Die Impf-Pflicht ist in einigen Ländern bereits Realität

AFP/uri

14.9.2021

Papst Franziskus trifft im April 2021 im Vatikans auf Personen, die auf eine Corona-Impfung warten. Für die Angestellten des Vatikans gilt eine Impf-Pflicht. (Archiv)
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In der Schweiz wird leidenschaftlich über die Ausweitung des Covid-Zertifikats gestritten. In anderen Ländern ist man bereits weiter: Im Vatikan-Staat müssen sich alle Erwachsenen piksen lassen.

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14.9.2021

Eine Corona-Impf-Pflicht als Mittel gegen die Pandemie wird in vielen Ländern diskutiert. In der Schweiz haben die «Stopp Impfpflicht»-Initianten zuletzt sogar mehr als 100'000 Unterschriften gesammelt. Und das obwohl ein entsprechender Zwang hierzulande weder existiert noch vorgesehen ist.

Lediglich für spezifische Berufsgruppen, etwa Pflegende, ist dem Bundesrat bislang möglich, Impfungen verpflichtend zu machen, was bei bestimmten Erregern auch bereits der Fall ist. Andere Länder sind hier bedeutend strikter:

Impf-Pflicht für alle Erwachsenen 

Eine Impf-Pflicht für die gesamte erwachsene Bevölkerung eines Landes ist selten. Ein Beispiel ist etwa die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan in Zentralasien, wo seit Anfang Juli eine Impf-Pflicht für alle Erwachsende gilt.

Auch das weitgehend isolierte Turkmenistan, das zu den wenigen Ländern weltweit zählt, die offiziell noch keinen einzigen Corona-Fall gemeldet haben, hat eine Corona-Impf-Pflicht. Sie gilt für alle Bewohner ab 18 Jahren «ohne medizinische Kontraindikation». Das kleinste Land der Welt, der Vatikan, hat bereits am 8. Februar eine Impf-Pflicht für alle Bewohner und dort beschäftigten Angestellten eingeführt. Die Strafen bei einem Verstoss reichen theoretisch bis hin zur Entlassung.

Impf-Pflicht für bestimmte Gruppen

Einige Länder und Gebiete haben eine Corona-Impf-Pflicht nur für bestimmte Bevölkerungs- oder Berufsgruppen erlassen.

In den USA hat Präsident Joe Biden am Donnerstag eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Bundesbehörden sowie für Mitarbeiter von Auftragnehmern der Regierung angekündigt. Auch Mitarbeiter von staatlich geförderten Pflegeheimen und in von der Bundesregierung kontrollierten Schulen kommen um das Impfen nicht mehr herum.

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In Kanada ist eine Impf-Pflicht für die 300'000 Bundesbeamten sowie für alle Zug-, Flug- und Schiffsreisenden geplant.

In Frankreich gilt ab Mittwoch eine Corona-Impf-Pflicht für alle Mitarbeiter von Spitälern, Alten- oder Pflegeheimen, Pflegediensten sowie für Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Feuerwehr.

In Griechenland wurde die Corona-Impfung Mitte August Pflicht für das Personal von Altersheimen, für den Gesundheitsbereich trat sie am 1. September in Kraft.

In Italien sind Ärzte und anderes medizinisches Personal seit dem 25. Mai zur Immunisierung verpflichtet. Anderenfalls droht ihnen ein Verbot, mit Patienten zu arbeiten. Am 10. Oktober wird die Regelung auf die Mitarbeiter von Altenheimen ausgeweitet.

Ihre Entlassung riskieren auch alle Berufssoldaten in Lettland, die nicht vollständig gegen Corona geimpft sind.

Die Regierung Grossbritanniens beschloss eine Impf-Pflicht für das Personal von Altersheimen ab dem 11. November. Ausserdem läuft eine Debatte über die Ausweitung der Impf-Pflicht auf den gesamten Gesundheitsbereich.

Für Ungarn kündigte Regierungschef Viktor Orban Mitte Juli eine Impf-Pflicht für Pflegepersonal an. Im zentralasiatischen Kasachstan muss sich der Grossteil der Arbeitnehmer impfen lassen, die beruflich mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Simbabwe hat am Mittwoch verkündet, dass ungeimpfte Beamte ihren Hut nehmen müssen. Im westafrikanischen Gambia gilt eine Impf-Pflicht für Mitarbeiter der Tourismusbranche. Im zentralafrikanischen Äquatorialguinea müssen sich Soldaten, Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Lehrer impfen lassen.

Keine allgemeine Impf-Pflicht, aber so gut wie 

In einigen Ländern gilt zwar formal keine allgemeine Impfpflicht, aber die Einschränkungen für Nichtgeimpfte wiegen so schwer, dass sie einer Verpflichtung sehr nahekommen.

In Saudi-Arabien haben nur noch Geimpfte Zutritt zu staatlichen und privaten Einrichtungen, darunter auch Bildungs- und Unterhaltungsstätten und öffentliche Verkehrsmittel.

In Pakistan ist in der Provinz Belutschistan seit dem 1. Juli allen Nicht-Geimpften der Zutritt zu Ämtern, Einkaufszentren und Parks verboten, öffentliche Verkehrsmittel dürfen sie auch nicht nutzen.

Vorgaben des Arbeitgebers

Auch die Zahl der Unternehmen, die eine Impf-Pflicht für ihre Belegschaft oder Teile davon verhängen, wächst. Das gilt insbesondere für die USA, wo grosse Unternehmen wie die Drogerie-Kette CVS, Chevron, Disney und Goldman Sachs die Corona-Impfung zur Pflicht gemacht haben. Auch die australische Fluggesellschaft Qantas schreibt all ihren Mitarbeitern die Impfung vor.