Russland Ehefrau von Nawalny bei Protesten in Moskau festgenommen

dpa/afp/toko

23.1.2021

Die russlandweiten Proteste zur Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny haben die Hauptstadt Moskau erreicht. Es gab zahlreiche Festnahmen, auch Nawalnys Ehefrau Julia wurde verhaftet.

Die Ehefrau von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist bei Protesten für die Freilassung ihres Mannes in Moskau selbst festgenommen worden. «Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität», schrieb Julia Nawalnaja am Samstag zu einem von ihr veröffentlichten Foto im Onlinedienst Instagram. Es zeigt sie in einem Gefangenentransporter der Polizei in der russischen Hauptstadt.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia.
Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia.
Alexej Nawalny/Alexei Navalny/dpa

Die russlandweiten Proteste zur Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny hatten zuvor die Hauptstadt Moskau erreicht. Polizisten nahmen bis Samstagnachmittag mehrere Demonstranten fest, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Auch Nawalnys engste Mitarbeiterin, die Juristin Ljubow Sobol, wurde festgenommen.

Unter den Tausenden Protestierenden waren viele junge Leute und Angehörige der Mittelschicht. Anders als bei nicht genehmigten Kundgebungen in der Vergangenheit war der zentrale Puschkin-Platz nicht weiträumig abgesperrt. Aktivisten beklagten eine Drosselung des Internets.

Nawalnys Anhänger hatten für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sie fordern die Freilassung des Oppositionellen, der am Montag in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war. Nawalny soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstossen haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Der 44-Jährige und sein Team sehen das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert an.



«Putin ist ein Dieb», riefen die Menschen in Moskau — so wie zuvor auch schon in vielen anderen Städten des Landes, in denen die Protestaktionen aufgrund der Zeitverschiebung mehrere Stunden früher stattfanden als in der Hauptstadt. Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel «Ein Palast für Putin» ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein «Zarenreich» am Schwarzen Meer bauen liess. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe in dem mehr als 67 Millionen Mal angeklickten Film als «Unsinn» und «Lüge».

Die Polizei verhaftet in Mokau einen Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift: «Freiheit für Nawalny» und einem Porträt des russischen Präsidenten Putins hinter Gittern hält, während eines Protestes gegen die Inhaftierung des Oppositionsführers Alexej Nawalny.
Die Polizei verhaftet in Mokau einen Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift: «Freiheit für Nawalny» und einem Porträt des russischen Präsidenten Putins hinter Gittern hält, während eines Protestes gegen die Inhaftierung des Oppositionsführers Alexej Nawalny.
Pavel Golovkin/AP/dpa

Landesweit zählte die Bürgerrechtsorganisation OWD bis zum Nachmittag 369 Festnahmen. Es gab aber auch Berichte von Sicherheitskräften, die nicht eingriffen, sondern die Menschen marschieren liessen. Die russischen Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen am Samstag. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden.

Nawalny macht Kremlchef Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück.

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