Nach Festnahme von SRF-Journalistin

Schweiz bestellt Botschafter von Belarus ein

SDA/gbi

1.2.2021 - 16:48

Luzia Tschirky
berichtet für SRF aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten.
Luzia Tschirky berichtet für SRF aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten.
Bild: SRF/Oscar Alessio

Einen Tag nach der vorübergehenden Festnahme von SRF-Korrespondentin Luzia Tschirky hat das Aussendepartement EDA den belarussischen Botschafter Alexander Ganevich einbestellt. 

Luzia Tschirky war am Sonntag in der belarussischen Hauptstadt Minsk unterwegs, als es passierte: «Wir standen an einer Ampel und wollten die Strasse überqueren, als plötzlich ein Minibus neben uns angehalten hat. Drei maskierte Männer sprangen heraus und sagten, wir sollen mitkommen», erinnert sich die SRF-Korrespondentin im Interview mit ihrem Arbeitgeber. 

Tschirky protestierte, erklärte, dass sie Journalistin sei und über eine Akkreditierung verfüge. Dennoch wurden sie und ihre Bekannten in den Minibus gezerrt und auf eine Polizeistation gebracht. Der Grund für die rabiate Festnahme erfuhr sie nicht: «Ich weiss es nicht, ich glaube, es war reine Willkür.»

Das Eidgenössische Aussendepartement EDA verurteilt die Festnahme von Tschirky. Zugleich forderte es «die Freilassung aller willkürlich inhaftierten Personen», wie das EDA am Montagnachmittag auf Twitter bekannt gab. Die Schweiz verfolge die Situation in Belarus weiterhin genau.

Tschirky wurde nach rund drei Stunden wieder freigelassen und begab sich nach ihrer Freilassung in die Schweizer Botschaft in Minsk. Ihre Bekannte sowie deren Mann wurden zunächst weiter festgehalten. Das EDA hatte wegen der Festnahme beim belarussischen Aussenministerium interveniert.

Wie Tschirky am Montag auf Twitter schrieb, wurde einer der Mann ihrer Bekannten von einem Gericht zu 25 Tagen Arrest verurteilt. Der Grund dafür war nicht bekannt. 

Tschirky vermutet, dass die belarussischen Behörden wohl gedacht hätten, sie und ihre Bekannten wären unterwegs zu einer Anti-Regierungs-Demo gewesen. «Seit den Präsidentschaftswahlen im August gab es regelmässig an Sonntagen Demonstrationen gegen die Regierung», sagte sie bei SRF. «Vielleicht vermutete man, dass wir uns mit anderen treffen wollten.»

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