So wird die Raumluft möglichst coronafrei

Jennifer Weese, dpa

14.7.2020 - 14:30

Coronafreie Raumluft: Auch ohne Klimaanlage oder Vernebelung lässt sich das Infektionsrisiko senken – nämlich durch Stosslüften. Am besten sind die Fenster dabei weit geöffnet. 
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In Innenräumen tummeln sich die meisten Viren – das birgt ein hohes Infektionsrisiko. Wie man das Ansteckungsrisiko drinnen so gering wie möglich hält: die Tipps von Experten.

Büro, Restaurant, Schule oder Uni: In geschlossenen Räumen gibt es oft wenig Luftaustausch. Wer sich eine längere Zeit mit vielen anderen Leuten drinnen aufhält, hat eine erhöhte Gefahr, sich etwa mit dem Coronavirus zu infizieren. Wie dieses verbreiten sich auch viele andere Erreger über die Luft.

Auch der grosse Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk im deutschen Rheda-Wiedenbrück könnte auf Luftübertragungen zurückgehen. Um die Luft dort auf niedrige Temperaturen zu bringen, werde diese aus dem Raum gezogen, gekühlt und zurückgebracht, sagte der Hygiene-Experte Martin Exner. Er schlug Hochleistungsfilter und UV-Strahlen vor, die verhindern sollen, dass Viren künftig über solch ein System verteilt werden.

Coronafreie Innenräume

Spätestens nach diesen Erkenntnissen stellt sich die Frage: Wie können Innenräume wirklich coronafrei gemacht werden und es auch bleiben?

Hochleistungsfilter: Die von Exner empfohlenen Hochleistungsfilter, auch Hepa-Filter genannt, werden schon seit vielen Jahren beispielsweise in Operationssälen von Krankenhäusern eingesetzt. Sie bestehen aus synthetischen Fasern, die in mehreren Lagen übereinander geschichtet werden, erklärte Krankenhaushygieniker Michael Pietsch. Partikel werden ihm zufolge von dem Filter durch verschiedene physikalische Effekte auf den Fasern abgeschieden und verbleiben dort. Auch Coronaviren könnten so herausgefiltert werden.

Desinfektion durch Vernebelung: Einige Unternehmen und Veranstalter desinfizieren Räume durch die Vernebelung von Desinfektionsmittel. Dabei kommen verschiedene Mittel zum Einsatz, die teilweise nicht ganz ungefährlich sind. Seit über 100 Jahren werde etwa die Raumdesinfektion mittels Formaldehyd-Verbreitung eingesetzt, erklärte Krankenhaushygieniker Pietsch. Der Aufwand dafür sei allerdings sehr hoch, ausserdem könne Formaldehyd Krebs auslösen, wodurch ein Raum nicht sofort betreten werden dürfe.

Mittel für Allergiker getestet

Alternativ wird auch Wasserstoffperoxid eingesetzt. Ein Vorteil sei der rückstandslose Zerfall in Wasser und Sauerstoff, so Pietsch. Allerdings muss auch bei dieser Methode ein längerer Zeitraum abgewartet werden, da Wasserstoffperoxid beim Einatmen gesundheitsschädlich sein kann.

Für Allergiker verträglich und natürlich abbaubar soll das Mittel sein, welches das Berliner Ensemble zur Raumdesinfektion ausprobiert. Das nach Angaben des Theaters ungefährliche Desinfektionsmittel Amoair werde über ein Vernebelungsgerät oder ein vorhandenes Lüftungssystem in der Luft verteilt. Ein erster Probedurchlauf habe gezeigt, dass etwa 99 Prozent der im Raum befindlichen Bakterien und Viren durch den Nebel zerstört werden konnten.

Klimaanlagen als Virenschleudern?

UV-Bestrahlung: Bakterien und Viren können durch UV-Strahlen abgetötet werden. Zur Raumdesinfektion eignet sich die Methode aber wohl kaum: Damit die Strahlen überhaupt wirken, sollte der Abstand zwischen Strahlungsquelle und Gegenstand 10 bis 30 Zentimeter betragen, so der Hygiene-Experte Pietsch. «Eine Raumluftdesinfektion wäre nur möglich, wenn die Luft bewegt wird und dadurch Keime immer wieder an der Strahlungsquelle vorbeigeführt werden.» In der Lebensmittelindustrie kann das Verfahren dennoch sinnvoll eingesetzt werden, etwa zur Desinfektion von Verpackungsfolien.

Klimaanlagen: Gängiger als aufwendige Desinfektionsverfahren sind wohl Klimaanlagen. Sie sorgen für eine Frischluftzufuhr von aussen und kühlen oder wärmen diese: Die alte Luft wird abgesaugt und dann entweder nach aussen abgegeben oder gemeinsam mit Frischluft wieder in den Innenraum gebracht. «In jedem Fall kommt es zu einer Verminderung auch der Keimkonzentration in der Innenraumluft», sagte Pietsch.

Klimaanlagen in Büros, Hotels und Malls 

Der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA) empfiehlt für gekühlte Räume mit Umluftbetrieb, die es etwa in Schlachtbetrieben gebe, Klimaanlagen mit hochwertigen Filtern. Bei Anlagen in Büros, Hotels, Shoppingmalls oder Kongresscentern biete ein hoher Aussenluftanteil den besten Infektionsschutz.

«Wir empfehlen gerade in Situationen, wie wir sie derzeit erleben, den Umluftanteil bei Klima- und Lüftungsanlagen so gering wie möglich zu halten», rät BTGA-Präsident Hermann Sperber. Nach Angaben des Verbandes kann eine Übertragung von Coronaviren über Lüftungs- oder Klimaanlagen nahezu ausgeschlossen werden, wenn die Anlagen fachgerecht betrieben und regelmässig gewartet werden.

Richtig lüften minimiert Ansteckungsrisiko

Lüften: Aber auch ohne grosse technischen Gerätschaften kann das Infektionsrisiko in Innenräumen gesenkt werden: Stosslüften mit weit geöffneten Fenstern sorgt am schnellsten für einen Luftaustausch. «Meist sind Innenräume wärmer als die Aussenluft, sodass es einen Luftzug von innen nach aussen gibt. Dadurch kann eine eventuelle Viruskonzentration im Innenraum vermindert werden», erklärte Hygiene-Experte Pietsch. Zudem verringert sich damit auch die Gefahr einer Ansteckung über Aerosole. Hundertprozentig ausschliessen lässt sich eine Infektion so aber nicht.

Masken und Abstand: Auch wenn es alle schon unendliche Male gehört haben: Das Tragen von Masken und das Einhalten der Abstandsregel sind auch weiterhin wichtige Massnahmen zum Schutz vor einer Coronainfektion. Auch das Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes kann einen Luftstrom deutlich minimieren.

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