Kinderkriegen kann tatsächlich «ansteckend» sein

DPA/dor

13.2.2020 - 06:05

Eine Studie fand heraus: Die Geburt eines Kindes kann im Familienkreis und unter Arbeitskolleginnen zu einer Art Kettenreaktion bei der Familienplanung führen.
Bild: Getty Images

Eine Arbeitskollegin ist schwanger, der eigene Bruder wird Vater. Macht es das für einen Menschen wahrscheinlicher, selbst ein Kind zu bekommen? Und wenn ja, setzt sich dieser Effekt weiter fort?

Die Geburt eines Kindes kann im Familienkreis und unter Arbeitskolleginnen zu einer Art Kettenreaktion bei der Familienplanung führen. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung der Universität Bamberg (Bayern) im Fachblatt «Demography». Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau schwanger wird, wenn eine Arbeitskollegin ein Baby bekommt.

Wird die Frau tatsächlich selbst schwanger, kann das wiederum ihre Geschwister beeinflussen – die wiederum Einfluss auf die Familienplanung ihrer Arbeitskollegen haben können. «Diese Kettenreaktion war für uns wirklich neu», sagte Demografie-Expertin Henriette Engelhardt-Wölfler von der Universität Bamberg.

Die Untersuchung basiert auf Registerdaten aus den Niederlanden, die Angaben über Geschwister und Arbeitgeber enthalten. «Dort hat jede Person eine Art Identifikationsnummer, die Geschwister sind verzeichnet und selbst die Arbeitstelle hat eine Betriebsnummer», sagte Engelhardt-Wölfler. Eine vergleichbare Studie wäre in Deutschland schon allein aus Datenschutzgründen nicht möglich.



Für ihre Studie haben Wissenschaftler aus Bamberg, von der Humboldt-Universität in Berlin sowie aus Amsterdam Daten aus dem «System of Social Statistical Datasets» (SSD) ausgewertet. Dort sind Registerdaten aller Einwohner der Niederlande verknüpft, zum Beispiel Angaben über Geschwister und Arbeitgeber, so dass das Forschungsteam beide Bereiche miteinander verbinden konnte.

Umgekehrter Effekt möglich

Laut der Studie gibt es beim Kinderkriegen auch einen umgekehrten Effekt, schreibt die «Badische Zeitung». Menschen im gebärfähigen Alter, die kaum Geburten in ihrem Umfeld miterlebten, bekämen mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit Kinder. Die Mechanismen, die der «Ansteckung» zugrunde lägen, könnten mit den vorliegenden Daten jedoch nicht detailliert untersucht werden, so die Wissenschaftler.

Mit den Daten von Niederländern, die zwischen 1970 und 1979 geboren sind, berechneten die Forscher den Einfluss von aussen auf die Familienplanung. «Die starken Effekte finden wir vor allem unter Frauen», sagte Engelhardt-Wölfler. Am stärksten sei der Kinderwunsch im dritten Jahr, nachdem die Arbeitskollegin Mutter wurde.

Auch wenn Geschwister Eltern werden, verstärkt sich der Wunsch nach einem eigenen Baby vor allem bei Frauen. Durch die emotionale Nähe sei er am stärksten im ersten Jahr nach der Geburt des Neffen oder der Nichte, vermutet Engelhardt-Wölfler. Welche Mechanismen den beobachteten Effekten zugrunde liegen, zeigt die Studie nicht.

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