Unerhört? Nein, hingehört! Junge Menschen reden über den Tod

bk

20.2.2021

Coffins get prepared for cremation, in the crematory Nordheim, on May 29, 2015, in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Saerge werden zur Einaescherung bereitgestellt, im Krematorium Nordheim, am 29. Mai 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Der Tod – gefürchtet, verdrängt, ausgeblendet ... bis zuletzt. Über den Tod sprechen viele Menschen nicht. Zumindest nicht gern. Doch unser Dasein ist endlich, der Tod immer da. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Er ist der berühmt-berüchtigte Elefant im Raum: der Tod. Immer da, so gross wie das Leben. Aber darüber reden? Unangenehm, schwierig, lieber nicht. Oder doch?

«Unbedingt sogar», finden Patrick Bolle, Elena Ibello, Andrea Keller und Viviana Leida Leonhardt. Das Quartett bricht das Schweigen – öffentlich, in ihren Podcasts und mit den unterschiedlichsten Gesprächspartner*innen.

«Vorher hatte der Tod keinen Platz in meinem Haus. Jetzt ist er immer da, immer», sagt Nadja Zela im Gespräch mit Patrick Bolle, Host des Podcasts «Tod&Leben». Die Zürcher Musikerin redet in einer Offenheit, Verletzlichkeit und Stärke über den Verlust ihres Lebenspartners, dass es einem nicht nur ins Ohr, sondern mitten ins Herz geht.

Und da klingen Zelas Sätze dann noch lange nach, rütteln wach, schimpfen auch, trösten ... und verschwimmen mit Musik aus ihrem neuen Album «Greetings to Andromeda», einem der wenigen Requiems der Rockgeschichte.

«Hallo, Tod!» – Mitten im Leben

Bolle realisiert den Podcast im Zuge eines Kulturprojektes mit Namen «Hallo, Tod!» und zusammen mit Andrea Keller, mit der er auch schon ein Fundbüro für Immaterielles realisiert hat – Buch inklusive («Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden?»).

Bei der neuesten Podcast-Folge von Keller tauscht sie sich mit der renommierten Literaturwissenschaftlerin und Autorin Hildegard E. Keller aus, die verstorbene Persönlichkeiten wie Hannah Arendt zurück ins Leben schreibt.

Andrea Keller: «Wenn ich mit Menschen über den Tod und das Leben rede und wir dabei irgendeiner Essenz auf die Schliche kommen, dann gibt es diese Momente, in denen wir uns in die Augen schauen und ich ehrlich platzen könnte vor lauter Staunen über das Dasein.»
Bild: Claudia Herzog

In den anderen im Folgenden vorgestellten Podcasts kommen etwa Mitarbeitende des Hospiz Aarau und Menschen wie Monika Obrist vom Verein Palliative ZH+SH zu Wort, die sich auch beruflich mit unserer Sterblichkeit befassen.

Hinhören lohnt sich nicht zuletzt deshalb, weil es bei den Gesprächen über das Sterben und den Tod auch immer um das Leben geht. Um unser wertvolles, fragiles Dasein.


Einige Podcasts zum Thema «Tod» und ihre Macher*Innen

Das letzte Stündchen: Gespräche über das Sterben und den Tod. Und damit übers Leben. Mit Menschen, die dazu etwas zu sagen haben: Menschen, die sich professionell mit dem Sterben befassen und solche, die es privat tun – gezwungenermassen oder freiwillig.

Elena Ibello, Kommunikationsfachfrau, Journalistin und Buchautorin («Zu Ende denken. Worte zum Unausweichlichen») mit Jahrgang 1982, führt die Gespräche mit ihren Gästen in der Hoffnung, damit andere zum Reden übers Sterben anzuregen. Und aus lauter Neugierde. Auf Spotify anhören.

Schweiz, Dietlikon, Portrait Elena Ibello. © Fabian Biasio, 2019
Elena Ibello: «Ich habe schon viele Gespräche über das Sterben geführt, mit verschiedenen Menschen. Kein einziges davon war langweilig und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in jedem einzelnen dieser Gespräche gelacht.»
Bild: Fabian Biasio

Endlich.sein: Ein Podcast für mehr Life-Death-Balance im Alltag, der der totgeschwiegenen Endlichkeit Gehör verschafft. Gedanken, Geschichten, Facts und Talks rund um den Tod, ehrlich, direkt und neu.

Viviana Leida Leonhardt, geboren 1995, ist Konzeptdesignerin und Teil des Kernteams des Festivals «Hallo, Tod!». Sie ist eine ausführende Denkerin, welche sich für den Wandel der Gesellschaft interessiert. Sie setzt den Death in Kontext. Der Podcast ist auch auf dem Instagram-Account @endlich.sein als «Contemporary Memento Mori» zu hören. Anhören auf Spotify.

Viviana Leida Leonhardt: «Ich will der unausweichlichen Beschäftigung mit der Vergänglichkeit des Seins Gehör verschaffen, denn die Endlichkeit des Lebens zeigt sich nicht nur an dessen Ende, sondern jeden Tag und verbindet uns im Kern als Kollektiv».
Bild: Rafael Gil Cordeiro

Tod&Leben: No time for bullshit: Bei diesem Podcast geht’s um das Wesentliche, nämlich um das Werden, das Sein, das Sterben – das Leben und den Tod, den Tod und das Leben.

Darüber reden Patrick Bolle, Kulturmanager und Soziokultureller Animator, und Andrea Keller, Kulturschaffende, Journalistin/Kulturpublizistin sowie Autorin, mit Menschen, die ihnen begegnen; teils zufällig, teils helfen sie auch nach. Es sind Menschen, die inspirieren, vielleicht auch mal schockieren, indem sie vermeintlich Unaussprechliches in Worte fassen. Hier anhören.

Patrick Bolle: «Mich interessieren die Zusammenhänge und menschliche Schichten. Da kann ich manchmal ein richtiger Nerd sein. Hinter einen Vorhang zu schauen oder zu denken reicht mir oft nicht, ich suche hinter dem Vorhang bereits den nächsten Vorhang.»
Bild: Claudia Herzog

Mehr Hörenswertes zum Thema «Tod»

Interessiert an weiteren Podcasts zum Thema «Tod» aus der Schweiz und der Welt? Hier sieben weitere hörenswerte Projekte:

Deadline: Grüsse aus dem Todestrakt. Host: Marina Fischer. Schweiz. Anhören auf Spotify.

Endlich: Wir reden über den Tod. Hosts: Susan und Caro. Deutschland. Zur Website.

The end: Der Podcast auf Leben und Tod. radioeins. Anhören auf Spotify.

Am Ende interessiert es jede*n: Gespräche vom Leben und Tod. Carina Stöwe. Anhören auf Spotify.

TED Radio Hour: Rethinking Death. Zur Website.

The Art of Dying Well: St. Mary’s University. Zur Website.

The Adventures of Momento Mory: A cynic’s guide for learning to live by remembering to die. Zur Website.


«Hallo, Tod!»: Das Festival findet vom 25. bis zum 30. Mai 2021 in Zürich statt – mit künstlerischen Beiträgen, Referaten, Live-Gesprächen, aber auch praktischen Angeboten. Mehr Infos gibt es hier.


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