Grössenwahn auf See

Die «Pangeos» macht Megajachten zu Beibooten

Von Stefan Michel

19.11.2022

Sie sieht aus wie eine Schildkröte und trägt den Namen des Urkontinents: Pangeos, das grösste Schiff der Welt, existiert bis jetzt nur als Animation.
Sie sieht aus wie eine Schildkröte und trägt den Namen des Urkontinents: Pangeos, das grösste Schiff der Welt, existiert bis jetzt nur als Animation.
Bild: Lazzarini Design Studio

Die «Pangeos» soll das grösste Schiff der Welt werden. Fehlt nur noch eine Werft, die weitläufig genug ist, um die schwimmende Stadt zu bauen – und Investoren, die acht Milliarden Dollar dafür aufbringen.

Von Stefan Michel

19.11.2022

Die grösste Jacht der Welt ist so riesig, dass sie selber über mehrere Häfen verfügt. Gebaut ist sie noch nicht. Designer Perpaolo Lazzarini, der sie sich ausgedacht hat, glaubt dennoch, dass «Pangeos», so ihr Name, dereinst in See stechen könnte. 

Der Name ist Programm. Er lehnt sich an an Pangea, den Urkontinent, dem die gesamte Landmasse der Erde angehörte, bevor die heute bekannten Kontinente auseinanderdrifteten.

Und wie Pangea die heutigen Kontinente klein aussehen lässt, soll Pangeos die grössten existierenden Schiffe zu Zwergen machen. Als grösste Privatjacht mit 180 Metern Länge gilt zurzeit die Azzam im Besitz von Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Pangeos soll 500 Meter Länge und 610 Meter Breite messen, wie auf CNN zu lesen ist.

Schwimmende Stadt mit 60'000 Gästen

Sollte sie dereinst tatsächlich gebaut werden, wäre sie das grösste schwimmende Bauwerk der Welt. Auf der Fläche der Pangeos fänden die drei grössten Frachtschiffe nebeneinander Platz. 

Die Terajacht bietet gemäss Plänen 60'000 Passagieren Unterkunft. Das reicht für die ganze Bevölkerung Biels. Die Beschreibung des Schiffs als schwimmende Stadt macht auch angesichts der Bauweise Sinn, die an eine futuristische Wohnüberbauung in Schildkrötenform erinnert.

Der Realisierung stehen nicht nur immense Kosten von acht Milliarden Dollar im Weg. Gemäss Designer Lazzarini müsste zuerst ein Ort geschaffen werden, an dem sich ein Schiff dieser Dimension bauen liesse. Nötig wäre dafür eine Meeresfläche von einem Quadratkilometer, die von Kais umschlossen wäre. 

Das Schiff hat kein Ziel, es ist selber eines

Lazzarini schätzt, dass in Saudi-Arabien in der Umgebung von Jiddah ein geeigneter Ort für eine solche Riesenwerft wäre. 2033 könnte die gigantische Schiffsjacht bereit sein. Der Bau der Pangeos würde dann weitere acht Jahre in Anspruch nehmen. 

Wie gut das enorme und mit einer Maximalgeschwindigkeit von weniger als zehn km/h eher langsame Schiff mit grossen Ozeanwellen zurecht käme, ist eine andere Frage. Aber vielleicht müsste die Pangeos gar keine Kreuzfahrten anbieten. In normalen Häfen anlegen könnte sie ohnehin nicht. Vielmehr könnte die schwimmende Ferieninsel selbst das Ziel der Reise sein.