichtig ist, dass man früh damit anfängt.

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Wann fängt man idealerweise mit Anti-Aging an?

Spätestens mit 30. Besser noch zwischen 25 und 28. Mit dem Sonnenschutz fängt man im Idealfall schon früher an. Aber man muss dranbleiben. Das darf man nicht schleifen lassen. Wie Zähne putzen. Das machen wir ja auch selbstverständlich. Und so sollte auch Hautpflege ein ganz natürlicher Teil des Abend- und Morgenprogramms sein.

Schutz, Anti-Aging, Hauttyp: Worauf soll ich den Fokus legen?

Sicher Anti-Aging. Da ist alles andere eigentlich drin. Nehmen wir zum Beispiel Hyaluron. Die Fähigkeit der Haut, Wasser zu binden, nimmt mit zunehmendem Alter ab, weil Hyaluronsäure fehlt. Wenn man da auf Anti-Aging setzt, hat man automatisch etwas für die anderen Belange der Haut getan.

Wenn ich mich mal für ein Produkt entschieden habe – soll ich dabei bleiben oder immer mal wieder wechseln?

Wechseln muss man nicht unbedingt. Wie gesagt – es kommt nicht so sehr auf die Marke an, sondern auf die Inhaltsstoffe. Danach soll man seine Pflege aussuchen.

Zur Person: Dr. Karoline Zepter

Dr. Karoline Zepter ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Ästhetische Dermatologie. Sie verhilft in ihren pret-à-beauté-Instituten in und um Zürich Frauen und Männern zu einem jüngeren Aussehen und einem jugendlichen Lifestyle. Sie ist überzeugt davon, dass Schönheit glücklich macht und man zufriedener ist, wenn man so aussieht, wie man sich fühlt.

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