Die Queen und ein Baby-Ballon: Was Donald Trump in Europa erwartet

SDA/DPA

2.6.2019

DPA /Keystone

Der pompöse Staatsbesuch in Grossbritannien fällt in wilde politische Zeiten. Donald Trump ist das egal. Der US-Präsident bleibt sich treu und sorgt bereits vorab für Turbulenzen. Das finden nicht alle gut.

Die glanzvollen Termine von US-Präsident Donald Trump in Grossbritannien – Staatsbankett mit der Queen, Tee mit dem Thronfolger – können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auf seiner Europa-Reise ruppig zugehen könnte. Zwar ist der Auftakt am Montag Königin Elizabeth II. und ihrer Familie gewidmet.

Es folgt am Dienstag allerdings ein Treffen mit Premierministerin Theresa May. Dabei dürfte Trump auf harte Massnahmen gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei drängen.

Schon vor seinem Besuch erregte der US-Präsident mit der Äusserung Unmut, er hielte Ex-Aussenminister Boris Johnson für einen «sehr guten Premierminister». Oppositionsführer Jeremy Corbyn warf Trump daraufhin Einmischung in das Rennen um Mays Nachfolge als Premierministerin vor.

Die Kandidaten für Theresa Mays Nachfolge

Unerwünschte Ratschläge vom Gast

Schon bei seinem vorherigen Besuch auf der Insel im Juli 2018 hatte Trump Mays Rivalen Johnson als grossartigen potenziellen Regierungschef gelobt sowie den Verhandlungsstil der Regierungschefin bei den Brexit-Gesprächen kritisiert und damit für Irritationen gesorgt. Auch diesmal hielt er mit Ratschlägen zum Thema Brexit nicht hinter den Berg: Die Briten müssten den EU-Austritt noch in diesem Jahr schaffen. «Sie müssen es hinbekommen. Sie müssen den Deal abschliessen», sagte er der britischen eitung «Sunday Times».

Wenn sich die EU den Forderungen Grossbritanniens nicht beuge, sollten sich die Briten weigern, die Brexit-Abschlussrechnung von 39 Milliarden Pfund zu zahlen und die Verhandlungen scheitern lassen. Bereits am Donnerstag hatte Trump neben Johnson mit Nigel Farage einen zweiten Brexit-Hardliner seinen Freund genannt. Sollte er sich in Grossbritannien mit einem der beiden Politiker treffen, könnte dies als Brüskierung Mays angesehen werden.



In den vergangenen Tagen haben Mitglieder der US-Regierung bereits die Themen Huawei und Brexit angestossen. US-Aussenminister Mike Pompeo forderte, die Briten müssten ihre Haltung gegenüber China und dem Netzwerkausrüster ändern. Die Regierung in London soll Huawei wegen Spionagebedenken vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes im Königreich ausschliessen.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, erklärte seinerseits in London, sein Land wolle sich zwar nicht in den britischen Streit über den EU-Austritt einmischen. Allerdings wies Bolton gleichzeitig Bedenken gegen den Brexit zurück: «Wissen Sie, Amerika hat auch mal seine Unabhängigkeit erklärt. Wir sind da ganz gut rausgekommen.»

Hohn und Spott für Trump

Britische Demonstranten wollen ihrerseits nicht zimperlich mit dem Staatsgast umgehen. Bei einem «Karneval des Widerstandes» soll wieder ein Riesenballon aufsteigen, der Trump als orangefarbenes Baby mit einem Smartphone zeigt. «Wir wollen Donald Trump verspotten», sagte der Designer des Ballons, Matt Bonner, der Nachrichtenagentur Reuters. «Damit er mal sieht, wie das ist.»



Am Mittwoch soll Trump in Südengland an den Gedenkfeiern zur Normandie-Landung im Zweiten Weltkrieg teilnehmen. Dort wird auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Anschliessend reist Trump nach Irland und trifft dort Ministerpräsident Leo Varadkar.

Am Donnerstag ist eine weitere D-Day-Feier in Frankreich geplant. Möglicherweise wird Trump dann am Freitag erneut nach Irland reisen, wo er einen Golfclub besitzt.

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