Wüstenausbreitung in der Sahelzone

Aufbau der Grünen Mauer kommt schlecht voran

dpa

18.5.2022 - 21:04

HANDOUT - 08.11.2018, Senegal, Kaffrine: Eine Landwirtin arbeitet auf dem Feld im Rahmen eines Waldgartenprojekts von Trees for the Future in Kaffrine, Senegal. Trees for the Future leitet, in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union, Grüne-Mauer-Projekte im Senegal, Tschad, Mali und Gambia. (zu dpa «Aufbau der Grünen Mauer gegen Wüstenausbreitung kommt schlecht voran») Foto: Xaume Olleros/Trees for the Future/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Eine Landwirtin arbeitet auf dem Feld. im Rahmen eines Waldgartenprojekts von Trees for the Future im Senegal.
Xaume Olleros/Trees for the Future/dpa

Eine Grüne Mauer aus Pflanzen quer durch Afrika, das ist das Ziel. Doch die Arbeit kommt nur schleppend voran.

dpa

18.5.2022 - 21:04

Es ist ein ehrgeiziges Pflanzprojekt im Kampf gegen die Ausbreitung der Wüsten und die Verschlechterung von Böden: Die sogenannte Grüne Mauer soll sich über rund 8000 Kilometer vom Senegal im Westen durch die gesamte Sahelregion bis nach Dschibuti im Osten des Kontinents ziehen. Etwa 100 Millionen Hektar degradiertes Land – knapp drei Mal die Fläche Deutschlands – sollen bis 2030 wieder fruchtbar gemacht und bepflanzt werden. Davon würden mehr als 230 Millionen Menschen in der Region profitieren.

Auf der Weltbodenkonferenz in Abidjan in der westafrikanischen Elfenbeinküste geht es am Mittwoch um den derzeitigen Stand der Grünen Mauer. Der letzte, vor zwei Jahren veröffentlichte Zwischenbericht im Auftrag der Vereinten Nationen hatte klar gemacht, dass bis zum Jahr 2030 noch viel zu tun sein wird. Je nach Abschnitt seien seit dem offiziellen Start Projektes im Jahr 2007 erst 4 bis 20 Prozent der Ziele erreicht worden. In 15 Jahren sind erst gut 15 Millionen Hektar begrünt worden.

Hinzu kommen Finanzierungslücken, hiess es in einem Anfang Mai im Fachzeitjournal «Nature» veröffentlichten Artikel. Während die Zielmarke der afrikanischen Regierungen und internationalen Geber bei 30 Milliarden Dollar (rund 29,6 Milliarden Franken) liege, seien bislang nur 19 Milliarden zustande gekommen.

Kritiker bemängeln zudem, dass für einen möglichst raschen Erfolg der Grünen Mauer überwiegend schnell wachsende Bäume und andere Pflanzen gepflanzt würden. Als Ökosystem hätten sie aber bei weitem nicht den gleichen Nutzen wie ein Naturwald.

Bei dem Projekt geht es um weit mehr als «nur» das Pflanzen von Bäumen. Die Grüne Mauer soll helfen, Klimawandel, Dürren, Hungersnöte, Konflikte, Migration und Landverödung zu bekämpfen. Die neuen Pflanzen würden 250 Millionen Tonnen Kohlenstoff binden und 10 Millionen grüne Arbeitsplätze schaffen, berichtet die Afrikanische Union (AU), die das ambitionierte Projekt startete. Gesicherte Einkommen gehören zu den wichtigsten Massnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen in der Region.

Aufforstung in der Sahelzone sei eine «grosse Herausforderung», sagt Lindsay Cobb, Sprecherin der amerikanischen Organisation Trees for the Future, die in Zusammenarbeit mit der AU, Grüne-Mauer-Projekte im Senegal, im Tschad, in Mali und in Gambia leitet. Es gehe nicht nur darum, massenhaft Bäume zu pflanzen, sondern auch darum sicherzustellen, dass die Bäume überleben. Dafür brauche man das Engagement der Bevölkerung. «Massenhafte Baumpflanzungen, das ist eher kurzsichtig. Man braucht Menschen, die sich um diese Bäume kümmern, dafür sorgen, dass sie gewässert werden, dass keine Tierherde kommt und die jungen Bäume vernichtet». 

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